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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1930-10-01 · 10 (10.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
6 (1930)
Issue
10 (10.1930)
Date
1930-10-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 2 Mitteilungsblatt des Sächsischen israelitischen Gemeindeve rbandes Nr. 10 Tic ert'tcn Ansätze zum genossenschaftlichen Zusaminensct'luß und >it auch bereits in Teutschland vorhanden. Sic baben ibren Niederschlag in den beiden Berliner Genossenici'ailebanken gefuiidcn. Aber erst dann, wenn der Gedanke der Selbnbijfe Allgemeingut geworden ist, wemi jeder Jude 'ein Geld, da» beute in jüdiscilem Sinne brachtliegt, den Geuossenscbaftsbauken zur Verfügung stellt, erst dann wird es iiiöglicsi lein, in großem Maße und vorausblickend produktive Airt'cliaitshilfc in dem Umfange zu leisten, wie sic in der heutigen Notlage erforderlich ist. Vergessen wir nicht, daß die kreise, die beute dazu beitragen, den großen Finanz, inskituteu die Kassen zu füllen,, keinerlei Aussicht haben, dort jemals wirtickiaftlickie Unterstützung und Förderung durch Kreditgewährung zu erhalten. Tenken wir daran, daß der wirtschaftliche Antisemitismus seine beste Bekämpfung darin findet, daß wir uns wirtschaftlich solidarisch erklären und daß wir »ns die Finanzinnruniente idjnffen, die unsere Wirtschaftlichc Unabhängigkeit gewäbrleisten. Ter Aufgabenkreis der jüdischen Genossenschaftsbanken ii't groß und kann das gesamte jüdische.Wirtschaftsleben enticheidend beeinflussen. Von ihnen können Kredite an diejenigen Kreise gewäbrt ivcrdcn, deren Unternehmen gesund und. deren Substanz aber nicht ausreichend ist, um-sich ohne Kreditbilie zu erkalten. Von ibueu kann die Entstehung von Einkaufs- und Produktivtzeii.osfen>ckiasten gefordert werden in solchen Erwerbsziveigen. bei. denen die Voraussetzungen hierfür günilig und, sie können die zur Bernfsumschichtung erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen, so wie sie dazu beitragen können, jüdische Landwirte'anzusiedeln und jüdische Techniker auszubilden, üe können dem Akademiker die Mittel zum Au'ba» feiner Praris geben, kurzum; auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens befruchtend, stützend und fördernd eingreifen. Ihr ganzer Gedankenkreis richtet sich daran', irirtfchaftlicf» produktive Arbeit zu fördern und zu lei'ren. Wer. wie der Verfasser, täglich und stündlich Gelcgenbeir bat. zu erfahren, wie leicht es wäre, produktiv helfend einzugreifen und Eristenzen zu retten, und wie bitter es in, aus Mangel an den notwendigen Mitteln nicht helfen zu können, kann nur honen, daß diese Zeilen ein Anstoß zu einer allgenieineu Bcweguug. sein werden, deren Ziel die Zu'ammenfassung der im jüdischen Mittelstand vorhandenen materiellen Kräfte in den jüdischen Genossenschaftsbanken ist, ivo üe in organisatorischer/ produktiver Arbeit im jüdischen Interesse Verwendung finden werden. ^Mitteilungsblatt für jüdische.Kreditbewegung in Deutschland.> Lehrgänge für jüdisch-soziale Ausbildung und »Fortbildung Tie Zeniralwohlfahrisiiellc der deutschen Juden und die Hochichule üir die Wisscnschart de-:- Judentums seßen im Winrerse in eil er 1030 31 die Lehrgänge;um Zwecke exner ergänzenden judiich-iezialen Ausbildung und Forkbildung für in der sozialer Arbeit und Ausbildung wehende Personen sowie für Rabbiner und Lehrer und in der^ Ausbildung zu diesen Berufen stehende fort. Tie Lebrgänge finden in der Zeit von Anfang November 1880 bis Mine März 10.31 in Perlin in der Hochschule für die Wissen, ickicin des Judentums statt. Ter Lehr- und Stundenplan wird rechtzeitig bekanntgegeven. Anmcldnngen werden bis Ende Tktober 1!'3>> erbeten an die Zcntralwohlfahrtsstelle der deutschen auden. Perliii-Ekarwiielibtirg, Kantüraßc lä«, Tel.i Bismarck -!'»!:z iss 1"Uä. Perlrieb der Wohlfabrtsbriefmarken 10.30 Am I. November d. .V beginnt der Vertrieb der neuen Wohlfadrrsbricfmarken. Zur Ausgabe gelangen: -Marken zum Verkaufspreis von 12 Vr., lä-Pf.-Markcn zum iierkaufspceis von 2a Pf.. 23-Pf.»Marken zum Verkaufspreis von 3ä Pf., 50-Ps - Marken zum Verkaufspreis von 00 Pf., ferner eine amtliche Wohlrahrlspoilkaric Radicrung>, Verkaufspreis 12 Pf. Tie Erirage der Wohlfährtsbriefmarken dienen der Linderung'' materieller Noriränd« im ganzen Reichsgebiet; die Propaganda N'ird einheitlich unter dem Molto: „Jviir unsere Mütter — für unsere Fugend' dlirchgeführt. Es ist Ausgabe der jüdischen Wohliahrtsstellew, fiel» rege an dem Vertrieb der Wohlsghrtsbriesmarken zu beteiligen. Ter Reinertrag, d0 Prozent, aus dem außerpostalischen Verkauf kommt auch der jüdischen Wohlfahrtsarbeit zugute. Richtlinien und Propagandamaterial werden allen stellenbaldigst zugehen. An» den <Verba«d»gemei«dea Sqnagogenjubiläum in Leipzig Tas 75jährige Bestehen der Gemeindesynagoge in Leipzig ge- Pallete sich zu einer imposanten Kisndgebung. .Die Synagoge war bis auf den letzten Platz gefüllt. I städtische und staatliche Behörden hatten Vertreter geschickt, jauch die Geistlichkeit anderer Konfessionen war erschienen sowie auch der derzeitige Rektor der Landesuniversiiät. Außerdem waren zahlreiche jüdische Organisationen bei dem feierlichen Akt vertreten. Eine eigene zum Festaktus von Herrn Lberkantor Lampel kompcniert? Kantate leitete die Feierlichkeit ein. Herr Gemcinderabbiner Tr. Goldmann würdigte in einer mitreißenden Festrede die Bedeutung der stunde. „Unsere Synagoge habe die Pflicht, der Lebensnahe der Religion eine Statte zu schaffen, früh erfaßt; denn in ihr sind von früh an Forchen des Gottesdienstes gepflegt worden, die der lebendigen Entwicklung gerecht wurden. AuS dem. was seit der Errichtung dieses Hauses an Fortschritt erlebt worden ist, schöpfen wir, die heute Lebeniden, das Vertrauen, daß der Geist der Liebe und der Eintracht sich erfüllen werde." -Ein Vortrag des zur Einweihung von Jadassohn komponierten Stückes aus Psalm 24 beschloß die Festrede. Es folgte das Weihelied vou Lampel „So Gott nicht hilft das Haus erbauen" und daun Worte des Gedenkens von Gemeinderabbiner Cohn, worauf Rabbiner und Kantoren vor dem Lrauy hakaudefch das Kaddisch gebct sprachen. Als Festgabe hat der Gemeindevorftand eine Festschrift herauSgegeben, betitelt: Aus Geschichte und Leben der Juden in Leipzig. I» dem Vorwort sagen die Herausgeber: Tie Kenntnis der Vergangenheit! einer Gemeinde bei nicht nur eii.cn rein geschichtlichen Wert, sondern schafft dauernd jeder Gegenwart lebendigste Bedeutung: Sie bindet die Lebenden fester aft die 'Gemeinde, weil sie den stoilz für das früher Geschaffene weckt und damit auch das Gefühl det Verpflichtung, cs zu erhalten und der Zukunft größer und schönet zu übermitteln. Herr Gcmeinderabbiner Gustav Cohn hat die schwierigen Vorarbeiten der Festschrift geleistet. Cs ist außerordentlich z» begrüßen, daß durch dieses Werk wieder ein Stück indisch-: Svezialgcschichte einer breiten Oeffentlichkeif geboten worden ist Tie Mitarbeiter. um einige zu nennen: Tr. > Max Freudenthal, Tr. Jacob' sobn und Gustav Eohn, haben den aß sich spröden Stoff interessant zu gesralleit gewußt. Tem Buch ist jeine weite Verbreitung innerhalb der Juden Sachsens zu wünschen. Plaueü Am I. September feierte der allseitig geschätzte Prediger Emanuel Heimaniz sein 25jährigcs Amtsjubiläum als Prediger und Lehrer. Herr Heimann war, bevor er nach Plauen als Prediger kam, in Hof als Lehrer tätig. In welch hohem Maße er in den 25 Jahren feiner Plauener Wirksamkeit sich die Liebe und Wrrtschätzung seiner Gemeindemitglieder zu erwerben verstand, davon zeugte die Feier anläßlich seines Jubiläums. Auch innerhalb der jüdischen Lehrerschaft nimmb Heimann eine prominente Stellung ein. Er -ist Vorsitzender des sächsischen israelitischen Lchrervcreins und bertritt diesen iist Sächsischen israelitischen Gemeindeverband. Im Verbände selbst perden seine »Fachkenntnis und sein großes Interesse für alle Fragen außerordentlich geschätzt. -Sein Gemeindevorftand hat dem verdienstvollen Manne folgendes schreiben übersandt: „Mit dem heutigen Tage sind 25 Jahre vcrgo'igen, seit Sie in Ihr Amt als Prediger und Lehrer unserer Gemeinde ringewiesen worden sind. Als junger Mensch kamen Sie zu uns, und wenn auch 25 Jahre vergangen sind, so ist in Ihnen doch die Begeisterungssähigkei^ und der Dxang. Gutes zu tun, so jung geblieben wie vor 25 Hahren. Reift und klar liegt das, waS Sie unserer Gemeinde gegeben haben, vor uns. Mit innigem Tank - darf die Gemeindeberwaltung feststellen, daß Sie jederzeit Ihr alles eingesetzt haben, um unsere Gemeinde nach innen und außen zu stärken, -sie zn hegen uiid sie zu pflegen. Die Ileberzeugungstreue, die Ihnen eigen, die Gewissenhaftigkeit und die Vorbildlichkeit Ihrer Amtsführung, die Mannigfaltigkeit der Interessen, die Ihnen anvertraut waren und sind, Ihr Wohitätigkeitssinn, die Freude au Ihrem Lehrerberufe, Ihre Dienste als Sekretär der Gemeinde, alles dies hat zusammengewirkt, lim Ihnen innerhalb der Gemeinde eine einzigartige Stellung und hohes Ansehen zu sichern." Zittau Ter Vorsitzcude der Zittauer Geuxeinde, Herr Hugo Schtesiuger, feiert am 13. Oktober seinen 60. Geburtstag. Als Nachfolger Michael Glasers leitet er mit vielem Interesse und unter Hingabe seiner ganzen Persönlichkeit die Geschicke seiiier Gemeinde. An den Verhandlungen des Verbandes nahm er stets regen Anteil. Wir wünschen, daß es ihn, vergönnt sein möge, noch recht lange an unseren gemeinsamen Aufgaben mitzuarbeiten.

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