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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1931-11-01 · 11 (11.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
7 (1931)
Issue
11 (11.1931)
Date
1931-11-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 11 .Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Juden auf eigener Scholle Die erste jüdische Siedlung in Deutschland gonjul Alerander Morilr Simon hat sich mit der Gründu»li-0er <siarteubausch»ule Äblem ein um>ergäugliches Denk» inal gesetzt. Wie ein Prophet ivar er seiner Zeit weit voraus. Er erkannte, daß die Tätigkeit ans dem Lande die Rettung dev Indcnlums vor dem, Untergange bedeuten würde. -'idente, ivo wir uns in ivirtsch.istlick)c»r und politisckx'r Rot befinden, große und alte Unternehmungen znsammenbrechen, Mink, Industrie, 'Handel mrd Genx'rbe einen Stillstand eigen wie nie zuvor, erkennen wir mehr denn je, nne ricbtifl die Gedanken des.Konsuls Siiüon waren, >iß das Land mit 'einer Produktion die einzige Aussicht für eiize gesegnete Erisicnz bedeutet. Ter Reichsbnnd jüdischer Früntwldaten propagierte die Idee der jüdischen Landsiedlung, weil er ans dem Standpunkt srebt: „Tas Land, das wir verteidigt ha tun mit dinserem Blute, gehört uns ebenso wie allen anderen Kameraden." Herr Güterdirektor Dyk. unser ehemaliger Schüler, Irrachte den Gedanken mif seinem Freunde, Herrn. Professor Franz Svpenheimer, in nviteste Kreise und hielt Vorträge, die Aufklärung brachten in allen »sickitigen Plätzen'des Reiches, über die Nützlichkeit und Notwendigkeit der Siedlung auf dem Lande. Ans dem ^Reichsbnnd jiiöifctjcr 'Frontsoldaten ging die „Jüdische Landarbeit" hervor, der als .Werbeverein der „Reichsbund für jüdisckx» Siedlung" angegliedert wurde. Tie'er RIS. bemüht sich, die deutsche Iudcnheit rwn dem Siedlnngsgedanken zu überzeugen. Sein Wunsch gebt dahin, ' daß jeder Glaubensttenosse, der Herz und- Sinn für diese Best! ebnng hat. zahlendes Mitglied dieses Pereins wird. Tie praktische Liedlnngsarbeit ivird durch seine Schivcsterarganisation, die gemeiimützige Siedlungsgesellsch.ift „Jüdische Landarbeit", geleistet. "Diese kaufte als erstes im Juli vorigen Jahres das 820 Morgen große (»Int Groß- Gaglow bei K o t t b u s, und die -Herren Rudolf Möge, Sohn des unvergeßlichen Herrri Emil Masse, und Güterdirektor 'S. Tyk iibernahinen die Geschäftsführung^ nxihrend' die Leitung der Siedlung in den Händen meines besonderen Freundes inrd ehemaligen Sctsiilers der Ablemcr Anstalt. Herrn Diplomlandwirt-Martin («Zenon,. liegt. Schon »«ährend meiner .Krankheit hatte ich den lebhaften Wunsch, diese Arbeit, die Fortsetzung meiner Ahlemer Tätig. Feit, kennenznlerncn. Erst jetzt, nachdem sich mein (R?sund- Ix'itszustand ctnxis gebessert hatte, konnte ich meinen Lieblingswunich ansführen und nach csiroß(R«glow reisen. Wir sahen in Groß-Gaglow ein (sint, wie nur es nicht bcrmutet chatten, sowohl an Ausdehnung, wie an Einrichtung. Inmitten der Anlagen befindet sich das Gutshaus, das früher esiier reichen jüdiickpn Tame gehörte. Seitdem die Iiidische Landarbeit das Gut übernahm, befinden sich in ihm neben der Wohnung des Sicdlungsleiters die Wohnungen der zukünftigen Siedlnngsanivärter, aän an der Zcchl. sowie die für die (Rebilscii, die Gehilfinnen und das .Hanspersonal. In schönen lustigen Raumen mit guter Ausstattung -führen sic ein gemeinsames zufriedenes Leben. Ein geräumiges Speisezimmer vereinigt arn Freitagabend alle. Auch wir wohnten jeden Freitagabend und an den Feiertagen den gemcinsameir Zusammenkünften bei, uiid es freut mich, sagen zu können, daß es uns nickt. nur an die Freitagabende in Ahlem erinnerte, um» der» uns durch die gemeinsame Aussprache den Siedlern nälierbrackte. Ter Ton ist ein ruhiger und angemessener, und das -Verhältnis der jungen Leute zu Martin (Person und seiner Frau ein srenndschaftlickvs. Zn dein Beamtenperional gebärt ferner .Herr Inspektor Eanniol, der mit seiner Frau und seinen Kindern allen Veranstaltungen beilvohnt und für die Arbeiten der Landwirtschaft verantwortlich ist. Gleich am Wege liegt, auf der rechten Sette die Zentralgär! nerei, die bestellt ist mit all den Kulturen, die die zukünftige u Siedler auf ihrem Grundstück vorfinden werden bzw. die sie betreiben sollen. Es ist erstaunlich, »sie. gut die Kulturen hier geivachsen sind ... Ter Gutshof hat ein riesiges Ausmätz und mnfäßt neben der Wohnung des Inspektors cinciReihe von Wohnungen und Räume für die dauerndangefteltten Leute. Daran schließt sich der Kuhstall mit etum 27 vorzüglich aussehendcn Milchkühen, einem Zuchtbullen und etnia 20 Stück Jungvieh. An den Kichstall reihen sich die Schweineställe mit ehr« 80 Zuchtsauen, Ebern und Ferkeln. Eiw Auslauf für diese schließt die eine Seite des Hofes ab. Die andere Seite wird eingefaßt von den. Schettncn, Pfepdeftällen mit zwölf gutgepflegten Tieren, ferner- Ställe für .Kleinvieh, Wagenremifcn, Geschirrkammern usiv., > Das Gutshaus ist umgeben von einem schönen, parkähnlichen Garten mit Obstbäumeii, dem Gemüsegarten nebst Misrbeetanlagen. Ein Weg von fünf Minuten führt uns in das eigcntlick)c Gntsgelände, dasi820 Morgen beträgt. An einem ichönen Nachmittag durchfuhren »sir das Gut. Roggen-- Weizen-, Hafer- und Kartofjelfcldet machten einen guten Eindruck aus uns und zeugten von dem Fleiß und der Tüchtig» feit des Herrn Inspektors Earmjol, der für die Landwirtjck-aft verantivortlich ist, ivihrend! Martin (sierson die Siedlungsarbeiten und die Zcnt'algärtherei leitet. Es ist erstaunlich, »sie gut die Kulturen hier gewachsen sind. Himbeeren mit Sck)ößlingen„von znxsi si>teter Länge sind nichts Seltenes, llebcrhanpt ist alles, »xrs vier im Frühjahr gepflanzt ivurde, außerdrdcntlich gut gewachsm. TuS kommt ivohl daher, daß, abgesehen von der Sortenwahl, der Boden jungfräulich ist. Vorhanden sind alle Sorten Beeren, Obst, Gemüse und eine Bainnschule. Der Siedler erhält zehn Morgen Lau-, darauf befinden sich ein sehr wohnliches und hübsckics .Haus, eine Regenanlägc, die von einem Zentralpumchverk! versorgt »sird. und eine eleftrtfcf>e Zuleitung. Aus dem Lande des 2 edlers! »vrden vier Morgen mit Kulturell bepflanzt, nämlich: ein Morgen mit Himbeereil, ein Morgen mit Erdbeeren, zwisi Morgen mit Spargel. Ferner Tbstbäume, Becreiusbststräiick-er, die, »sic gesagt, vom Gut aus ein Jcchr vor der>Siodlrmg airgelegt iverden. Das übrige Land bleibt dem Sie liier-zuf freien Bewirtschaftung. Eine Sicdlerstelle kostet 20 000 M. Tie Anzahlung beträgt 8000 M. Ter Rest »sild durch den Staatskredit gegeben und-muß amortisiert »»erdin. Dip Zinsen uud die Amortisation betrage» jährlich 6ä0 M.! * j Der Absatz der Produktion wird nur auf genosscnschaftlichem Wege erfolgen, d. h. sämtliche Erzeugnisse der Siedler iverden von Herrn Gersc n genieinsckraftlich verkauft zu Preisen, die den Marktprei en entsprechen. j Im näcksiten Jahr sollen acht Sicdlerfamilien z>ir Ansiedlung kommen, später weitere zehn! bis 20 Familien und drei Bauernstellen von je 00 M orgen Ivergebcn werden! " Es ist sclbswerständlich, daß ilnsere Ahlemer, sofern sie die sonstigen Bedingungen >er Si^dlnngsgesellsckiaft erfüllen, berücksichtigt »>erdcn. Zur Zeit sind bereits mehrere ehemalige Ahlemer als Siedle« vorgemerkt. Groß Gaglow stellt einen Anfang dar in der Ansiodtung der Juden auf dem Lande. Viele solcher Siedlungen werdenfolgen, sobald die Erfolge, dies rechtfertigen. Möchte dies Ziel in Erfüllung gehen. Tann »siirden wieder Landgemeinpcn entstehen, wie »sir sie von unserer Jugendzeit her kenne». Daß ist mein heißester Wunsch im Interesse unserei jüdisctfen Jugend und Glaubensgemeinschaft und-,aus vc lkswirtschaftlichen Gründen für unser dentsckies Vaterland. j (Direktor Silberqcrg. Hchinover, früher Ahlem.) FOrNachkuran.bat Harz-, Narvan-, F'iuailaidan BiOX-SAUERSTOFF-BÄDER. Mehl« BMtm ivr B«rwft»fvAg »o» 4 Nidm, i&#am l\H (rtrt»cftv»e d» IN «. Udtertflltrwwmg, B«d M tk «. Drog. Mas Cf» A..0, OriilM M

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