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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1930-09-01 · 9 (9.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
6 (1930)
Issue
9 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 0 ®emeinbeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Seite Grillles Lager Deutschlands in jüdischen und hebräischen Platten im ntusUthaus Maischallstraße 31b Prager Straße 17 Kesjselsdorfer Str. 25 Fernsprecher 27247 Der alte Reb Schimejn Von .1. I.. I' >-1' >' r: „Lias tragt Ihr fiir einen Bdxits unter dein Slrm, Miel) Bciiiuu'jn? Mit zitternder Handrückt Ihr ihn ans Herz, und die Freude stralilt Euch ans den Äugen!" ,,'Äch!" antwortet Red Bchiinqjn mit verlegenem fächeln: „Es ist nur mein Bchejfor', meint Reiertagsschejsor!" „EinReiertofiC'kheiforV" „Das ist hei mix einmal so: an Wochentage» im Eint blaie ich einen gewöhnlickzen Bchejsor. schön gearbeiteter Ieiertagsschejsa Er nimmt ihn in die Hand und betrachtet ihn mit grösster Liebe. Es ist ein kleiner, dünner, aschgrauer aber zierlicher Bchejfor ... Er ist gekrümmt! wie jeder andere, doch anmutig wie das Lächeln eines Kinoes . . . Und er ftrcichelt ihn mit zittetnden Fingern und hebt ihn bis an den Bart, so daß die lange», feine», silberne» Haare ihn liebkosen. Tie beiden Heiligtümer — der heilige aschgraue Bchejtor und der heilige silbergrane Bart berühre» sich, und ans den alten Äugen leuchtet eine kindliche Freude . . ■ * „Liebt Ihr de» Behejfar?" t „Wie das Leben! Ten» ich liebe das Bchejforblafen über alles! . . . Mein Pater, er ruhe in Friede», war Pächter, wir lebten in einem Torfe, als kleiner Junge beneidete ich immer den Brfxifhirtcn »in feine Riete . . . Er meist, und die Bdxife sammeln sich »in ihn »nd blicken ihm in die Äugen . . Ei» Bdicifor ist aber noch mehr: er sammelt die Beelen, jüdische Seelen, wie sie sich einst um' den Berg Bimii drängten . . . Und die Beelen lauschten ihm! Ich liebe das Bchejforblasen über alles . . . Aber nicht jedes Bchejsorblasen!" fügt Mi eh Bchimein hinzu. „Tie lange Tkije' am Aej»i-.stippnrabe»d liebe ich zum Beispiel nicht . . . Wenn idy den Brhejfer an de» M»»d führe, liegen schon fast alle Leute unter de» Bänke»''. Wenn ich mich iimschaiie, sehe ich ein Äehrenseld im Sturme: die Sichren neigen sich zu Boden . . : Und da »ins; ich. Bchejsor blasen! Es ist gar nicht schön! : Auch den ganzen El»! macht itiir das Bchejtorblasen feine rechte Rrende ... ' Tie (Gemeinde ist wie an Wochentagen klein und zerstreut. Ter eine kommt, der andere gelft . . . Tnrch die offenen Renfter dringt der Lärm hes Mdrktes herein . . . Bchreie von jüdischen Rranen »nd Bauern,, sie seien voneinander wohl unterschieden! . . . Auf dem Schulhofe trompeten die Otoffenjunge» . . . Ich blaie, »nd sie hh ien ich jedesmal! Es ist nichts! Äi» Mlosch-Haichono in es gaii; Tie Betenden stehe» in ihrjen rnntelnhen Besätzen .wie .xönigssölme da Lie wiegen sich wie frische grüne Ml ehren ans einem voii Dfott gesegnete» Tieser aber ist ein teurer, j Reihe. Älies rauscht wie ein Weid, wie ein Ilns; j „Ihr dentt wohl noch immer an euer Tors. Mleh BchimeiitV" „Ja. das waren schöne ,'jeitei^,. . . '.Weine Ingenderiniieniiigen . . . Wald und Rlinst. und eine alte. Mühle stand am Rlnfj . . Und wen» ein Wist,d ging nifd der Wald und der Ilns; rauschte», dachte sich der dnmme sprechen und das; der Himmel glc§i Äch ja, die alte?{eit „Und wie ist es jebk. Mleb Bjcl JetztV Wenn ich jetzt vor die Mühle zn laschem', und wiedier de» Wald und den Ilns; rauschen höre, io ist es mir, als cb sie mir zürnte» . . . Bie brummen: .Man hat dich doch vc» hier vertriebe», was hast du hier noch zu inchenY!1 Wenn ich aber an der heiligen ciiiige, das; sie einen Psalm ich Bchejsor blasen wird... ct>i mei» V" ienach ins Tors fahre, iü» Btätte stehe, und die tMemeinhe rauscht, so sehe ich de» guten alten Wald wieder vor mir und 1 Scfu’ifor — Widderksor», das in nt Mtosch-Haschono i'MIciijfihrl und auch an Wochentage» im Monat Elnl, der dein NenjabrSsene vorangeht, beim Gottesdienste geblase» wird. ' Tkije — das Blasen. Die „langd Dkije" am ÄuSgang d.'S Per löhnnnastages tIejm-.stippnrs ist ein Signal. das; der Rasttag z» Ende ist. 2 Um die Schulte unter de» Bänken hervorznhole»; am Iejm- Kippur betet man ohne Schuhe. ' den alten guten Ilns;... Und ei lauter, bis. er ichliefjlich entwnkzest nmfüllt! Biele Ilainnie». steigt durch die Tc'cke und wartet aut »den . . . Es ist still .'. . en Atem an . * Man hört mein Diebel, auf meinen ein Rlnmmenmeer steigt hinauf. durch die Wände z»m Himmel cjmpor. wie ein brennender glühender Psalm! ... Und plötzlich ist alles verfchwi ganz still . . . die (Memeinhe hält t nur die Lichter auf dem. Borlseterpnlt in heiliger Hitze knistern . . . Tif (Memeinhe Begenssprnch! Sinn führe ich de» Bchejsor otr sagt mir vor, und ich blaie -Tkioh Tie Töne sind klar irnb rein wic In feinen Äuge» leuchtet wi „Tas; Ihr es Bchimejn!" „Äch", antwortet er »nd ver bin ich ja schwctclt wie eine Ilieg k'ia»; verwirrt bi» anders! l'iebetmäntelii mit den sich im Diebel wiegt und rauscht immer lauter und die Lippen Ter Ta je»" r»oh', .Bchworii»"' kristallklare^ Waffer . . ." der eine. ti»dlici>e Ire »de. in Eurem Sll|ter noch fertigbringt. Mleh zieht das Diestcht. :oi»t staschec» — „Mofrfwr" machen. vor dem Pessachsesle einer besonderen grn»dlicl>e» Mieinigniig unlecziehe». Tajen — Mlabl'uiergehilfe. Bezeichnungen der verschiedene Schejsorblasen, die de,» Bläser vom fSTOliWERO-( (''•ernte und Mlänmlichteiteii Töne und Toufolge» l>eim ajen vorgesagt werden. Kakao Schokolade l Pralinen

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