Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 8 (8.1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Wemeinhebjntt der Israelitischen ReligionSgemeindrcSden Nn Fi Ärztlich empfohlen “II Briesnitzer Mineralbrunnen GESUNDHEITSFÖRDERND .^lii»vronVi!tlidH’" beriiebmen? Cb. ich bin nir emici unstet und fliiduici und lu’ntof'.cn . . Codi du rloblid' ein »rellc*. rote* X?idn in der finitem, •‘d’iivrcn 'Jiadn ’ nukien, dann würde sich da* Zünglein wohl auch kaw.u rühren ... „Tie Welt kann auch nicht hinauf »nd hinab. Sie ist auch unstet und flüchtig zwifdien dein lichten .T-ummcl und der finstersten, unterst.n volle. Und der Ankläger und Der Per teidiger würden datier eioifl ringen, wie das cmiflc Lidit und die Hinsterni*. Bünne und Mciltc, Ceben und Tod miteinander riimen . „oo, ne schwankt, die Belt, und kairn nidit hinauf, und tan» nidit hinunter, lind darin» wird e* immer Hodizeitcn nnd Sdx'idnnivn geben. Befd'neidnngen und Bestattungen ... gottgefällige Mahlzeiten »nd Mahlzeiten zur Sättigung... Und Liebe und vast . . . Immer/ imnrer . Plötzlich ertönen die .Mlänge von Tromveten und Hörnern. Tie Seele blickt hinab: Eine dentidie Stadt (natürlich .in* früherer ’ieit). allerlei friimmfliebltfie Tädier limringen den Platz vor dem Magistrate. Und der Plast ist voll Menschen. in den veridiiedensten Iarben gekleidet. Tie Ienster voll beiestt. Leute liegen ans den Tädiern. mandie reiten ans "den Balken, die unter den Tüchern bervorslarren. Tie Balkon.' Sie iiebt iidt um. xMu* einem Iensler kdmnit da* Lidit. e. Ma*kierle Räuber haben einen reidien Mann überfallen. Einer von ihnen ball eine brennende Jäckel in den Händen und lend'tek. Ein zweiter bat einen blitzenden Toldi dem reid'en Mann an die Brnfi gefetzt »nd iviederbolt in einemorl: ..fifiibr dichte nicht. Jude, lonst in e* dein Ende, dann stveh iw dich mit diefeai Toldie da dnrdi nizd dnrdi." Tie anderen erbrechen Sdnanke »nd rauben. Ter Uebermllene aber bleibt rnbig. «'lassen blickt er ans de:, Tolcb. Mein Härchen riibrt fidi an ibnt. E* in ja nidit 'eine Sad'e: „''lott bat 'gegeben", denkt er. „liZott bat genommender Name de* Herrn fei gelobt." Und feine blaffen Livv'n fen'zen: ..Man wird ja damit nidit geboren und mirb'* in* v-rab mitgegeben." Rnbig. ganz rnbig siebt er zu. wie man die letzte Tduib- . lade der letzten .Mominode berau*ziebi und Sückdien lietzvorberrt, die mit «std nnd Silber, mit Sdiinnd nnd allerlei teuren Tinge» gefüllt find, nnd fd'weigt . . . Todi vlötzlidi wie die Räuber beim letzten Versteck an gelangt find nnd mi kleine*, da* letzte Sückdien hervorzielien. nnkt er zn'ammen. flammen feine Blicke auf. streckt er die tzed'te Hand an*, ivie um ihnen zu mehren, und will irfireien: ..Rührt e* nidit!" '.'Iber statt de* Sdireie* ein damvfender roter Blnisrral' der Toldi hat fein Berk getan. . . . E* ist da* Herzblut, da* da am da* Säckchen writzt! Er füllt nnd die Räuber reisten gefcüwind da* Säckchen - i»f. E* ivird wobl da* Beste und Teuerste bergen! Sie batten fidi bitter getünfdit! Ta* Blnt war nni'onit geflofien. Beder Etold nodi Silber, nodi Sd'innd waren in dem Südd'en gelegen. Nickst* von alledem, wa* auf d'efer Belt lener ist. Rid't* al* ein wenig Erde. Palästina-Erde für da* «ab. Ta* batte der reiche Mann -vor 'remden Blicken und Händen retten ivollen, da* batte er mit leinem Blute be'vritzt. Und die Seele fastte ein blntbefpritzte* Ständchen Palästina Erde und meldet fidi damit an der Hin»nel*vforte... Ta* «fchenk ward angenomine». Das zweite Geschenk ..«tt ivird iveiker helfen", hofft die Seele nnd fliegt nüeder -frohen Muke* hinab. '.'Iber die Irende. fdinstndet wieder allinäblidi bin. Bieder vergeben Jahre und Jahre, und fie-kann nicht* ansterordentlidi SdHne* finden . . . Bieder foimnen ihr die trüben «danken: „Eine lebendige Cnelle ivar die Belt, al* sie an* tstotte* 'Billen kam. Run fliestt ne und fliestt ne weiter in der 3cit. Und je weiter ne fliestt. desto mehr Erde nnd Staub nimmt ne in fidi ans. desto trüber nnd unreiner wird ne. desto weniger «'diente für den Himmel findet maiz in ibr . . . Teno kleiner werden die Mensthen. desto vlnmver die Perdienfte. desto staubiger die Sünden: Taten - siebt inan überbanvt nicht. Und weiter denkt ne: ..Beim «tt den Änftrag geben würde, die- Sünden nnd Verdienste der ganzen Beit z» find vollgepfropft. Vor dein Magistrate steht ein Tisdi. der mit einem grünen, aoldbefranzten Tndi gedeckt ist. Am Tisdie sitzen die Magistrat*berren. in Samtgeivändern. Zobelmützen mit weiszen Jeder» an Brillantknövfen auf dem Moi'fe. Cbennn fitzt der Präsident. Und feitivärt* ein gebundene* jüdifdie* Mädchen. Nidit weit oon ibr zehn .M »echte, die ein wilde* Pferd Halten. Ter Präsident erbebt fick' nnd liest vom Papier dem jüdisdien Mädchen ein Urteil vor.- Sein «sidit ist gegen den Markt gewendet: „Tiefe Jüdin liier bat eine fdmicre Sünde begangen, die ihr selbst «tt. ,o grost feine Barmherzigkeit fein mag. nidit verzeihen könnte ... „Sie stahl fidi an* dem «ictto und ging an unserem heilig.» Jene in liniere» reinen «sie» herum . . . Mit ihren niwerfdiämten Blicken befleckte sie unsere heilige Prozession, unsere heiligen Bilder, die wir mit Lobgeiänge» »nd Tvoinmelschlag dnrdi die «iien trugen . . . Mit ihren verfluchten Cbren saugte sie den «sang unserer weistgekleidetennnschnldigen .Binder, und die Musik der heiligen Pauken in fidi ein! . . . Und wer weisz. ob nidit Satan, der Unreine, der die «stalt der Jüdin, der Toditer de* verdammten" Rabbi, annahm. an eine* unserer Heiligtümer sich herangewagt und c* befleckt hat? Ba* wollte der Teufel in der sd'önen «stalt? Tenn ick, kann nidit lügen, das; sie fdiön ist. io sdiön. wie sich nur der Teufel mndvn kann. Seht mir die aninaszend strahlenden Angen. unter den züchtig gesenkten seidenen Bimvern. . . . Seht da* alabasterweisze «fidit. da* in der langen Hast nicht dunkler, sondern blässer wurde! . . . Seht ihre Finger, die fdiinalen. laugen Iinger die Sonne lenditet ' dnrdi sie dnrdi! ... Und wa* wollte der fdiöne Teufel? Eine Seele der Andacht entreisten. E* ist ilnn gelungen. Tenn: Seht nur da* schöne Mädchen rief einer unserer Ritter an* einer der eh.lsten innerer Iamilien ... Ta* war aber .zuviel. Tie Hellebardiere bemerkten nnd verhafteten sie. Ter. Teufel wehrte fidi nidit einmal. Tenn sie ivaren damal*' rein, von allen Sünden rein, nnd so hatte er keine «walt über sie . . . , Und so geschehe mit dem Teufel in dar «fielt df* jüdisdien Mädchen*: ,! Mit ihren langen Te»kel*zöpsen b »de man ne an den Sd'weis de* wilden Pferde*.' damit c* sie dnrdi die «ssen fdileife. die sie entgegen unserer «setze, betreten heit . . . Teint it ihr Blnt die Steine bespritze »nd ebwasdie, die von ihren Iüsten verunreinigt wurden!" Ein wilde* Irendengeschrei.löste sid> an* allen Mätzler», »nd al* e* vorüber war. frng man die Pernrteilte nadi ihrem letzten Bnnsdi. „Ich habe . . .", antwortetsie ruhig, „»in einige Nadeln bitte ich." '; „Sie ist toll vor Sdireck", sagen die Magistratsherren. „Nein", sagt sie wieder rnhig und kalt. „So ist mein letzter Bille."