Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 10 (10.1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 10 Seite 3 temeintjeblatt her Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Wer wissen will, welche Stätten und Heiligtümer die Phantasie des Volkes beschäftigten und seinem Herzen lieb waren, der lese die Sagen des VölkeS. So erzählt die Tage, Toledo, lange Zeit die Hauptstadt Spaniens, sei von Israeliten gegründet worden, die nach der Zerstörung des ersten Temvels als Verbaisntc oder gar schon zur Zeit des Königs Salomo als Kauf! mte nach Spanien gekommen waren: der ursprüngliche Name des Stadt Toletnm erinnere an die Verbannten (Taltel) oder an uralte israelitische Geschlechter lToledot). Toledo wurde ein Zentrum jüdischen Geisteslebens unb zugleich eine Stadt der Jnquisation und der Glaubensv -rfolgungen. Von dem alten Glanz der toledanischcn Gemeinde und von den blutigen Glaubensverfolgnngen zel gen dort noch in der Gegenwart zwei in Kirchen umgewanh lte Synagogen. Tie ältere von beiden, wahrscheinlich ain Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut, trägt die spanische Inschrift: „Dieser Bau war eine Synagoge bis zum Jahre 1-10: i, in dem er zur Kirche Santa Maria la Bianca geweiht wurde." Tic Synagoge erfuhr ein Leidcnsschicksal ohnegleicher: sie war abwechselnd eine Kirche, ein Asyl für büßende Mädchen, ein Kloster und wurde zuletzt eineMilstärkaserne un!> ein Magazin für Militärnniformen. Doch ihre lebensfrohe und sonnendnrchlcuchtete architektonische Schönheit hat a le Wandlungen der Zeit überdauert. Auch die zweite Synagoge in Toledo, von Samnel Levi »Abulasia, dem Finanzmin stcr des Königs Pedro, im Jahre 1357 erbaut, bat sich al^ Kirche „El Transito" erhalten. Auf ihren Wänden sind noch in der Gegenwart die hebräischen Psalmworte zu lesen: „Me ne Seele sehnet sich iind schmachtet nach den Vorhäfen des Ewigen, mein Geist und mein Herz jubeln dem lebendigen Gotte zu." Eine hebräische Inschrift auf der Nordunt Südseite preist den Erbauer der ehemaligen Synagoge, den „der König zum Ratgeber in seinem Reiche erhoben un) dem er fast königliche Ehren erwiesen hat". Tie Inschrift k ingt in den Wunsch aus: „Samuel möge den Wiederaufbau des Tempels erleben und in ihm gemeinsam mit seinen Löhnen als Levitc den Tienst verrichten." Ter Wunsch ist nicht erfüllt worden, denn Tainncl Abulasia fiel in Ungnade, nachdem er jahrzehntelang dem Könige und dem Vaterlande treu gedient und die Finanzen Kastiliens geordnet hatte, und tnirdc von den Henkern des Königs im Kerker von Sevilla zu Tode gemartert. Noch älter als die Gemeinde in Toledo ist der Sage nach die Gemeinde in Worms: sie soll von 1000 Benjaminiten ge gründet worden sein, die kurz nach der Eroberung des Heiligen Landes durch Josua nach Deutschland geflohen waren, als der Stamn Benjamin wegen seiner Untat iir, Gibea fast vernichtet N orden war. Von Esra später aufgcfordert, zu den WnllfaOrtsfcsten nach Jerusalem zu komnien. erklärten die Juden »on Worms, daß sie am Rhein ein neues Jerusalem gegründet hätten. Tas ist Sage. Tie Geschichte jedoch berichtet, doß die Männersynagoge in Worms, an die man später erst eine besondere Frauenshule angcjchlossen hat, 103 > in byzantinischem Stil von dem kinderlosen Ehepaar Jckkob b. Tavid und seiner Frau Rihel, erbaut wurde. Ten Namen der frommcn Erbauer vccewigt eine Inschrift rechts von der Heiligen Lade, ihr Andenken aber segnet die Gemeinde allsabbatlich in einem besonderen Gebet. Nach der Vertreibung der Juden aus Worms wprdc die Synagoge 1615» verwüstet-und 1620, zum Teil di rch die Munifizenz des berühmten Sohnes der Wormser Gemeinde, Tavid Oppenheimer, restauriert: 1680 von d«n Franzosen als Magazin verwendet, wurde sie nach dem Frieden von Ryswick 1007 ihrer ursprünglichen Bestimmung'zurü kgegcbcn. So reden gleich den Grabsteinen unserer Friedhöf« auch die Bausteine unserer Synagogen von schweren Zeiten: sie erzählen vom Leidensschicksal unserer Ahnen. Aus dem Friedhof von Wormsruhen die Gebeine des R. Meir von Rothenburg, und eine Tborarolle, die er in seiner Gefangenschaft geschrieben haben soll, wird in der Synagoge von Dorms aufbcwahrt. dreimal im Jahre, und zwar an den l.'tzten Tagen der drei Wallfahrtssestc, wird aus dieser Tbornrolle der Festabschnitt «»erlesen. Wie in der Synagoge von Wc rms die Tborarolle des R. Meir von Rothenburg, so «vird in der Jsaak-Luria-Synagogc von Safed die Tborarolle des R Isaak Aboab ausbeivahrt, ans der ain Neujahrsfeste. Persöbnungstage und Wochenfeste, der Festabschnitt vorgelesen lvird. Besonders zum Wochenfeste kommen die Juden aus den benachbarten Ländern in die Jsaak-Luria-Synagogc von Safed und spenden rcid>c Gaben, um dort zur Thora aufgerufen zu verden. Es gibt noch andere Synagoge», die durch die in ibneir aufbcivabrtc Tborarolle oder Bibelhandschrift berühmt wurden. So «vird in der Synagoge von Tedif, unweit von »Aleppo, ein Stein gezeigt, auf dem Esra eine ThorarolleHgenhändig geschrieben haben soll. Tiefe Tborarolle befindet ü b. >vic überliefert «vird, in der Synagoge von Tedif, nach der die Juden von Aleppo einmal in jedem Jahre «vallfabrte i. um dort zu beten. Einer von Esra geschriebenen Tborarolle riihinte sich auch die Esrasynagoge von Kairo, bis ein Mann aus dem Abcndlande die Tborarolle von dem Diener der Synagoge für 100 Goldstücke envarb und zur Strafe auf der Hoimrcise mit der Thorarolle in den Meeresfluten versank. Auch die Maimonides-Synagogc von Kairo bcivabrt als heiligen Schatz eine Bibel, die Moses b. Maimon, der jüdische Philosoph und Leibarzt des ägyptischen Sultans, geschrieben!«at. Eine kostbare »Bibclbandschrjft, die von den beiden Massorcten Moses und Aron b. Ascher herrühren soll, befindet sich ift der Synagoge oo». Aleppo. Tie beiden Massorcten, Pater und Sohn sum 800 bis 050), schrieben mit vorbildlicher Sorgfalt «tnrf« massoretischen Regeln Bibelhandschristen, ans denen in Jerusalem und Aegypten neue Handschriften kopiert und auf die zum großen Teil auch der hebräischeTert unserer »Bibel zurückgeht. sBerliner Gemeindeblitt.) (Forts, folgt.) Ifti" neuer Sünzuy V soU ein Eget* Standard sein. Denn unsere Standard »Anzüge haben eine ganz besondere Verarbeitung und sind aus besonders dafür herg?stellten Stoffen angefertigt'. Sie müßten sich einmal solch einen Anzug insehen oder besser noch anziehen. Das überzeugt auch Sie sofort und macht Sie zum begeisterten Anhänger «fef* (guten Cgfer-'Kteii EGERgS nur Johanns!