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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1934-11-01 · 11 (11.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
10 (1934)
Issue
11 (11.1934)
Date
1934-11-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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I Leite 2_ Ge mei nd e bl a t t der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden_Nr. 11 SEIDEMHAUS JACOBV NACHF._Das Haus der großen Leistungen! Inh.: Ludwig Siebei Dresden-A., Altmarkt 6 Seide * . Wolle * Samt Zivilisation nicht ungeschehen machen und überspringen, wir wollen es auch nicht, weil es der Kulturfreundlichkeit und dem Kulturvertrauen des! Judentums widerspricht. Einen Lebensstil des Sonderlings zu schaffen, ist leicht, weil dieser sich bewußt von den andern scheidet und das schlechte der Umwelt meidet, aber auch das Gute ablehnt. Echte Kultur entsteht beim einzelnen und bei der Gemeinschast nur durch vergleich und Kritik, durch Auseinandersetzung und innere Verarbeitung des Eigenen mit dem Fremden. Wie schaffen wir einen eigenen jüdischen Lebensstil? Es ist vor allem notwendig, daß wir endlich den Verzicht auf alle Theorie aufgeben, dem wir nur zu lange hingegeben waren. Was nicht Praxis war, galt uns nichts. Wir wähnten, das Leben durch das tätige Leben zu bezwingen. Man kann das Leben aber nur durch den Geist erkämpfen, verstehen, als Sieger überwinden. Auch alle wirtschastlichen Schöpfungen des einzelnen und des Volkes ruhen aus national-ökonomischen Grundsätzen, die man nicht ungestraft vernachlässigen darf. Eine lebendige Weltanschauung muß von uns wieder gewonnen werden. Wir dürfen nicht glauben, daß das theoretische Lernen mit der Schulzeit abgeschlossen sei. Nicht jede Theorie ist grau und unfruchtbar. Ohne echte Lebensanschauung gibt es keine wahre Lebensüberwindung. Wir müssen das Judentum kennenlernen, um aus einem festen Grund unser inneres und äußeres 'Oasein aufzubauen. Oas Judentum hat als die älteste und am längsten lebende Kulturansicht sich mit allen wechselnden Lebensstilen auseinanderzusetzen' verstanden. Es gibt grundlegende Antworten aus alle Fragen. Es gewährt uns eine innere Sicherheit und einen seelischen Adel, vor dem jeder Andersgläubige Nespekt hat. Oarum gilt es, jüdisches Sein lernend und lebend zu erfassen. Selbst die wirtschaftliche Not darf uns nicht hindern, diesem Lernen einige Stunden in der Woche zu widmen. Wie wir schöngeistige Äücher noch immer uns zu eigen machen und bei der Lektüre die Ungunst des Tages vergessen, so müssen wir Bücher über das Judentum mit geistigem Ernst auszunehmen suchen. Oie Scheu vor dem jüdischen Äuch muß überwunden werden. Wir haben es die längste Zeit zu unserem unsäglichen Schaden dem jüdischen 'Theologen völlig überlassen. Nur so ertragen wir den sorgenvollen Alltag. Man muß im Alltag nicht Alltagsmensch mit seiner ganzen traurigen Lebensstachheit werden. Oie Bibel und die Kenntnis der jüdischen Geschichte sind die Wege zum jüdischen Lebensstil, weil sie_uns unbedingten Glauben "drum pflege man sie doppelt gut und <iel-» Hutl Verkaufsstelle für Sfä&itM’. für Damen schon von und Stolz auf das Judentum geben. Durch sie erhöht sich das Berufsschaffen zum höheren menschlichen Wirken an jedem Tage. So wird der jüdische Berufsmensch zum Menschen des jüdischen Ideals, des menschlichen Ideals. Wie es entscheidend ist, wie der Mensch den Abend, die Zeit nach der 'Tätigkeit, ausfüllt, so ist es entscheidend, wie -wir den Alltag gestalten. Es kann nicht jeder Tag Festtag sein, aber es muß jeder Arbeitstag seine seelische Feierstunde haben. Oas Leben darf nicht bloß gleichsam der Fabrikraum sein, in dem die wirtschaftlicheir Güter hergestellt > werden, sondern es muß einen Wohnraum haben, wo der Geist und das Gemüt sich heimisch fühlen. So sah immer der jüdische Alltag aus, und in der gleichen Nichtung muß unsere seelische Neuschöpfung sich gestalten. Oiese Einstellung führt von selbst dazu, daß wir den wöchentlichen Tag des Ideals, des jüdischen Ideals, der der Sabbat ist, aus seiner vernachlässigten Erniedrigung zur Höhe bringen. Irgend etwas müssen wir tun, damit er wieder zu uns spreche. Wer ihn auszeichnet, ihn heraushebt aus itdr Neihe der Tage, der sucht und findet den jüdischen Lebensstil. Sinn für Sabbat ist Sinn für jüdischen Geist, der fern ist von aller Verstandeskultur, ist Sinn für Gcmüthaftigkeit, die fern ist von aller bloßen Zweckhaftigkeit, ist Sinn für inneres Leben, das fern ist vyn allem ncwösen Vorwärtsdrängen. Man muß ruhen können, um sich mit Erfolg weiterzubewegen. Man muß immer wieder Seele gewinnen, um Mensch zu bleiben. Man muß den Sabbat auszeichnen, um den Werktag zu heiligen. Unsere Iugend nimmt erneut jüdisches Wissen und jüdisches Leben in ihr Ziel auf. Sie sucht einen jüdischen Lebensstil. Glaubt die ältere Generation einen neuen7 Weg zu sich selbst und zur Umwelt nicht mehr suchen zu können, will sie den früheren Weg nicht preisgeben, der ein Irrweg war und unser Unglück mit verschuldet hat oder uns das hereingebrochene Leid nicht überwinden läßt, dann wird die Kluft zwischen Eltern und Kindem unüberbrückbar, und die jüdische Familie, die einst den Lebensstil der inneren Gesundheit und Kraft in einzigartiger Weise gestaltet hat, bricht zusammen. So ist die Frage des Lebensstils die Lebensfrage des neuen jüdischen Menschen. Auf ihr beruht sein Glück und seine Kraft, die Größe und Freiheit seines Lebens, die Achtung bei den andern und die ewige Zukunft des Iudentums. Aus dem Gemeindeblatt für die Iüdischen Gemeinden Preußens ».1.11.34. Im Anschluß an obigen Artikel stellen wir hier einige Werke zusammen. Oie Heilig« Schrift überseht und erklärt von Sr. S. Bernfeld. I- Kauft. mann Verlag Frankfure/Main. Preis 8.- NM. Oie Schrift zu verdeutschen unternommen von Martin Buber gemeinsam mit Franz Nosenzweig. davon bisher erschienen 13 Bd., in 3 Bd. zu je 8.50 NM. Schristenverlag Berlin. Oie fünf Bücher Moses nebst dem Naschi-Kommenlar, punktiert, überseht und mit Anmerkungen versehen von Sr. I- Sefsauer, Budapest, r. Auflage 1S05. Nafchi« Pentateuchkommentar vollständig ins Oeutsche übertragen und mit einer Einleitung versehen von Nabbiner S. Bamberger. I Kauft, mann Verlag Frankfurt/Main. Preis 6.- NM. Oer Born Juda«. Märchen und Geichichten. Gesammelt von Micha bin Gorion. 792 6. Echocken-Derlag. Preis 7.50 NM. Sabbatbuch v. Moritz Zobel ca. 200E. Erscheint demnächst. Echocken-Derlag. Weltgeschichte des jüdischen Volkes von Simon Subnow. 10 Bd. Iüdifcher Verlag, Berlin. Preis zusammen ca. ISO.- NM. Volkstümliche Geschichte der Juden in drei Landen von H. Grätz. Preis ca. 12.50 NM. Jüdische Geschichte von Joachim Prinz, Berlin. Branbussche Verlags- > buchhandlung. Preis 5.80 NM. Geschichte der Juden vom Untergang des jüdischen Staates bts zur Gegenwart von I-'Elbogen. Verlag: Aus Nalur und Geisteswelt. Preis 1.80 NM. Wüste und Gelobtes Land: Geschichte Israels von den Anfängen bis zum Tob« Ealomons von S. Auerbach. Kurt Wolff-Derlaq verlin. Preis 16.- NM. Ein jüdische« Lesebuch. Sendung und Schicksal. Aus dem Schristtum des nachbiblischen Iudentums von N. N. Glaher und Ludwig Strauß. Echocken-Derlag. Preis 4.- NYk.

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