Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 8a (Mitte August 1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 8a Gemeindeblatt)Vti'Israelitischen Religion-gemeinde Dresden scheint sehr bedauerlich, aber es ist eit» viel günstigeres Lebenszeichen als Apathie, die in ReligivnsfragetL in vielen Ländern herrscht. Äedauerlich - aber leicht erklärlich, wenn man bedenkt, daß die in Palästina zusommengeströmten Menschen sich wohl alle als zur jüdischen Religion gehörig betrachten, baß sie alle aber viele Jahrhunderte hindurch fremden Einflüssen und Eindrücken ausgesetzt waren, Einflüssen ganz verschiedener Kulturen und . Lebensauffassungen und Religionen. Oer'Kern, der in ihrer jüdischen Seele ruht, hat sie zusammengehallea, aber ihre freien Seelen sind im Sturm der Welten weit auseinander gerissen worden. Zu bedenken ist ferner - und das wissen viele Juden selbst nicht - daß die rein jüdische Religion ganz wenig feste Dogmen hat. Aus dem Zwang der Verhältnisse und, teils zum Schutz gegen die fremde feindliche Umwelt und teils durch Anpassung an dieselbe Umwelt sind Gesetze entstanden, diHsoweit - gehen, daß sie sogar die Haartracht, die Kleidung, sanitäre Gesetze und Speisegesetze fefilegten. Dagegen herrschte immer in den großen Fragen der wirklichen Religion große Freiheit. Oer wichtige Satz unseres Gesetzes: >Ou sollst forschen alle Tage Deines Lebens und betrachten die Wege Deines Gottes", kann nur bedeuten, daß jeder sich zu Religionsgedanken und seiner Stellung zu Gott und zu feinen Mitmenschen selbst durchringen soll. Wenn man diese zwei Taffachen, betrachtet: »Gedankenfreiheit und Einfluß der fremden Umwelt", dann staunt man nicht über die Uneinigkeit in Religionssachen, sondern man staunt darüber, welch großer Prozentsatz dieser aus aller Welt zusammen gekommenen - Menschen Anhänger der alten Orthodoxie sind. Wie unsere Religion sich im Lande unserer V3ier entwickeln wird, ist schwer zu sagen, aber es will mir erscheinen, daß die Generation, welch« die Sprache unserer Thora spn'cht und der die Worte unserer Propheten ganz klar und deutlich sind, den geraden einfachen Weg zu Gott viel leichter finden wird. Ich habe die volle Zuversicht, daß lZuden, die im eigenen Land geboren^sind, welche jüdische Schulen besucht haben und für die jüdi'sche"Religion"und Kultur und jüdischer"Zdealismus Lebensatem ist, zurück'zu^unserer'alten Religion, von' der unfere*propheten gettäumt haben," finden^werden. Zu 'einer frohen Religion der Gerechffgkeil und Liebe, die welwahe -ist und die das Leben nicht einengt sondern erweitert und hoffnungsvoll gestaltet; die uns lehrt, hier -auf Erden das bestmögliche Lehen für uns und für unsere Mitmenschen zu führen und die uns Trost im Leid und volles Gottvertrauen im Leben und im Sterben gibt. Ich selbst habe großes Vertrauen in den Geist unseres Volkes, der in uns lebt. Dieser Geist, diese Seele wird — wie unser Erzvater Jakob - mit dem Engel ringen. Diese Volksseele wird kämpfen und sündigen und fehlgehen, aber sie wird immer vorwärts und aufwätts streben. Ihr Schicksal, ihre Zukunft, das ist die wahre Zukunft Israels, die Zukunft unseres Volkes - unsere Zukunft! Aus den Lenden unseres Volkes sind die Männer ertstanden, deren Leben, deren Gedanken, deren Motte niedergeschtteben in den Suchern der Sibel Richffchnur für die ganze zivilisiette Welt heute ist. Unsere Urahnen haben in grauer Vorzeit Gott erkannt. Moses hat Gott und Recht und Gerechffgkeit gepredkat. Unsere Dichter haben mit ihren Gesängen und Psalmen die Allmacht Gottes und menschliches Vettrauen in seine väterliche Allgüte besungen. Unsere Propheten haben Gerechtigkeit und Liebe zwischen Mensch und Mensch und zwischen Volk und Volk gefordett. f Religionen, die heute vielen Völkem und hundetten Millionen Menschen heilig sind, stammen ans den Menschen unseres Volkes, die in den Tälem und auf den Hügeln Palästinas gelebt und gewirkt haben und die dott begraben sind- Kinder dieses uralten Volkes sammeln sich wieder im Lande ihrer Väter. . Sie sprudeln über von Lebenskraft, mit neuer Hoffnung, mit Idealen und mit Wünschen für das Wohlergehen der Menschheit. Kinder des ältesten Volkes sind sie heute das allerjüngste Volk. Mögen sie wieder das Werkzeug Gottes werden. Wegweise aus der. Erschütterungen dieser komplizietten Zeit. Alle sagen es: Inserafe im Gemeindeblatt haben Erfolg Das Urteil der Kunden bezeugt es am besten! fcrrcn emdenmacher 'ChrdbcLchs Erich Irrbach &G>SS: Drc(den-A.l|ng;tr;J8 Dr. jur. Glaser RECHTSBERATUNG STEUERGUTACHTEN | Bargstr. 23 (bei Schorrstr.) Te|.45329 I Emst Tlobnis Baumeister f Dresden-A. 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