Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 10 (10.1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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■*9^. 10 Semeindeblatt ber tÜfroclltifdjen ReltgionSgemeinde Dresden Seite 5 Der Bügel des Lichts Btiincn k»r»cm erscheint von R. X. Wcaner in der i Üiiicherailde i^utcnbcrg. Berlin >V, DreibunüiiraKc. ein neues | Buch, betitelt: „gaad durch das tausrndiädriae Vand". Das aan»e»jüdische Palästina wird menschlich und dichterisch aussüürltch dargestellt. Wir verössentlichc» einen kleinen Rbschnitt. Die Redaktion I Durch die brütende Stille der Landsckzast an den Usern des Jordans tont der schrille Pfiff einer Lokomotive. Ans der djirren Grasflnr, in der nur Dörfer und Zelte arabischer Hirten zerstreut liegen, steigen nnvermutct hohe Gerippe von Holz- ■iliriilteu, Betonbauten und Fördcrtürme, die sich schwarz gegen den flaminenden Himmel heben. | Zementtromnleln rasseln und speien ihren grauen Brei in die eisernen Wagen, Baggermaschinen wühlen die Erde aus. lseberall bewegt sich ein Heer von Arbeitern ztvischen den ans» gerissenen Höhen. r -— TIEDEMANN & GRA'HL W c i ii li a ti «1 I ii ii g , Telephon J0J07 Dresden, SeeMratte V TrM. / l)res< »dl« 1» C II plio» 1H6U0 den. Seeslralte 9 Das ist Del Der, der „Hügel des Lichts" ... Zweihnndertfünszig Meter unter dem Meeresspiegel, dort, >oo der wilde Jarmuk von den Höhen der Berge von Moab .stürzt, um in einem stürmischen Wasserfall unter der Brücke „Djisr el Mijamijeh" in den Jordan zu münden, wird das erste große hydroelektrische Kraftwerk des nahen Dstens geschaffen ... j In der Speisehalle voll Tel Der hängen über den langen hölzernen Tischen die Bilder von Herzl und Trnmpeldor. die Köpfe der beiden neuen Heiligen des Landes, denen man auf jeder Siedlung Palästinas begegnet. Das eine Bild zeigt ein großes träumerisches (Besicht, mit breitem, woklgcschnittcnem Backenbart, von assyrischer Sckiönheit: das andere ein bartloses, sehniges Antlitz mit der schcirfen Aase eines Raubvogels. Es sind einfache Drucke, die sich von der Hitze in ihrem Rahmen geworfen haben und hinter der bestaubten 'Scheibe von einer Masse toter fliegen bedeckt sind. „En Dawar! . . . Es tut nichts!" stcln in hebränckien Buchstaben unter dem einen Bilde geschrieben. »einen anderen Ausruf hört man so häufig in Palästina svic diese», der die Eitelkeit alles menschlichen Tuns zum Ausdruck bringt, »einer bat ihn sy häutig gebraucht wie der jüdische Kämpfer. nnd Abenteurer Trnmpeldor: aber es sclzeint, gls wenn dieser uralte Ausspruch den Sinn in seinem Munde völlig verändert hat. „En Dawer es tut nichts!" sagt auch Sivini Sanef, der jüdisch!? Wächter von Tel Der, der Trnmpeldor noch-selber gekamst bat, als ich beim Einschenken etwas Tee verschütte, und wischt mit dem Acrmcl den Tisch ab, ehe er uns die (beschichte löteie* Helden erzählt. Joseph Trnmpeldor.war ein kankansckier Jude. Sein Vater hatte fünfnndzN'anzig Jahre in der Arnice Nikolaus I. gedient: trotzdem wurde der Sohn im zaristisckicn Rußland nicht in das Gymnasium ausgenommen. Er wurde Zahntechniker, mußte jedoch 1W2 znni Heeresdienst einrückcn, und ging im russisch-japanischen Kriege als Freiwilliger an die Jront. „Ich bin stark", erzählte er von sich sebst. „ich halte Ermüdungen leicht aus, ich kann einen ganzen Monat lang täglich vierzig Kilometer niarschieren, ohne erschöpft zu sein."! Ungeachtet seiner jüdisckicn Herkunft stieg Trnmpeldor von : einem soldatischen Rang znm andern. In der Schlacht von; Port Arthur verlor er seinen linken Arm. „Es tut nichts", schrieb er an seinen Pater, als er im lNilitärhospital erwachte, „ich hoffe, mein rechter Arm, mit : i »ent ich diesen Brsef schreibe, wird mir gute Dienste leisten. J>Us ein einarmiger Krüppel werde ich meine. .Hand diejenigen Tpüren lassen, die jeö nicht sind." Nach dein russisch-japanischen Kriege lehnte.er es ab. seine militärisck)e Lansbakn fortznjetzen, wurde Jurist nnd fuhr z>vei Jahre später nach (Galiläa, >'»» dort ^ine Geineinsck-ast gleichgesinnter Arbeiter zu bilden. Auf der Siedlung Dagania arbeitete er mit seinen, einein Arm schwerer als jeder andere. .Zn Beginndes Krieges wurde er ans Palästina giisge iviesen, kam nach Alerandrien und benutzte die (itelegenhe.it. »in, gemeinsam mit Wladimir Jabotimky in, Aegypten die Grundlage für eine jüdische' Legion zur Eroberung Palästinas zu schassen. „Ich kenne die Berzweislung nicht, iver den Wille» hat, sein Leben besser zu gestalten, ivird nie verziveiseln." Als der Plan der Bildung eines jüdischen Reginients ans den Flüchtlingen in Erfüllung ging, verivnndelte die englische Regierung das Regiment znm Entsetzen der Legionäre in eine Kompanie von Maultiertreihern. „Es tut nichts"^ erlviderte Trnmpeldor. „Beginnen wir damit, das andere ivird Nachkomme»!" Dbivolil er als Hanptmann an vielen Fronten Rußlands gekämpft hatte, zögerte er nicht, selbst als I üb rer der Maul tiertreiber »ach (ffcstipoli zu geben. Mit zufriedenem Lächeln iah er die erste Gruppe im K nrzschritt an sich vorbei ziehen. „(Hott behüte", flüsterte man ilun leise zu. „sie marschieren ja wie die Gänse." „Es tut nichts, sie haben Jeliler, doch iin" Grunde sind es tapfere Jungen." Er wußte, daß es Pflicht eines guten Soldaten ist. vorsichtig zu sein: aber er blieb mitten im furchtbarste» Regen der Geschosse stehe», nin den Engläydern zu zeigen, daß an'ch ein Jude Mut haben kan». „Es' tut nichts", schrieb er einer Jrenndin. als ibm vor Galipoli eine Kugel an der linke» Schulter traf, „mir war nur. als hätte mir ei» Kamerad ans die Schulter geschlagen. Man soll sich dem Leid nicht ansdränge» . . . Wenn dich ein Unglück trifft, so magst du immerbin ein wenig leiden: aber du sollst so wenig Tränest verlieren wie möglich." Nach dem Ktiege kebrte Trnmpeldor »ach Palästina zurück, um ans den Siedlungen in Galiläa zu »arbeiten. In den Jrühlingsmonaten des Jahre 1!»2<>, als die Iran zoten Syrien mit Gewalt unterdrückten, arbeitete er im äußersten Norde» von Palästina ans der Siedlung. Tel Ebai. Eine große Menge von Arabern zog gegen Metlnilla und Beirut heraus, es fehlte an Geivebren. die Lebensmittel gingen langsam ans. ans den benachbarten Siedlnngcn lagen alle Baracken zerstört. Trnmpeldor nnd seine Gefährten suchten die zerstörten Sied lnngen ab iziid spannten sich selbst vor den Kultivator, um ihn in die Kolonie znriickznbringen. Wenige Minuten von Tel Ebai entfernt hörten sie plötz. lich Lchiisse. Trnmpeldor eilte selbst an das Tor der Siedlung, inn den Arabern den Weg zu versperren, llnterwegs wurde' er ver BULGARIA-KRONE neue historische Fahnenbilder " mmmmmm ni io«do>o—noM OMm C>o*w»n (►4SI—1650) Ko« » (Itl UMm »o» ferfg**«