Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 9a (Mitte September 1934)
- Date
- 1934-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9a (StweinbeBIatt btt Israelitische« Neligionßgem«i«be Dreßben Sette L I4LQ9V NACHF. Das Haus der großen Leistungen! nh.i Ludwig siebei Dresden-A., Altmarkt 6 Seide * Wolle * Samt bleibt die geschichtliche Aufgabe der Menschen, düs Irdisch-Gegebene durch dm Geist zu gestalten. Oer Geist verbindet, was durch irdische Verschiedenheit getrmnt ist. Oie geistig-sittliche Menschheit ist keine Gegebenheit, keine Wirklichkeit; aber sie ist das Gesetz, das alles Irdische formen und bllden soll. Iede wkrllich vorhandene Menschengzuppe muß damach streben, in sich, ln ihrem Verhalten das Gesetz der geistig-sittlichen Menschheit zu verwirllichen. Mit seinem Gmndsahe, daß die Gerechten aller Völler Anteil haben an der Welt der Zukunft, d. h., daß sie die Zukunft bestimmen, hat das Iudmtum der Einsicht, daß Menschheit nicht die Wirklichkeit selbst, wohl aber das Gesetz der Wirklichkeit sein soll, Ausdmck verliehen* Oie Menschheitsgedanken, die ich vor allem von der Sette menschlicher Gemeinschaft und mmschlicher Gemeinschastsgruppen her betrachtete, fanden ihre ergänzende zum Teil entgegengesetzte Beleuchtung in dem Vortrage von Or. Schulmann, New isork, der zu dem Thema »Judentum und die Bestimmung des Individuums* sprach. Ihm »ist das Individuum die Quelle und schöpferische Macht des geistigen Lebens*. Man erkennt den Widerspruch h zu den Auffassungen, die wir gewohnt sind als gültig anzusehen P kn der Schlußformulierung Schulmanns, die lautet; »Wenn wir unsere Pflicht hier auf Erden als Individuum getan haben, haben wir unsere Bestimmung erfüllt*. Durch zusätzliche Referate und ausgedehnte Diskussionen wurden b.ie Vorträge ergänzt. Es zeigte sich immer die Tendenz, das Recht des Individuums gegenüber dem Ginn und der Forderung der Gemeinschaft abzugrenzen. Zweifellos ist es so, daß, wie aller Fortschritt, so auch der Fortschritt religiösen Iudentums dem vorwärts drängenden Verlangen des Individuums zuzuschreiben ist. Dem gegenüber aber darf nicht übersehen werden, daß Geschichte die Geschichte von Menschengruppen, letztlich Geschichte der menschlichen Gemeinschaft ist. In künftiger Diskussion wird diese Frage des Rechtes des Individuums und der Gemeinschaft noch mehr geklärt werden müssen/ Eingegliedert in das Gesamtbild der Konferenz war das Meetz'ng der Iugenb. Oie Iugend hat an sich in unseren Tagen für die Frage forsschrittlichen religiösen Iudentums nicht das brennende Interesse, das in früheren Zeiten auch bei der Iugend vorhanden war. Für die Lungen Menschen unserer Tage ist die bedeutsamste Frage die ihrer Lebenssicherung, daneben die Eingliederung in die menschliche Gesellschaft. Es ist kein Zufall, daß bet dieser Iugend-Tagung vor allem die deutsche Iugend zu Worte kam. Für sie sind die Fragen der rechten Eingliederung ins Leben besonders dringend.. Heinz Kellermann, der offizielle Sprecher der religiös-liberalen Iugend Deutschlands, hat in seinem Referat diese Problematik Nar zum Ausd^' gebracht. Im Ganzen hat sich gezeigt, daß die Organisation des fortschn'ttlichen Iudentums die weit auseinanderstrebenden Kräfte des Iudentums in sich vereinigt und die Möglichkeit bietet, alle Fragen des Judentums zu. besprechen, ohne daß die Gefahr besteht, daß jüdischer Wille dadurch vernichtet wird. Es ist eben Voraussetzung dieser Organisation, daß alle lebendigen Kräfte des Iudentums in ihr Platz finden. Es ergibt sich als letzte erfreuliche Erkenntnis einer jeden solchen Tagung, daß das Judentum nicht aus einer starren Form besieht, deren Auflösung zugleich Vernichtung des Iudentums wäre, sondern daß die Vielgestaltigkeit der Gedanken und der Meinungen in ihrem Ausammenfließen und Ineinandergreifen das Judentum ausmachen. Das Leben des Judentums mit all seinen Kräften an Stelle toter Form zum Judentum werden zu lassen, das ist die Absicht und das Verdienst des Weltverbandes für fort« schriftliches Judentum. -yx » , SS> Bankhaus g(nn| SebrRenhold WM; vresden Serltn Gegründet 1864* Dresdner Hauptgeschäft: Lvaisenhausstra-e 16-22 IVrlincr Hans: SVrlfn IT' £ ÜVh~rrfV\i*r Kostenlose Sträfling ln allen Hypotheken u. GnnidstückSangelegenheilen h Das nächste Gemeindeblatt erscheint am 9. Oktober 1934 Schnee Rolladnst und Faffademvaschen «I, «ft. Xft. 51*64 Städt. Technische Lehranstalt Bodenbach Technikum In der Tschechoslowakei Abt: MatrHineBu. Au»ohau, Elektrou. 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