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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1934-06-01 · 6 (6.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
10 (1934)
Issue
6 (6.1934)
Date
1934-06-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr: 6 ©tmeinbeblatl der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Kinde, eingehalten wissen wollen, müssen klar zu erkennen sein, eine Anordnung darf nicht widerrufen, ein Verbot nicht zurückgenommen werden. > Wann soll mit der Erziehung begonnen werden? Oq die Erziehung nur mit Hilfe des Gedächtnisses des Kindes möglich iss, müssen wir uns zunächst über die Entwicklung des Gedächtnisses unterrichten. Bereits am Ende des ersten Monats kann man primitive Zeichen einer Gedächtnisleistung feststellen, denn da-t schreiende Kind beruhigt sich sofort, wenn eS gewickelt wird, denn es weiß, daß auf das Wickeln die Nahrungsaufnahme folgt. Das Gedächtnis ist am Ende des zweiten Jahres schon so gut ausgebildet, daß das Kind einen einmal fixierten Eindruck zwei Monate lang bewahrt. Je häufiger sich der Eindruck wiederholt, desto stärker wird er befestigt. Aus diesem Grund liebt das Kleinkind die vielfache Wiederholung des gleichen Spieles. Es kann die gleiche Erzählung gar nicht oft genug hören. Oie Freude des Kindes an etwas Bekanntem ist größer als an etwas Neuem. Dieser Erfahrung trägt man in der Kinderstube noch viel zu wenig Rechnung, indem man vom Gesichtspunkt des Erwachsenen ausgehend, immer neuen Unterrichtsstoff an das Kind heranträgt. Oer früheste Zeitpunkt für alle unsere erziehlichen Einflüsse darf um so weniger versäumt werden, als die Hauptzeit dafür nicht lange währt. Nur bis zum fünften Lebensjahre, darin ist Adler ganz beizustimmen, ist ein Kind weitgehend erziehbar, danach ist wohl noch hie und da etwas zu modeln, aber die große Linie, in der das Leben verläuft, ist fest gegeben. Zn seinen Grundeigenschaften ändert sich der Mensch von da ab kaum mehr, der Eharakter ist geformt. Diese Zeit verläuft für das jüdische Kind in der Familie, der Kontakt mit der Umwelt fehlt noch. Um so wichtiger ist es, diese konfliftlose Zeit des Kleinkindes im Sinne positiver jüdischer Erziehung auszunuhen. Deshalb soll bas Kleinkind schon mit jüdischen Niten und Gebräuchen vertraut gemacht werden. Wir müssen wieder an die Tradition anknüpfen, die bei unseren Großeltern noch bestanden hat, und die durch die überstürzte Angleichung an die Umwelt zumeist von unseren Eltern abgerissen wurde. Sabbath- Ein- und Ausgang, die jüdischen Festtage, in ihrer sinnbildsichen Bedeutung nicht weniger schön als die anderen Konzessionen, müssen wieder lebendig gemacht werden. Ehanukkah und Purim solllen wieder mit ihrer eigenen Symbolik gefeiert werden und dem Kinde jene unvergänglichen seelischen Werte geben, die es sein Leben lang bewahren wird. Wenn wir Älteren hauptsächlich mit dem Verstände dem Judentum verhaftet waren, so soll die künfttge Generation wieder mehr mit dem Gemüt mit dem Judentum verbunden werden und mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele Jude sein. Diese Nenaiffance i des Jüdischen, die sich bei uns und unseren Kindern vollziehen wird, darf man als das große Aktivum und positivum der für uns sonst so schweren Zeit buchen. - Oie Verbindung mit der deutschen Kultur ist für jeden, der auf deutschem Boden aufwächst, von selbst geknüpft. Die ,Natur gibt von sich aus das Heimatgefühl, das von keiner Hand zu nehmen ist, es begleitet uns durchs Leben, da bedarf es keiner Erziehung. Aber das Jüdische ist, solange wir in der Diaspora leben, unwirklich, ohne Naum, nur Gefühl und Gedanke. Um dem Jüdischen nahezukommen, bedarf es der geistigen und gemütlichen Weisung. Nicht umsonst spielt die Thora — Weisung die führende Nolle im Leben der Juden. Oie Verbindung mit jüdischer Kultur muß wieder hergefiellt werden, durch die Arbeit an uns selbst und an unseren Kindern. Wenn ich als Arzt auf diese Seite des Erziehungsproblems besonders eingegangen bin, so scheint es vielleicht, als ob ich meine Kompetenzen überschreite, indessen weiß gerade der Arzt, daß die Gesundheit eines Menschen nicht allein auf der Intaktheit des Körpers, sondern auch auf der Seel«; und des Gemüts beruht. Das jüdische Selbstgefühl, nicht zu verwechseln mit Überheblichkeit, ist die Vorbedingung zur Erhaltung des seelischen Gleichgewichtes unserer Kinder. In der letzten Generation sahen wir nicht selten Menschen, die dem Judentum entfremdet, wurzellos, haltlos und gemütcarm, ohne Ehr» furcht und ohne Disziplin als sogenannte IntellektueNe überall und nirgends zuhause waren. Dieser degenerierte Typus, den auch wir für ungesund Hallen, soll und muß in der nächsten Generation ver¬ 8 eit» schwinden. Wenn unsere Kinder wissen, auf welchen Platz sie die Natur gestellt hat, dann werden sie den gelben Fleck wieder mst Stolz tragen und alles in allem ein höheres Maß an persönlich- .eit erreichen als in der glanzvollsten Karriere von ehedem. * (Schluß folgt in der Juli-Nummer.) Gemein-eraissihung. Am 24. Mai fand eine Gemeinderatssitzung statt, die in Vertretung des durch einen Trauerfall in der Familie verhinderten Herrn Leffer durch Herrn Or. Grün geleitet wurde. Ss wurden zunächst die in der vorigen Sitzung bereits beschlossenen Satzungsänderungen in 2. Lesung bestätigt. Hierauf erstattete Or. Saalheimer den Vtrwaltungsbericht über die Tätigkeit.des Gemeiodevorstandes seit der letzten Sitzung. (Ausschreibung pon Gemeindesteuervorauszahlungen, Anmahnung und Beitreibung von Nückständen, Wohlfahrtspflege, Jugendarbeit, Neligionsschule, Spielplatz für den Kinderhort, Künsilerhilfe). Sodann wurde in die Beratung des Haushaltplanes 4 9 34 eingetreten, über den Herr Or. Grün referierte. In einer sich daran anschließenden Aussprache wurden verschiedene Anregungen gegeben, die teils sofort zum Beschluß erhoben wurden, teils den Vorstand demnächst beschäftigen sollen. (Errichtung eines neuen bezw. Er- Weiterung des bestehenden Friedhofs.) Nach einer eingehenden Erläuterung auch der Sonderetats der Wohlfahrtspflege und der Gemeindehäuser wurde - einstimmig - beschlossen, den Haushaltsplan 4934 nach den Vorschlägen des Gemeindevorstandes auf der Einnahmen- und Ausgobenseite gleichlautend aus den Betrag von NM 243 6851, - und die durch die Gemeindesteuern aufzubringende Summe auf NM 192814,-- fesizusehen. , Herr Direktor Schapira, der' für diesen Teil der Sitzung die Leitung übernommen hatte, dankt dem Neferenten für die gründliche Vorbereitung des Etats und den übersichtlichen Sachvortrag. Als Dresdner Vertreter im Ausschuß des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes werden für die Geschäftsjahre 1934 und 193.8 gewählt die Herren Max Lesser, Hermann Schocken, Or. Walter &L.HURWITZ CIGARETTENFABRIK MONOPOL

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