Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 10 (10.1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Gemem-eblatt der MraelitifGen Religionsgemeinde Dresden <s4aMw*iiiiiiinnmiiiiitmiifiitiiiiiiiiiiuiiHiiniitK> Amtliches Organ des Gemeindevorftandes <A»»!i»»i»»i»»l>»«l»»i»»i»ii»i»»il»iii»iii»»i>r> Mitteilungsblatt des Sächsischen iiraclitiiihcn Stmeinbeverblmbes Vkraatwoctl.Schnftleitung: Bürotirektor L-Plormacher, Dresden-Verlag: Israelitische Religionsgemcinde Dresden-Druck: KadenLEomp-, Drrsdcn-A. Alleinige Annahmestelle sür Inserate: Iat. Etcmlicht. Zeugbauestrabe 3,1- Telephon 14051 - Die 29-mm-Rontxncillestilc tostet 30 Ps.. laufend Rabatt Vl.Iahrgang Dresden, Oktober 1930 Nummer 10 Inhaltsverzeichnis: Dr. Leo stfanll: Mediralion am LZeiveufcst / Rabbiner Dr. Bergmann: Beris Bekanntmachungen / Personalien / AuS dem BeieinSleben lhebelzciien für Vas Laubliüttenieit ' Liicrari, hmle Znnagogcn / Ämiliche Umschau'/ Tbeaieb Kino. fllC Meöitatton am Weiöenfcft 1 l Poti Dr. Und wieder der Londerbarste aller Werktagsgottescüen'le. Jene seltsame Mischung der Litnrstie, der Rite», der (stesänge. Tefilliu wie am Wpchentag, Gpbete lvie am Hüttensest. Melodien wie am Renjahrs- und Persölinnngsteste . . . Und dann jener mystisclie siebenmalige Umzug mit dem Feststranß in der Hand, bei offener Bnndeslade. Und »in den Tisch des Porbeters stehen die Männer mit dem Ehrenamt, die Thorarolle zu halten. Und ganz znlevt!das Rauschen der Blätter, wenn die Büschel der Bachweiden ans die Betpnlte.niederklatschen. Was auch die Tentunigen und Ertlärnngen besagen, dieser Brauch bleibt dunkel. Wer einmal die 2tim»ning erlebt bat, vergißt 'es nicht. Es ist geheimnisvoll und schmerzlich zugleich. Es ist als ob jemand Unsichtbarer geschlagen ivürde. Und man hat Mitleid mit dem Bündel Weidenblätter, das entstellt und mistbrancht, verderbt in der Hand znrückbleibt ... Letzter Rest uralter Bräuche.! Letzter Reil, gekannt »nr noch vom letzten Rest der Treuen. Es sind immer weniger derer, die am Tage Hauschano Rabboh, am siebenten Tag des Hüttenfestes, in der Morgendämmerung den Weg zur 2i)iuigoge finden. Merkwürdig: es sind säst mehr als a» de» Haupttagen des Lukkaussestes. Tas ist verständlich: denn unsere Zeit bringt es mit sich, daß man sich nach den großen 2ühnetagen nicht sogleich wieder aus dem Berufsleben reißen darf. 2o nutzt man am Hauschano Rabboh die (Gelegenheit, ivenigstens in aller Morgenfrühe, ehe die Tagesarbeil beginnt, den. Feststrauß zur Hand zu nehmen. Aber dem in der ansreibenden Hast und Ueberlastnng des heutigen Bernsslebens .stämpsendeti ist es nicht immer möglich, selbst an diesem Tag zum (Gottesdienst z» gehen. Er möchte gern, kann aber nicht. Und eine andre Möglichkeit gibt es nicht. Warum sind wir so unerbittlich, so grausam, einen großen Teil unserer (Gemeinde von schönest Bräuchen aiiszuschließen? Gerade die Liturgie und Zeremonie mit Feststranß und Bachweide verdiente bessere Psleg^, den» sie gebärt zu den wenigen Momenten, die uns über Jahrhunderte hinweg mit den ältesten Zeiten unserer Geschichte verbinden, uns in die Zeiten versetzen, da das Heiligtusti noch stand. Uns daran erinnern, daß wir einst mit der Nrtur weit mehr verbunden waren als heute. Man denke: der Jude von 1M>. Kaufmann oder Akademiker, steht an geweihter 2tätte »nd betrachtet Palmzweig, Mart«.» Weide nnd'Eitrnsiriicht. Manch einer darunter, der das ganze Jalir über keine Blume sieht. Aus Bequemlichkeit, aus (Gleichgültigkeit, iveil er nicht dazu die Zeit findet. Und da mitten jnt Gottesdienst iverden ihm die vier Pslanzenarten gebracht.!Er nimmt sie zur Hand, betrachtet sie, atmet seltsamen Tust und saugt die Atmosphäre der Erde ein. der jene entsprossen. Und wenn er nicht ganz Fnntl | Phantasieniid gefühllos ist, fühlt i jener unermeßlich schöne» Himmel er den Gruß des 2üde»s, striche, da einst die Heimat der Menscltheit, da einst das Par.astes erblühte. Und er fühlt sich, den Feststrai mit dem Tsten, daher die Lehre d> die 2onne. die Lehre des 2abbats N in der Hand, verbünde,> s Judentums ausging lvie den vor »ns »ein anderes Bolk gekannt nüd nach uns kein a> deres mit gleicher 2trenge gefordert bat, und die erhabene ebre der 2itte, wie ne in den Zeh» Geboten )icb findet und » den sechshnndertdreizehn ('Geboten »nd Berbote» der Thorr. Habenste aller Forderungen, dir Und vielleicht ist das Schlägen dc Berziveiflnng darüber, .wie iveit unserer Ideale entrückt find, und tnm von seiner Mission unter de» Wir habe» gelernt, daß in a schristen jeweils den Bedürfnisiei wissen, daß die Thoravorlesung, di it»d die schönste nnd erlies ewigen Friedens . . . r Bachiveidc ein Tun der wir beule der Erfüllung lvie weil sich das Juden- Bölkern entfernt bat». . . teil Zeiten religiöse Borangepaßt wurden. Wir e nur für 2onnabend and Festtag vorgesehen ivar. auch Mon ags und Tonnerstags ein gerichtet ivnrde, iveil da die Landb Bölkerung zu Markte kam. sollten .wir heute wirtlich nickst mlelir ans eigener .stran im' Ist es gar so sthivierig, stände sein, ähnlich zu verfahrend den 2egenssprnch über den Feitfrians; sprechen zu lassen, zu einer 2tiinde, da iveit mehr Geweindemitglieder die Zeit hätten, sich einznsinden? llnd liei;e tfcli wirtlich keine Form finden, den Gottesdienst am Hansäxino Rabboh <selbstverständlich ohne an dem traditionellen Morgengottesdienst zu rühren) auch zu anderer Zeit abznhälten nnd so einer größere» Bersammlnng von Gemeindeinitgliedern wenigstens die Erinnerung daran z» vermitteln? Ich fürchte, meine Frage wird vielleicht überlegenes Lächeln, wenn nicht gar Bersiiminniig bei den lleberliesernngstrenen bervorrnsen. Ich aber sage: es ist besser, ans jede Weife für die Erhaltung elter Bräuche;n sorgen, ne alle n Mitgliedern zugänglich zu inachen, sich ehrlich »in die (steipinnnng aller .streife der Gemeinde zu bemühen, als untätig beiseite zu steben und ich über ^eilnalnnlon,steil und leere 2n>iagogeii zu betlagen.! * Zollen immer mir Parteikämpse die Gemeinde zu Tisknssionen znianilnensühren? Werden wir es je erlebe», daß Mitglieder einer R e l i g i o n s gemeinde sich auch einmal znsanlinensinden, nin an 2teile des Parteigezänles über r e l i g i ö s e Tinge sich ansziisprechen »nd zu einige»? Und gerade das Lanbhüttensest gibt sojschöne Gelegenheit! 2oll der Feststranß als 2mnbol des Friedens nnd der Berträglichkeit wirklich nur eine schöne Redeirendnng sür eine 2nkkans predigt bleiben? , Ist er ivirklich nur trauriger Ueberresr ans dem Paradies, ans dem Paradies der Einigkeit unserer Ge-' meinsclxist, ans dem wir uns selbst vertrieben haben? Die CBebetzeiten für das Laubhüttenfe$t Seite 13