Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 1 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 1 Gemeiydeblatt der Israelitischen ReligionSgem < inde Dresden Seite 5 Fromme, hadert mit Gott, der ihn verlassen hat. Er legt die Tephillin nicht mehr an und durchbricht das Gesetz. Aber wie der geschlagene Hiob nach bestandener Prüfung wieder von Gott gesegnet wird, so wird cs anch Mendel Singer, der töricht-fromme Melamed aus Zuchnow. Denn während David Golder ein böses, einsames Ende nimmt, lacht Mendel Singer vor seinem Tode nochmals das OSIiief: Menuhim, das-verlassene kranke Kind, ist geheilt worden, z» Ruhm und Wohlstandgelangt und findet — >der Roman endet wie ein Märchen — den Vater in der Riesenstadt Neuyork. So ist das Wort eines Rabbi wahr gclbordcn, der einst der ratlosen, verzweifelten Tcborah um Meiiuhiin verkündet hatte: „Ter Schmerz wird ihn weise machen» die Häßlichkeit gütig, die Bitternis milde und die Krankheit stark." Zweifellos ist der Roman Joseph Roths der größere. Auch Irene Nemirowsky gelingt es. uns ihren David (holder nahczubringen, er erschüttert »ns menschlich, aber die Verfasserin erzählt kalt, unbeteiligt und mit einem betonenden Zynismus. Ihre Sprache ist el:gant, aber leicht, ihre Bilder sind farbig, aber nicht tief. Jhi gelingt es nicht, den Roman zur Dichtung zu machen. Roths „Hiob" dagegen ist eine Dichtung. Seine Sprache ist einfach und stark im Gegenständlichen wie im Seelischen. Nicht das bloße Geschehen gibt er uns, er weiß auch wundervoll dichterisch Atmosphäre und Landschaft zn beleben. Ei zeichnet ein paar Mensch"» so echt, so lebensvoll, daß wir ihren Pulsschlag zn spüren sch« i meinen. „Hiob" deutschen Prosa zu Hinsicht: hier nämli Sicher isl das schickfja! aber es hat eine a die Geschichte Hiobs Singer wird geprUst sammeln sich die Fv Dialoge zwi'ckicn ihn Stellen des Buches Gnade des Herrn. Roman fast eine biksl nt mir ei sein, und h ist über 1 dieses islßerordentl st in inne grnndlo esu nde, da n und Me -, auch er 2o ist die - ische Dicht» d> M er: Höhepunkt in der jüngeren s nicht allein in sprachlicher den Tag hinaus geschaffen, cndel Singer kein heroisches, ch zwingende Beispielskräft: Zeit hinübermodnliert, auch s geschlagen, auch um ihn am elendsten ist —' und die »de! gehören zn den schönsten erfährt sclsiießlich wieder die er in unserer Zeit spielende ng. „David Golder' Jii beiden Büchern deren Leben tragisch Menschen und. G Zwiespalt von Gbe weil er von der Herst fmift zurück möchte ordnen und vereinssu gleiche hosfnungslose Bücher nicht lesen erscheinnngcn, sondcir einem belvnßten Ai s wohl ein jeder von Schicksalen. older ind „Hiob' wird die G ist, tragt und to und inft fort, beide föiini' neu, bcidc Beiniilnins wie irgei n mit horchen, uns feine . das sind jüdische Schicksale, »schichte von Menschen erzählt, ch deshalb, weil es jüdische inger gehen beide an dem eibcit zugrunde. Ter eine, der andere, weil er zur Her- 'i! sich nicht in die Welt einr Leben ist im Grunde die Und darum soll man diese isnvelche unterhaltende Neuencn, inneren, Augen und »in mebr oder weniger hat Anteil an diesen jüdischen 3h osf d: Qlu&erorbettfttcöe Gemeinderatsfitzyng Ehren des Herrn Sanitätsrat« Dr/Jim i Zu Aus Anlaß des 25jährigen Am Sjubiläums des Vorstehers der ttter mann am 14. Teze m-b e r 11)30. Zimmermann, fand am «onn % 11 hr, im Gemeindehaus eine Gemeinde, Herrn Sanitätsrats Dr tag, dem 14. Dezember, mittags 11 schlichte Feier statt, zu der sich auf Einladung des Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalts Paul Salinger, der gesamte Gemeinderat, Herr Rabbiner Dr. Wolf und die Beamten und Angestellten der Gemeinde vollzählig eingcfunden halten. Ten Platz des Jubilars zierte ein Blumenstrauß. Herr Rechtsanwalt Salinger feierte Herrn Scmitätsrat Tr. Zimmermann mit einer Ansprache. Er brachte zum! Ausdruck, daß die Israelitische Religionsgemeinde Dresden dem langjährigen GemeinderatSmitglied und verdienstvollen Vorsteher tiefsten Tank schulde. Er rühmte besonders die aufopferungsvolle Tätigkeit des Jubilars in seiner Eigenschaft als Finanzdezernent der Gemeinde; ein Amt. daS um so höher bewertet werden müsse, als die Schwierigkeiten gerate dieses Dezernats von einem Manne überwunden wurden, dessen berufliche Tätngkcht an sich schon den ganzen Menschen beanspruche. In Sanitätsrat Dr. Zimmermann verkörpere sich für die Gemeinde das beste Beispiel der von manche» so sehr angcfeindeten Notabelnwirtschaft in der Gemeinde. Gerade «sanitätsrat Dr. Zimmermann in seiner vornehmen schlichten Art muß man als einen Notabeln ansvrechen, der, wie eS früher im jüdischen Gemeindeleben üblich war/nur um der Sache selbst willen gearbeitet hat und dem Ehrgeiz jvöllig fremd war. Besonders gedachte die Ansprache der Zeit, in1 der Sanitätsrat Tr. Zimmermann zusammen mit dem zur Freude aller Anwesenden heute erschienenen Ehrenvorsitzcfrden der Gemeinde, Herrn Lskar Lester, und den Herren Mattcrisdorff, Kontmerzienrat Elb und Mai; Levi die Geschicke der Dresdner Gemeinde geleitet hat. Tie Ansprache gipfelte in der Bitte. des Vorstehers Salinger an den Jubilar, auch weiterhin seine wertvollen Dienste der Gemeinde und der jüdischen Allgemeinheit zu widmen. / Einmütiger Beifall bezeugte Hcrrn Sanitätsrat Dr. Zimmermann die Zustimmung aller anwesenden Gemeinderatsmitglieder zu den Ausführungen des Herrn llechtsanwalts «Salinger. Anschließend hieran überreichte Herr Rechtsanwalt «Salinger dem Jubilar als ein kleines Zeichen der Dankbarkeit seiner Mitarbeiter eine silberne Schreibtischuhr, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese Uhr ihm nur glückliche Stunden schlagen möge. Hierauf nahm Herr Vorsteher Weiger das Wort: Im eigenen Namen und im Auftrag der IBP. gestatte ich mir ebenfalls, Herrn Sanitätsrat Dr. Zsmmermann zu seinem seltene» Jubiläum herzlich zu gratulieren, sind knüpfe daran den Wunsch, daß er auch m den kommenden Iahten in körperlicher und geistiger Gesundheit und Kraft seine wertvollen Dienste der Gemeinde weihen möge. Die IBP. erkennt mit aufrichtigem Dank Ihr segensreiches Wirken für die Gemeinde an, ganz besonders aber Ihren großen Einfluß zugunsten des Friedens innerhalb dhr Gemeinde, und wir schließen uns deshalb der Bitte weiterhin im Vorstand und den Frieden d unseren herzlichsten )eö Herrn der Gemeind «jrselbcn erfe ' iickwunsch! El Herr Rabbiner Tr ehr vere,rter Herr Sanitätsrat! Im Namen des iiabbinatS ui: Nach einem Worte der Gott selber entscheid, t, auch ein , daß Sie gö B> »sitzenden an, Sic möchten auch >e verbleiben, um für das Wohl lgrcich zu wirken. .Nochmals Wolf führt, auS: unserer Religion steh», beglückwünsche ich Sie zu Ihrer Feier. Eigentlich wollte Her: Professor Dr. Winter Ihnen die Glückwünsche des Nabbinat) ausspreche», da er so viele Jahre gemeinsam in der Gemeinte mit Jhner gearbeitet hat. Durch sein Leiden ist er leider v »hindert, hie Ihrem Amte als Vors eher heiligen und Ihre Wirtungsw, ise wird von allen anerkannt und gerühmt. alten Lehrer Temokratie d aller derer, die im Dienste c zu erscheinen. Sic haben in Dienst getan. Ihre Gesinnung gehört zu den Gütern, über die guter Vorsteher. In diesem tlicher Berufung Folge geleistet Amt annästnen und darin wirkten. In sieht cS freilich so auS, als ob Berufung abgöndminen hätten, Gott bedient sich immer der Menschengewalt, ohne innerlich Sinne darf man sager haben, als Sie diese,- unserem Zeitalter der die Menschen Gott dic seS Amt der allein daS ist nur scheinbar so. Menschen als Werkzeug. Wer von berufen zu sein, in c n solche? Anti kommt, der wird nicht lange an solcher Stelle stehen. Tie Ta sacke, daß Sie nunmehr seit 25 Jahren in unscrei Gemeinde wirksam sind, ist der beste Be weis für Ihre innere Berufung, Die Arbeit in unserer Gemeinde war in den letzten Johren erschwert durch die wirtschaftlichen nnd politischen Verhältnissi. Es sah in meinde zurückgehe. Tür beginnen heute abend das Ehanukkahfest Eine Lehre des Chan rkkahfestes lautet: In heijigen Ding m steigt man hinauf und nicht hinunter. Mein innigster Wunsch für Sie ay diesem Tage ist cs, daß Sie einen neuen Aufstieg der Gemeinde erleben möchten, daß Sie selber iwch viele Jahr: an diesem Aufstieg tätig Mitwirken. Herr Bürodirektor Ploemacher überbrachtc die Glückwünsche aller anderen Beamt'», insbesondere der Beamten und Angestellten des Gemeindemts. „Unser vollzähliges Erscheinen", sagte Herr Ploemacher, „sol als Beweis richtige Verehrung ge ten, die wir zelne für Sie empfinden." Auch Herr Ploem, chcr schloß rh.it der Bitte an den i» dieser schweren Zeit von seinem das Finanz- und Steuerwesen auch!. Herr Sanitätsrat Tr. Zimmsrmann dankte »ritz bewegte» Worten. Aus seiner Erwiderung durfte inan die Hoffnung schöpfen, daßer der i>oii allen «Selten ausgesprochenen Bitte, der Elemeinde seine werti ollc. Mitarbeit fernerhin zu schenken, willfahren will. . ' L. fl. für die hohe Achtung und ans alle zusammen und jeder einubilar, Amte nicht zurückzutretc» und fernerhin zu leiten. >