Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1930-11-01 · 11 (11.1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
6 (1930)
Issue
11 (11.1930)
Date
1930-11-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/4892693-5739404-5769971--1634-4894231
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 11 iGemeindeblatt der Israelitischen ReltgionSgemeinde Dresden Seite 3 Amerikas, denen das Wort der Machthaber des Tages licblicl>er klirrt als das des Propheten Elia, zählen wir nicht mit!) Vm den zwölf Wohnorten der Wunderrabbis sind vier Stammsitze großer Dynastien: Alexandrow, Radzimcn, Bels »nd Gura-Kalvarya: das Amt des Wundcrrabbi ist nämlich c blich. Was ist ein Zaddik? Ter irdische Dolmetsch des göttlick)en Willens. Er lebt von der Welt abgeschlossen »nd komnit so in Beziehung z»m Ewigen. Ist nicht der von Kotzk (Polen), den man den großen Schtveiger nennt, dreißig Jahre stiuim in seinem Zimmer eingeschlossen geblieben? Die Misson eines ,'jaddik besteht darin, das Volk Israel zu leite». Zaren, Könige, Diktatoren können ihren Willen lundtiin, der Zaddik aber behält das letzte Wort. Er kann auch heilen. Seine Spezialität sind Nervenkrankheiten. Er vertreibt den Dibbuk (den rlchelosen (Yeist eines Toten) aus dem Wörter des von ihm Besessenen. Seine große Kunst ist, Frauen fruchtbar zu maclien. Manchmal gelingt es ihm wirklich . . Selbstverständlich ist jeder Wunderrabbi ein Feind der anderen Wnnderrabbis. Oiliirfl d) das Torf, in dem ein solcher Mann geboren ivird. Der Segen des Herrn ruht über ihm, ein voll, kominenev Segen, der das geistige und das weltliche Leben umsaßt. Könnte es jemals an iveißem Sabbatbrot und selbst an Prot für die übrigen Tage; in der Nähe eines Zaddik fehlen? lieber den Wundertäter geht ein wahrer Regen von ltzaben.nieder. Eine der seltsamsten Arten, ihn zu beschenken — sie scheint mir einzm dazustehen — ist die, ihn mit Prozenten an Handels- und Jndustriennternehmungen zu beteilige». Vor jedem Geschäft geloben die frommen Juden dem Zaddik zehn Prozent vom Gewinn. Man sieht dann diese merkwürdigen Schsildner nach Gura-Kalvarya pilgern, um ihre Wundersdmld zu bezahlend Fünfzigtausend Frank Gewinn — also gehören fünftausend dem Zaddik. Wenn die Zeit der großen Feste kommt, im Frühjahr und im Herst. mack)en nd) die Inden i»cr östlichen Länder zu diesen heiligen Männern auf den Weg. Sie gehen zu ihnen, >vie die Mohammedaner »ad> Mekka. Zehntausend, fünfzehntausend kommen zu Ostern und zu Jaum «Kippur nach Gura-Kalvarya und jdilagen hier ihre Zelte auf So wie sie sich beim Aus» zug alis Aegypten in der Wüste um Moses lagerten, lagern sie heute in den Ebenen Polens um das .Haus des Zaddik. Und zu sold)en Zeiten findet danir jenes berühmte Mahl statt, wie es seit Mal Schein Tov üblich wurde. Es gibt nid)ts auf der Welt, das sid) mit dein Anblick der Juden vergleickren ließe, die sich in wllteirdem Eifesr die Ibarpsengräten streitig macken, die aus dem Teller des lebenden Heiligen liegengeblieben sind! sich | Ulica Pijarska. Wir sind! da es ja in Gura-Kalvarya keine j Sonntag. Die Juden, die den We ine haben, gehen zum Bahnhof, um den Heiligen zu ermorde», iranischer anscljauen. „Ja", sagt ihnen Ben, ,,aud) sogar berühren!" „Sagen Sie ihnen, daß id) ih reißen will!" „SdM'cigen Sie, sonst wird llnd nun sind wir bei H'iin schall, der die sremden Botschaft plwntüstisdx's Haus! Mau hat ivegs in ein Rembraudt-Bild zu lid) stehenbleibt, um die Leinw einer Ecke sitzt.an einem wurmst Prophctengeftalt mit dem Tallis an der Stirn und am linke» A Wasserei rucr. Langsam malt ei Pergament. Mebrere Feder» Tinte hat er vor sid). Es ist e ein Thorasdirciber. Wir ivoll und ihn still bewundern. Jedc Namen des Etvigen zu schreib? segnet Jehova. iväjd)t seine .Hauh einen anderen Federkiel. Zuive Stellen, verläßt er sei» Pult u im rituellen Bad. Dann trocknie ab, kleidet sich wieder an, nimmt seinem Horn und greift ivieder i Der Scknvager des Zaddik ist Mann. Er läßt uns ta.use.ndje ivundern. Die Seiten sind so o sie abgenupt sind wie uralte Tre auch an, daß der Wundcrrgblt lebe... Eben ist er zum drittje getreten, und seine neue (Gattin süß wie der feurige Wein Zion salein gewesen und alljährlid) be Lenke aus der ganzen Welt sckirei und da id) aus Paris komme. Rue Lainärtine ist? Nun, ein Wundcrrabbi ivohne Rue Lama mit ganz besonderem Vergnüge iverde ich. ivenn id) einein jü Lamartine begegne, immer de Xr aus dem richtigen Weg, andere Straße gibt. Es ist ablwt beim Zaddik verbracht un wir gekommen ivären, köuuteit sie uns ilicfjt miß wir werden ihn sehen! Und n ei» Haar aus.seinem Barl man Sie noch steinigen!'" in Sduix.gee, dem Hofmar er eiuiührt. Was für ein Io stark den'Eindruck, gerade trete», daß man univ.illkür Hnd nidit zu zerreißen. In idiigen Pult eilte wunderbare aus dem -Haupt. de» Teiillin; rechts von ihm steht ein hebräische Lettern auf ein iud verschiedene Arten von r der berühmten Sopherim, n keine Bewegung machen smal wenn er den beiligeu ir hat, hebt er den Blick, in dem Eimer und nimm! len, bei besonders erhabenen badet feinen ganzen Leib t sid) der Sdireibcr ('k>tU’v seinen Tallis, krönt sid) mit r Feder. in überaus liebensivürdiger ährige Talmnderemplare best umgeblättert worden, tmr, weustnsen. Er vertraut uns i nid)t wie ein Einsiedler uuial unter den Traualtar ist lustig wie ein Volzel und Ziveimal ist er in Jeru gibt er sid) »ach Maricnbad. den ihm, sogar aus Amerika: ivpse ick) vielleidit. wo die Pariser Korrespondent des tine Nr. :2h. Id) habe das vernommen. In Zukunft ud i disdxn Freund in der Rue n, daß er zehn Prozent ii ke Hygiene und Judentum perausgegebert von Ministerialrat Hans Goslar, Prcsseche i. Prcuß. Staatsministcrium von: Dr. Alfred Ba$in$(cy, Rabbiner Dr.M.Barnb*r9<r,lDoscot Dr.G.Baum, DrX.Birut Prof. Mercado J.Covo, Rabbi Akiba E*er*.A., Ui Eisnct, Erne-tin« Eschclbachcr kipary^ ... __. ., ___ . , DrJ «lixOoidmann/Dr.MaxGrtJnwald, Univ.-Prcf.Dr.HanaurrDr.J.ieobJacobson, Dr.mcd. 1.' Eva Landtberg, Dr. mcd. Gustav Löffler, Dr. m«d.S. Mesan, IV. Alfred Nossif?, IV. Else Rabin. S4n.*RatDr.$chetbcUU*>A/ Dr.mcd.Erich Sch lütscl, Dr.meJ.FclixA.Thctlhabcr.Rabbinei I>r.V \#o!f*bcrgu.a. Illustrationen: Aus der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde;u Bcr ii «iputz der Juden, e. V., und andere Abbildungen. , Obci rabbincr IV. Je*». Carlcbach, Fu$on Rabbiner Dr.*\1. Eschelbacher, Rabbiner Kellner,Sin.-Rat IV-L.schmann, Dozentin V.W. Rapapoft. Rabbiner I V. Jul. Samuel, geistern, f rieda \X'einreich. Dr. mcd. Oskar se" GeselUchalt für Gesundheit« ... ein Thema von großem kulturhistorischem, religiösem und medizinischem Interesse, wie jcdi weise die hygienische Bedeutung des jüdischen Religionsgcsetscs kennt. Droleinhalbtausend Jahre hat dieses Geset ungeschwächt lebensfähig erhalten. Die iSammelschrift „Hygiene und Judentum" bringt in allgemcinverständlicher Dar: lungen führender Gelehrter und Rabbinen über die geistigen Grundlagen und die volkshygienjgesetccs (EhegeseLzc, Sexualgesetce, Beschneidung, Schächten, Spcisegcsetee, ReinlichkeitsvorscI ist jeder geistig interessierte Jude, darüber hinaus in weitestem Maße: Ar;te, Sosialhygic 1 liehen Wohlfahrt und Fürsorge Stehenden, Rassenpolitiker (seien sie pro- oder antijüdisc 1 tcllung mehr als 30 Abhand» chcn Auswirkungen des Rcligiensriften Sozialhygiene usw). Leser liker. Biologen, alle in der öllcntl eingestellt). >s des Bandes 5 RM. Hochelegant in blauem Ganzleinen, auf feinstem Kunstdruckpapicr hcrgestellt, 127 Seiten., mit zahlreichen Illustrationen. 1 | Verlag JsiC. Sternlicht, Dresden-A. 1, Ileughausstr. 3 Ferntpracher i 14081, 17887 Postscheckkonto: Dresden 36956 weiß, der auch nur andeutungs- :fae das jüdische Volk Bei gefälligen Bestellungen bitte die dieser Zeitung beigefügte Bestellkarte;u verwenden. /

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.