Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 5 (5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Gememdeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden '»■■■■iimimiii» Amtliches Organ deck Gemeindevorstandes MMeilungSbiatt -es SäMchen ismelitiiümi Semeindeverbandeö Verantwort!. Gchriftleituna: Bürodlrettor L-Pl Allelulse Annahmestelle für Inserate: Iae. Hte oemacher. Dresden «Verla,: Israelitisch« ReliaionS-emeinde Dresden - Druck: Kaden LEomd-, DrcSden-A mlicht. ItaadanSstraßt 3, L Trieb hon 14061- Dir IA-inm-Nonpareillezeile tostet 30 Vl-, lausend Rabatt 1VII. Jahrgang | s!poM!SSi Dresden, Mai 1931. mm Nummer 5 Inhaltsverzeichnis: Dr. Leo Fantl: Holstein betet / Hotstein: Wie ich nach Dresden ko Kantor» » Liberale Kundgebuna / Deutsch.Holländische Pnlästinaverwaliung f Juden in bcr-bt m / Kornitzer: Die Send» »ticben Wirtschait / Amtlich ing des jüdischen :S / Personalien Naphacl Hofstein 40 Jahre Kantor in Dresden Et» seltene» Jubiläum kann unser Qberkantor Herr R. Hofftet» am 1. Junt bearben. An diesem Tage werden e» 40 Jahre her sein, das» er einem Rufe der Dresdner Gemeinde aefolgt war. Biele Generationen haben sich seitdem an seinem tlbasonuS ersreut und an seinem Beten erhoben. Diese Nummer des Gemeindeblatter widmet dem Jubilar mit dem Wunsche, dah es ihm vergönnt sein möae. lein würdige» Amt noch recht lange in geistiger und körperlicher Irische ,u versehen die Redaktion. Hofstein betet Von l)r. Leo Fantl Schon wenn er durch die Reihen der Beter zum Altar schreitet, ist Würde um ihn. Da geht einer, der sich seiner Sendung bewußt ist: die Stimmung der Beter, die Stinunung der Gemeinde im Gebet, im gesungenen Gebetswort lebendig zu machen. Das fühlt man vom Beginn an. Wie wcnigcil »• ist es Raphael Hofstein gegeben, die Atmosphäre jeder gottesdienstlichen Versammlung in Vortrag und Ausdruck zu treffen. Er sagt: L’chu neranenu — und schon senkt sich Sabbatsricdc in die Herzen. Er stimmt im Rezitativ die Melodie der drei Feste an, und Frühling, Sommer und Herbst, geheiligt durch ihre drei Feiertage, erhalten chre Weihe im Gemüt der Hörer. Tik'u wacnaudesch schaufor — 'der Tag des Posaunenschalls mit all seinen mystischen Schauern erfaßt uns. Und wenn Hofstein am Vorabend des Versöhnungstages den Segensspruch über den Talis, den Gebetmantel, anhebt, dann klingt daraus das Einmalige dieses erhabensten der Festanfänge . .. Freilich, moin muß dazu bereit sein. Der Sinn des Synagogengesangs erschließt sich nur dem Willigen. Dem, der in seine Seele hineinhorcht. Falsch wäre es zu sagen: diesen Gesang, diesen Gottesdienst zu erfassen, wäre nur dem Wissenden möglich, und wer, der Zeitströmung folgend oder unterlegen, dem Gottesdienst nicht mehr folgen könne, der wisse mit dem Gesang des Vorbeters nichts anzufangen. Das ist Flucht vor der Wahrheit, Flucht vor sich selbst. Denn bis auf wenige Generationen vor uns war das Verständnis für den Gottesdienst, war die Kenntnis von ihm Gemeingut des Judentums. Und in jedem von uns schlummert Erinnerung an die Zeiten und Gesänge von Jahrhunderten zuvor. Auch wer in seiner Jugend nichts mehr von all diesen Dingen gehört. nie einen Gottesdienst besucht, nie eine Zeile Hebräisch gelesen hat — er mag sich noch so unwissend stellen —,-s^inc rveele weiß davon, verbirgt ihr Wissen im Innersten, birgt ec bis zu dem Augenblick, da das Wissen und Fühlen von Generationen, kostbarste Erbinasse, Erbteil des Herzens, erwacht, geweckt wird von der unwiderstehlichen Macht, von den Tönen des Gefühls, von der Sprache der Musik, Musik in ihrer erhabensten Form: Ansdruck der Verbundenheit der Seele mit dem Unendlichen. Nur wenige unserer Vorbeter besitzen den Schlüssel zu dein Geheimnis, Herzen zu wecken. Raphael Hofstein ist einer der Auserwählten. Hört ihn am Sabbat, am Feiertag, hört ihn komponierte Gesänge vortragen mit und ohne Begleitung de-? Instruments, hört ihn frei rezitieren und improvisieren, geht in der Morgenfrühe des ersten Selichoth-TagcS, am Hofchano rabboh, geht am Vorabend des 9. Ab, geht ivann ihr wollt, wenn Hofstein betet, und ihr werdet angeiveht von dem Hauch urältesten Judentums, jüdischer Poesie, jüdischer Herzlichkeit, jüdischen Gemütes, jüdischer Erhebung und Andacht. Und iht verspürt die Ahnung alten Rhapsodentums, mit seiner Urkraft, die Herzen zu bewegen. Mag der oder jener unter uns mit mancher Wendung. Führung, manchem Klang des Tones bei Hofstein nicht recht einverstanden sein — es wäre keine rechte jüdische Gemeinde ohtre Kritiker der Kultusträger dabei —, mit HofstcinS' Beten sind sie alle einverstanden. Sie wissen, was er vermag: sie zu erheben, sie in Erinnerung zu versenken, Erinnerung an alse Zeiten, an liebe Menschen, an Glück und Leid: ja, er vermag sie durch die Macht der Melodie, durch die Kraft seiner Andacht an die Pforten des Erhabenen zu führen, dahin, wo das Ahnen des lebten, tiefsten Sinnes alles religiösen Gefühls beginnt... Gefühl ist das Wesen von Hofsteins Gesang, Gefühl ist es, was uns mit ihm verbindet. Wir ehren Raphael Hofstein und sind ihm von Herzen zugetan. Weil er beten kann und uns immer wieder beten lehrt. Am AalaB de» 40)Ihrigea Aaila|alilllaM de« Herrn Oberkantor Raphael Hofstein Badet Freitag, dea M. Mal, 7 Uhr, la der Syaegoge e|a feierlicher Gottesdienst mit Ansprache statt. Wir laden die Mitglieder nnserer Gemeinde sn zahlreicher Beteiligung an diesem Gottesdienst ein. Dresden, den S. Mal lOSt 'Vorstand, Rabbinat und My.nagogenauNMcIiuß der Israelitischen Religionsgenieintlc (