Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 11a (Mitte November 1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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der Israelitischen Religionsgemeiilde Dresden Amtliches Organ des Semeindevorstandes . * Mitteilungsblatt des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes * Verantwortliche Schristleitung: Leo Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische Religionsgemeinbe Oresden»A. l, Zeughausstraße 3 / Ruf 14051 und 17887 / Verantwortlich für den Inseratenteil: Iac. Sternlicht, Dresben-A. iS, Sttibel-Allee 35 / Ruf 34185 / Alleinige Annahmestelle Ür Inserate ebenda /j Olt 4 mal gespaltene 48-mm-Zeil« kostet 22 Pfennig, laufend Rabatt / Druck: A. Sruhnert, Dresden-A. 1, Ammonstr. 81 X. Jahrg. Dresden, Mitte November H934 |". " 1 " | Kummer nä| Wenn die Menorah brennt . . . Chanuttah als häusliches Fest Oer Ehanukkahleuchter gehört zu den Dingen des jüdischen Hauses, von denen wir das Warten lemen können. Alle Wochen des Jahres über steht er ohne rechten Zweck herum, ist so etwas wie ein Aufstellgegenstand, wird geputzt und wieder weggeflellt und nie gebraucht. Bis dann endlich auch seine Zeit da ist, bis die acht glücklichen Tage, um beretwillen wir ihn das Jahr hindurch pflegen, ihn in die Mitte eines strahlenden Festes tragen, bis er selbst das Flammen und Leuchten von seinen acht Armen ausfenden darf: Erinnerungsfeuer an den Heldenkampf einer kleinen tapferen Männerschar, Glaubensstrahl an die Llnbesieglichkelt des jüdischen Grins und Sinns in der Welt. ' Wenn die Menorah wieder brennt, hat sie in diesem Jahre einen weiteren Leuchtkreis als in vielen früheren. Hunderte von jüdischen Müttern haben früher ihren Kindern den christlichen Weihnachtsbaum zum Geburtstag des christlichen Heilands angezündet^und ihn vor sich selbst und den vorwurfsvollen Augen jüdischer^jFreunde zu einer rein deutschen Sitte, einem Wintersonnenfest, dem Wiederkehren der toten Sommersonne und des Sommergotts umgedeutetohne sich darüber Rechenschaft zu geben, daß sie damit statt einer christlichen einer uralt heidnischen Sitte anhingen - und das machte ihre Haltung vor jüdischen Augen nicht besser. In diesem Jahre werden diese jüdischen Mütter zu solchen Anleihen schon zu stolz geworden sein. In diesem Jahre werden sie sich auch nicht mehr hinter die Ausflucht verstecken: »Warum soll mein Kind die ^Vorfreude auf das Fest, das Glück der Bescherung, all den heimlichen, holbseeligen Zauber entbehren müssen, warum soll es seine Kameraden darum beneiden?" Wo die Menorah brennt, wird es keinen Weihnachtsbaum entbehren. Wenn die Menorah brennt -» . . Das Wort von der Mutter geheimnisvoll gesprochen, weckt Erwartungen, weckt selige Ungeduld, bis der Rausch Lhaudesch des Kislev gekommen ist. Am 24. Kislew - dann! Dann zünden wir zum ersten Mal die Menorah an, dann brennt auf ihren Armen das erste Lichtchen, dann steigert sich der Lichterglanz von Abend zu Abend, bis endlich der ganze Leuchter mit acht Flammm die Festhöhe bestrahlt. »Was wünscht ihr euch denn? - Es ist eine Frage, auf die jüdische Kinder genau so gespannt warten wie alle anderen, und «in Wunschzettel läßt beim Lhanukkahfest noch viel mehr Möglichkeiten offen. Ein Llchtlein hat ja doch gar nicht so viel Schenkgewalt wie drei oder sieben oder gar alle acht! Darum muß jeder 'Äbend etwas von den Wünschen wahr machen und der letzte endlich die ganz große Steigerung erreichen. Aber vom Schenken allein wird Ehanukkah noch nicht hell, SS gibt zarte kleine Privilegien, mit denen man den Kindem besondere Gunst erweisen muß: sie selbst dürfen die Menorah für den Abend zurecht machen und sie dann den ganzen Rachmittag in schöner Bereitschaft stehen sehen; wo gar zwei Buben daheim, sind, muß jeder seine eigene haben und neben dem Vater stolz die Berachah sprechen: damit aber die Mädchen das nicht als eine' Zurücksetzung empfinden, sollte man ihnen dann die Bereitung deS Festes überlassen und damit gleich dartun, daß eben dies die schöne und auszeichnende Stellung der jüdischen Frau ist: Bn'ngerin des Festes für die anderen zu sein. In vielen Orten ist es Sitte, daß man, so lange die Menorah noch nicht mit allen Lichtern brennt, zu den zweien oder dreien usw. des Abends am unteren Ende des Leuchters' ein kleineres Licht anzündet, zum Gedächtnis und zur Feier der Toten in Israel. Oie hohe Würde, die darin liegt, mischt in den Glanz und den Scherz des Festes eine wunderbare Stille, und so kann man auch die acht Abende wechselvoll ^nach Fröhlichkeit und besinnlichem- Ernst gestalten. Wenn hier nur davon die Rede war, wie man jüdischen Kindern das Ehanukkahfest lebendig machen könne, so geschah dies weil früher die Kinder den Müttern die Gründe für eine Flucht in eine fremde Sitte tiefem mußten. Aber Ehanukkah ist nicht nur ein Fest für die Kinder. Wir pflegen seit vielen Jahren am Ausgang des Schabbos Ehanukkah zusammenzukommen, ein Freundeskreis ohne Kinder, und für diesen Abend bereiten wir Gaben mit widmenden und neckenden Versen vor. Dem Beschenken geht das feierliche Entzünden der Menorah und das gemeinsame »Moaus zur" voraus, fast immer auch ein ernstes Gespräch, das sich an den Brauch, an die Geschichte, an die Literatur des Ehanukkahfestes anknüpst. Wenn die Menorah brennt, geht die Erinnerung an die Wunder unseres geschichtlichen Wegs durch unsere Häuser. Wenn die Ehanukkahlichter strahlen, glauben wir heiß dem Segensspruch: » ... der Wunder an unseren Dätem getan hat,, in jenem Tagen, um diese Zeit." »Wunder erfahren" heiße uns: »Kraft und Frieden erlangen!" Martha Wertheimer ... Das nächste Gemeindeblatt erscheint am 1. Dezember 1934 ....iiiniiinimuniumiiumiiiiminuiuMHiiiiumiiiiiHuuimimiiitiiuiiintniiniiiiiiHiiiumumiiuMimMimiimmi«iu