Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 5 (5.1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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< F i ♦ Ht. 5 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Seit« 5 ■ r— 1 ■ > -:--— Mitteilungen über Dresdner jüdische Kulturveranstaltungen Jüdische Künstlerhilfe Dresden 9. Kunstabend , Mittwoch, den 2. Mai 1934, abends 8 Uhr. Großer Saal der Kaufmannschaft HEITERER ABEND deta JUpi*v$Ua\a Karten zu RM 4.—, 3.— 2.— und 1.—■ im Reka, Buchhandlung Strauß und Gemeindeamt. ' . 8. Kanstabend Die Kunst Max Liebermanns Prof. Dr. Kranz Landsberger (Breslau), als Kenner und Freund der großen Kunst und Persönlichkeit Liebermanns bekannt, bot im ' Nahmen der Abende der .Dresdner Künstlerhilfe" im großen Saal der Kaufmannschaft, Ostra-Allee, einen außerordentlich fesselnden Vortrag mit vielen sehr emdrucksstarken Lichtbildern. - Ausgehend davon, daß das Problem der jüdischen Werte in aller Öffentlichkeit aufgerollt ist, sei es zeitgemäß, eines der größten Künstler, den das Judentum hewörgebracht hat, selbstbewußt zu gedenken. Professor Landsberger streifte dabei nur kurz die biographischen Daten, des jetzt 86 jährigen und gab auch wenig Proben von Liebermanns persönlichem Wesen, seinem bekannten sarkastischen Witz und seiner Weltanschauung. Dagegen gewann man ein umfassendes Bild der künstlerischen Entwicklung des Berliner Meisters, der die Berliner .realistische Tradition"' beute würdig vertritt. Ehodowiecki, Franz Krüger, MeNzel- Steffek hatten schon vor ihm das wirklichkeitsnahe Berlin ausgedrückt, wie es Goethe formulierte: .In Berlin scheint der Raturalismus mit der Wirklichkeits- und Rühlichkeitssorderung zu Hause zu sein und der prosaische Zeitgeist sich am meisten zu M offenbaren/ Liebermann, der erst bei dem Berliner Maler Steffek, w dann an der Weimarer Akademie studierte, malte schon als 28 jähriger - 1872 - jenes heute in der Berliner Rationalgalerie hängende Gemälde .Die Gänserupferinnen", das jenseits von Träumerei , und Schönheitskultus die arbeitenden Menschen zeigt, - nicht sich repräsentierend, sondern gleichsam bei ihrer Beschäftigung belauscht. Müßiggänger haben Liebermann fast nie zum Malen gereizt, - ausgenommen das eine glücklich-idyllische Bild vom .Altmännerhaus in Amsterdam"' (ebenfalls im Lichtbild vorgesührt). Weiter folgte, geistreich interpretiert vom Redner, das jetzt in Leipzig hängende Gemälde .Oie Konservenmacherinnen", das bereits die außergewöhnlich lebende Rhythmik Liebermanns aufweist. Oie .Alachsscheuer"' in Laren (Holland)"', eines derprächtigsten Bilder in der Berliner Rationalgalerie zeigt ebenfalls diesen Rhythmus in den Mädchengestalten und sogar in den Balken der Dielen, ebenso wie auf dem .Holländer Waisenmädchen"- Bild, sogar der Rhythmus der Hauspfeiler da ist. Überwältigend stark wirkte die Bewegung auf den Reiterbildern,' die uns vorgeführt wurden, sowohl .Oie beiden Pferde am Strande"' mit den Gegenbewegungen ihrer Reiter, wie auch das .polörennen. Oie Einflüsse Hollands - von Franz Hals und Josef Israels - und später Frankreichs - Millets uud des Impressionismus - wurden in ihrer prachtvollen Aufsaugung von der starken Persönlichkeit Liebermanns an zahlreichen Bildern lebendig gezeigt: neben Millets berühmten Arbeitsbildern .Oie Ährenleserinnen"' und .Mädchen mit Kuh/ mit ihrem biblisch-heroischen Ton, sahen wir die aufgelockerteren, individuelleren Gestalten in Liebermanns .'Retzeflicserinnen" (Hamburger Kunsthallo), seinen .Bauern mit der Kiepe"' (KönigSbergerMuseum), seinen.Kuhhirtinnen"' (Bremer Kgnsthalle). . Den späteren Einfluß des Impressionismus-konnten wir an den verschiedenen Gemälden, z. B. eines .Biergartens", verfolgen: die anekdosische Darstellung 1883, später 1843 den malerisch-rhythmischen Biergarten (der jetzt als seltenes deutsches Meisierbild im im Luxembourg-Museum in Paris hängt), und schließlich den gleichsam hingefetzten, lichtdurchfluteten Biergarten. Sehr lebendig gelang es Professor Landsberger den Zuhörern und Zuschauern dieses Spiel des freien Lichtes, der momentanen Bewegungen unn der Tief« deS Raumes an Hand der Lichtbilder zu erläutern, so an den .Polofpielern"- an den .pilgern in der Sixtinischkn Kapelle" (mit der Skizze dazu), an der biblischen Szene .Samson und Dalila". Um die herben LichtwirkunHen Liebermanns etwa in feiner .Schusterwerkstatt", - der .Gedächtnisfeier in Kösen 1-888 für Friedrich III." besonders klar zu machen, wurde uns dazwischen das weichfließende Licht in Menzels „Bild seines Zimmers" gezeigt.' Auch der Vergleich mit einer Landschaft von Monet von weitestem Horizont brachte Liebermanns Eigenart besonders zum Bewußtsein, wie er den "tiefernsten Eindruck seiner Landschaften oft durch ejne. schachtartige Tiefe hervorzurufen weiß: -so in der .Allee", den .Seilern", dem .Garten vom Altmännerhans", seinem .Garten in Wannsee", vor allem in einem seiner berühmtesten Gemälde .Frau mit Ziegen" in den Dünen (in der Münchner Reuen Pinakothek), die geradezu etwas Schicksalhaftes hat. Schließlich wurden als Abrundung seines Kunstschaffens noch einige Porträts im Lichtbild gezeigt, die den phrasenlosen aber tiefen Menschenkenner und Beobachter Liebermann offenbaren.- so in dem Bildnis des gütigen Sanitätsrats Or. Sachs, in dem Repräsentationsbildnis des Hamburger Bürgermeisters petersen, dem bewegten Porträt Pros. Borchardts und schließlich in dem 1432 vollendeten lebensnahen Bildnis von Prof. Sauerbruch. (Hier flocht der Redner die schlagfertig-witzige (Entgegnung Liebermanns auf die etwas ungeduldige Frage des berühmten Arztes, ob das Bild nun bald fertig werde, ein: .Wenn Sie mal was falsch machen, da xoächst bald Gras übern Hügel, aber wenn ich was versehe, da hängt's noch nach hundert Jahren in der Galerie." Liebermann arbeitet auch heute noch in ungebrochener Kraft. Die Arbeit ist ihm Trost in dieser auch ihninnerlich schwer treffenden Zeit. .Bei der Arbeit vergesse ich alles", sagte er Prof. Landsberger bei seinem kürzlichen Besuch. So segnet ihn die Arbeit,, die er so oft besungen hat in seiner Kunst. Mit Wünschen für den großen, greisen Meister schloß Professor Dr. Landsberger den an neuen Einblicken reichen ^lortrag, für den ihm lebhafter Dankesbeifall des gut besuchten Saales zuteil' wurde. ‘ Eva Büttner. 1 Wie wir erfahren, hat Prof. Dr. Landsberger eine ehrenvolle Berufung nach L o n d o n für einige kunstgeschichtliche Vorträge erhalten Werkstätten Mart Dran) Innenausbau / / Dobnungseinrichtungcn / / £ in lelmö bei jOütitifrfi(erarbeiten / Cuöcuciimcfitungen / füpcjifrerurbeiten Errettal 1. / Untere Dresdner btral?e Ta früher £. Öcrntmun Söhne Lernfpr.: 43150, Freital 3304 / /