Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 8 (8.1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4892693-5739425-5770090--2026-4894612- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sttte 2 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 8 Juden wissen es kaum selbst, ab es sie waren immer Pioniere, wo es galt, Neuland aufzubauen.? In der verhältnismäßig kurzen Arbeitsspanne meines Lebens habe ich persönlich mitgearbeitet und beobachtet, welch ungeheuer großen Anteil Juden am Aufbais der Westsiaaten Nordamerikas hatten. In den Staaten Kalifornien und Oregon und später in Washington kamen Iuden mit den -ersten weißen Einwanderern ins Land. Sie waren aktiv tätig mit,t)and und Her; und Kopf, mit ihrer ganzen Persönlichkeit, um aus diesen weltfernen Urwäldern und sumpfigen Einöden und Sanhwüsten das Paradies Amerikas zu schaffen. Erst Wüste, dann Vichzucht, den extensive Agrikultur, dann Hortikultur und damit allgemeiner Kulturaufbau und ejn Anwachsen der Äevölkerung in fünfzig Iahren von V2 Million auf 71 Millionen. Iuden haben die notwendigen Lebensmittel, Kleider, Maschinen in das ferne Land geschafft, bevor Eisenbahnen da waren, bevor die Pioniere Kapital pder Kredit hatten. Iuden haben Märkte für die Produkte gefunden. Sie haben es verstanden, die überflüssigen Gemüse und Früchte zu evaporieren und za konservieren. Sie haben .auch die ersten Äanken und Fabriken und großen Geschäftshäuser errichtet. Und vou meinen früheren Schulkameraden höre ich, daß sie^ und ihre jüdischen Altersgenossen genau so in den fernen neuen Provinzen Südafrikas und Australiens mitgearbeitet haben, um Neuland aufzcibauen. Ia, wenn man die Geschichte unseres Volkes von allen möglichen Quellen aus studiert, dann, weiß man, dqß diese Tätigkeit der Juden in den letzten fünfzig Iahren, von der ich berichte, gar nichts Neues ist. Als die Nomer Italien, Spanien, Gallien und Äritannien, auch Germanien bis zum Nhein eroberten, waren es die vielen Tausende unserer Vorväter, die mit den Römern ins Land kamen und in diese primitiven Länder Handel und Gewerbe brachten. Genau wie Iahrhunderte später die Mauren unsere Vorväter von Nordasrika und Arabien nach Spanien brachten. Und jetzt, in unseren Tagen, versuchen wir, unsere Kraft, untere Energie und Phantasie, unser ganzes Wollen und Können zum Aufbau unseres alten Heimatlandes zu gebrauchen. Oer Erfolg liegt in Gottes Han§>. Mag er uns die Kraft dazu geben und uns den rechten Weg weisen. Als ich das erste Mal vor sieben Iahren Palästina besuchte, war das Interesse der meisten Asestjuden - soweit sie Zionisten waren - an Erez Israel zum allergrößten Teil ein rein ideales. Ganz wenige trugen sich wirklich I mit dem Gedanken der Uebersiedlung. Man war Zionist, weil einem die Erhaltung des Iudentums die allerwichtigste Aufgabe qes Lebens erschien. Man sah die Gefahr der Assimilation, und man sah, daß jüdische Religion, jüdische Kultur, jüdische Lebensaflffassung allmählich verblaßten. Man sah ein, daß eine große, gemeinsame Aufgabe, die alle Iuden der Welt umfassen konnte, uotwetzdig war, um bas Zusammengehörigkeitsgefühl überhaupt lebendig zu erhalten. Aber das Leben war bequem in den westlichen Kulturländern, und unser Zionismus erschöpfte sich dann, anderen - meistens Osijuden - zu helfen, das Heimatland aufzubauen. Vor sieben Iahren waren es mit Ausnahme der paar alteingesessenen in Safed, Tiberias, Ierusalem und der ca. 20 000 asiatischen Iuden fast nur durchweg Osijuden, die im Lande waren. Knapp zehn Iahre nach der Valfour-Oeklaration war es diesen von Aegeisterung übersprudelnden Menschen gelungen, eine solide Grundlage für den Aufbau zu legen. Mit großen Kämpfen und Opfern hatten sse die lange totgesagtc hebräische Sprache zur Volks- und Landessprache gemacht. Iunge Menschen, die meistens nie zuvor einen Spaten gehandhabt hatten, haben ganze Landstriche, die ihnen vom Keren Kayemeth überwiesen waren, entsumpft und urbar gemacht. Sie haben seit 1000 Iahren versumpftes, ödes Malarialand zu Gartenland gemacht und so den Äeweis geliefert, daß jüdische Äegeisterung jüdische Hände dazu bringen kann, wirkliche Aufbauarbeit zu leisten. Einige Westjuden waren allerdings auch schon vor sieben Iahren imLande, aber als ich damals meineNeiseelndrücke schilderte,war es ein ganz unpersönlicher Äericht, und auch für die Leser und Zuhörer war es etwas ganz Fernliegendes. Heute ist das ganz anders. Ich^selbsi habe einen Äruder und Neffen und Nichten und hunderte Freunde im Lande, und jeder von ihnen hat Verwandte und Freunde dort, und viele erörtem Pläne der Uebersiedlung. Palästina hat aufgehört, eine Utopie oder auch nur ein fernes Ideal zu sein. Palästina ist heute eine lebendige Nealität für das jüdische Volk. Ideen haben nur Wert, wenn sie in die Wirklichkeit umgeseht werden können, und obgleich die Wirklichkeit nie die ganze Reinheit die Ideals behalten kann, fördert Realisierung immer neue Ideale, die wieder zu neuen Wegen vorwärts und aufwärts führen. Wir sind nun nach 2000 jährigen Idealwünschen, die sich meistens in Gebeten und Hoffnungen erschöpften, in ein wirkliches nationales Leben wieder eingetreten. * Und das ist der Äeginn einer ganz neuen Lebensperiode für das jüdische Volk. sFortsehung folgt.)-' Gemeinderatssihung Am 12. Iuli 1034 fand unter dem Vorsitz von Herrn Max Lester eine Gemeinderatssihung statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung sprach Herr Hermann Schocken ehrende Worte des Gedenkens für den am 4. Iuli 1034 verstorbenen großen jüdischen Dichter Ehaim Nachmann Vialik, während deren die Anwesenden sich von ihren Sitzen erhoben. Im Verwaltungsbericht des Syndikus über die Tätigkeit des Gemeindevorsiandes kamen Fragen des Kultus, des Unterrichts, ♦ UQTTl -Sdiäifi-Üerhaul . Juli bis S. August Das Speziathaus (ür geschmackvolle und preiswerte Damenkleidung GOLDMANN, altmakt J