Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 10 (10.1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 10 ttcfruf an alle IflMglieder unserer Gemeinde! Der bittere Winter steht vor der Tür. Weniger denn je sind iiunderte von Arbeitslosen, Greise, Männer, Frauen, Mütter und ihre Kinder in der Lage, auch nur das Allernotwendigste zur Kleidung anzuschafFen. Es .ist oberste Mensdieppflicht zu helfen! Die Kleiderkammer, die der Verein zur Bekleidung der Annen unterhält, ist leer, Geldmittel sind zu Ende. Wir appellieren in höchster Not an' da$ jüdische Herz! Wir brauchen alles! Spendet! Gebt Geld! Hausfrauen, sucht eure Schränke durch! Sucht alles Entbehrliche an Wäsche, Schuhen und Kleidern heraus! Schickt es uns! Geschäftsleute! Unverkäufliche Warenbestände helfen Ärmste kleiden! Bedenkt uns! Jedes Gemeindemitglied muß helfen, diesen NotvVinter zu überwinden, dann wird es gelingen! Wir erklären uns bereit, Spenden aufj telephonischen Anruf 14051 und 17887 sofort abholen zu lassen. I Israelitischer Ar in enunterstützun gs verein. Verein zur Bekleidung der Armen. D. Meyer. non eine!:! .c>cmb bekleidet, und sollte in meine alte Wohnung piriickkommen und wieder diese zerlumpten Kleider anztehen und weiter n>it knapper A'ni mein tägliches Leben fristen." Was Hättest du davon gehabt, Moifckte, fragten verivundert die anderen. ..Tas : eine Avii'u. Ein wohlhabender Mann batte seinem Lohn eine ausae;erdmete Erziehung zuteil werden lasten, verlor aber bald 'ein ganzes vermögen und starb. Ein ebenfalls wohlaabender Verwandter nahm den verwaisten .stnaben zu sich, 'orale nälerlich für ihn und bestellte ihn zum Perwaller über 'eine i'stirer. Eines Tages lief; der Pflegevater ihn kommen und sagte: „Ta es nicht sicher ist, daß meine Frau und meine >-'i>ider mich meinem Tod. dich behalten werden, gebe ich dir vier einen großen (Geldbetrag, damit du dich selbständig machen kannst." Ter Pflegesohn entschloß sich, nach Indien ,u reiieu, erlitt aber Lchiffbruch und konnte sich nur mühsam aus eine Distel retten. Tort stieß er nach langem Wandern »r eine Menschenansammlung, die ausrief: „Es lebe der >lönig," Als der erstaunte Wanderer näherkam, wurde ihm bedeutet, daß die Zuruie und königlichen Ehren ihm zugedadst ieieu. er wurde in ein schloß geleitet und des Jubelns tvar kein Ende. Tem Fremdling erschien dies alles wie ein Traum. Eines Tages fragte er seinen Leibdiener, ob er ihm das merkwürdige Geichebnis erklären könne. Ter Diener konnte ihm nur zur Antwort geben: „Selbst wenn es ein Traum wäre, sollst du. o .stönig, es hinnehmen." Ten König konnte diese Antwort nicht befriedigen, und er legte seine Frage einem der Großen des Hofes vor. Tiefer sagte ihm: „Leit unvordenklicix'n Fahren ist es bei uns Litte, daß der König nur ein .Fahr herrscht und daun von allein entblößt aus dem Lande vertrieben und auf eine wüste Fusel verbannt wird." lieber diese Anttvort ivar der.König sehr verzweifelt und bat seinen Freund, ihn vor diesem Schicksal zu retten. Der Freund sprach: „Bisher ist es niemals vorgekommen, daß einer unserer Könige sich den Kopf darüber zerbrochen hätte. was die Zukunft bringen wird. Da du mich fragst, .so rate ich dir, solange die große Macht! dir gehört, auf der Verbannungsinsel -Häuser zu bauen, Gärten anzulegen, Lebensmittel, Kleider uird Geld dorthin zu schaffen. Wirst du dann auf der Insel ausgesetzt, so findest du alles, tvas du brauchst und kannst dann dein Leben richtig führen." o geschah es. Diel'e (beschichte lehrt, daß der Mensch nicht in den Tag hineinleben soll Heute, sondern auch an -das Morgen, nicht nur an das Leben, sondern auch an das Sterben Zu daß er nicht nur an das denken verpflichtet ist. Ein Schüler pflegte deni Aablst mit der Frage zuzusetzen, warum Gott auch solche Menschen: am Leben lasse, die seine Gebote und Vorschriften nickt begchten. ^Ter Rabbi pflegte ausweichend zu antworte», aber als der Schüler herangewachsen war, erzählte er ihm sollende Geschichte: In einem Torf lebte ein Mann in tiefster Armut, die Frau war krank, die Kinder hungerten. Fu seines Verziveiflung wendete er sich an einen frommen und wohlhabenden Nachbar, der ihn liebensivürdig empfing, sich alles genau erzählen ließ und -dann den Armen mit den Worten wegschickte: „Gehe getrost nach Hairse, der liebe Gott wird dir schon beistehen." Damit war aber dem Armen nicht geholfen, seine Lage wurde immer hoffnungsloser, und er entschloß!sich schließlich, zu einem anderen Nachbar zu gehen, der ebenfalls vermögend war, aber, weder Labbat noch Feiertage, noch irgendein Gebot beobachtete. Tiefer empfing den Armen mit aufgeregten Lchimpftvorten und schrie ihn an, er wolle nichts mit seinesgleichen zu tun haben, er habe seine eigenen Sorgen. Schließlich warf er dem Armen 500 Gulden vor die Füße und hieß ihn sein HäuS verlassen. Ueberglücklich kehrte der Arme nach -Haus zurück, all feine Not tvar gestillt. Ter Lohn des reichen Mannes, ein Arzt, fragte seinen i Vater: „Vater, wenn du schon mit diesem Menschen nichts: zu tun haben willst und auf ihn schimpfst, dann brauchst du ihm doch nicht 500 Gulden zu geben!" Tie Antivort war: „Wenn ich ihm nicht helfe, wer sonst soll ihm helfen';"' FOrNaeWiurtn,b«i H«rz.( Ntntn«, Fr su*nl«id«n BiOX-SAUERSTOFF-BÄDER kl 0lM Mehlt B«turii tut 6«rufwfwn0 »«* Htri u/vd «twito für C/trttchvftg b» Matt^Qh*n *. Utbtrentlrtngung. Bad M 9.— A AAeüt 11, Drofr Mu Clb Orttdtft 94 Ärztlich empfohlen BriesnHzer Mineralbrunnen GESUNDHEITSFÖRDERND STRAUSS & BUTTULA CHRISTI ANSTRASSI, ICKHAUS STRUVISTRASSC15 Oll BUCHHAHDUIHQ FÜR NODERNE LITERATUR TCL. 14S35 JUDAICA. — BARMIZWOHOISCHINKI