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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1930-08-01 · 8 (8.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
6 (1930)
Issue
8 (8.1930)
Date
1930-08-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Seite 5*" Nr. S (Bemeiiibeblatt der JsraelitischenReligionSgemeindeDr« -den Gi6Iles Lager Deutschlands in jüdischen und hebräischen Platten MalrschallstraBe 31b Prtiger Straße 17 Kei iselsdorfer Str.25 Panisprecher 27247 Lebensnähe der Religion St*te mir in i»er> amtiiuimim-r beriditetcn. hot m r ii ii o *< u n b n , Berlin, das Jöniiwtrefertit auf dcr ' Xret’öiicr V1 I t tln b u ii a acdalirii. 'Jtiiitiftchcnii rin fitrjrr Auszug aus öicirm iHcfcrut: In alter Seit war l'ebeiisiiülie des Indentnins Sell’ft- Verständlichkeit. Teils durch die Berbtndbng mit dein Staat ober einer bestimmten Stanimesgemeiiischast, teils aber auch ans der Religiosität selbst heraus bezog das Judentum alle Bezirke des Lebens in seinen Ztreis. Tas aber besagt »ns Heutigen zunächst nnr wenig. ^e»n als die staatliche Selb ttändigkeit verlorenging, als die' Inden in ireiuder llinwelt zu leben gezwungen waren, sevte völlige Eiitsremdnng der Religion vom Leben ein. Ta die natürlichen Faktoren für die Gestaltung des Lebens der Inden keine Beziehung znni Indebtnm hatten und haben konnten, versuchte dieses durch k^eseye nird Borschriiten seinen Cfiiifluf; auch in, bürgerlichen Leben zn erhalten. Rnr der Sabbat blieb den Inden, ab gesehen natürlich von ihren Ieibrtagen. iiir die Gestaltung nach eigenem sollen. Tie Reuzeit nun hat den Bruch zwischen Religion nnd Leben vollkoniinen gemacht. Unsere Iördernng nach Lebens nälie der Religion gilt also Renland. Teslialb lind Borsicht nud klare (tzrenzziebiing geboten!. Sind doch die Gefahren falsch verstandener Lebensnähe für den Bestand der Religionsgemeinschaft gewis; nicht geringer als Lebensfreindbeit. und das; es in unseren Tagen aii falsch verstandener Lebensnähe nicht gefehlt hat und fehlt, das wissen wir ja auch nnr Z» gut. 1 Wp sind die T »eil e n n n ie rer vraktische n B e tätig» n g Ich glaube, wir sollten in diesem Punkte in vielen anderen geivis; nicht anknüpfen an die bekannten liberalen „R i ch t l i » i e n", denn dort wird das Wesen der jüdischen Religion in ihren ewigen Wabrlieiten nnd sittlichen Grnndgebote» erblickt, welche die geschichtliche Bestinimiing bedeutet gewis; auch Gefahr für den Menichen. den» eine Solche ewigen BBHrheiten dischen Religion sind: haben, Weltreligion zn werden, und sittliche» Grnndgebote der j Tie Lehre von dem einig-einzigen, rein geistigen, heilige» Gott. dem Gott der (Gerechtigkeit!»nd Liebe. Tie Lebre von der Gottesebnibildlicbkeit des Mensche», von seiner Ziratt zur sittlicheü Freiheit und seiner Bestim- »Hing, zn immer höherer sittlicher und geistiger Bervollkommiiiliig sortznschreiten.! Tie Lehre von der Gotteski nbicbaft aller Menschen nnd non der Bestimmung der Menschbeit, dem meisianischen Iriedensideale durch Wahrheit, (R'reriitigkeit und Liebe-immer näherznkomnien. t Als die von der Borselinng bestinimte Ausgabe Israels' ivird in den „Richtlinien" bezeichnet, seine Religio» in ihrer Reinheit zn bewahren nnd zn verkünden, durch die lebendige Rrast des Beispiels nnd der opferwilligen Hingabe zu bezeugen, und so für die Herbeiführung des Gottesreiches ans Erden zn wirken. Ter Redner siebt bann wichtige Gegenwartsprobleme, wie Todesstrafe, Ir i e d e n s b e w e - g » n g . R a t je ntra g e 11 ii d o l o n i a l p o l i t i k , in den reis Seiner Betrachtungen^ Tann aber das Wichtigste: die -Beziehungen - zwischen;>f e l i g i o n und W irtictiaft. Er führte etwa folgendes ans: Seit her Ersindnng der Berwendiing von Tamps zur, Arbeitsleistung ist eine gewaltige Steigerung der »tenschliciien! Arbeitskraft erfolgt. Arbeiten, die einst Hunderte mit u»-' endlicher Mühe vollbrachten, erfüllt heute ein einzelner durch das Schalten eines Hebels leicht mit Hilfe der Maschine. Tas Entpersönlichnng des Arbeitsprc llrprvdnktio», »ins; die Iolge se lische Berarninng bat vielfach de: zur Iabrikatio» im (befolge Rationalisierung bat zn der grcjs der Welt geführt. Wie ist dieses Problem;» unserer 2i)eltanichan»iig ans m> s; unter anderem gefordert werden, das; die heutige Anffaimng. die (tzefellschaft könne die Entziehung von Arbeitsmöi mache», revidiert wird zngnnitii zur Schasinng von Arbeite Geiamtbeit ibrer Mitglieder morc odnktes. nicht nur bei der n. Mein Iweifel: eine fee r llebergang vom Handwerk lebabk. Tie fortschreitende sze» A r b e i ts l o f i g k e i t lösend Boi» Standpunkt tlichkeite» durch Geld gut n der Erkenntnis, das; sie ,» ö g l i äi k e i t e » für die lisch verpsliclitet ist. Arbeitsleistung ist uns nicht nur Bollbr ngnng einer wirtschaftlichen Tätigkeit, sie ist-uns auch die E Stillung einer sich ans dem (Göttlichen für den Menschen ergebenden Ausgabe. In dem Worte -..Im Schweine deines Angesichts sollst du dein Brot essen" wird uns geradezu der Sji»n der Arbeit, die ethische Bedeutung meitschlichen Tuns osfeifbart. Arbeit wird znni religiös-ethischen Postulat: sie ist Iolge menschlicher ilnvoll komnienheit und Werkzeug znni Ban göttlicher Bollkommenlieit. .Ziann bei dieser Anffassijng die BeantwortnZw der Irage noch zweifelhaft sein, ob die Gesellschaft ein Recht bat. den Menschen die Gelegenheit der Arbeit zn beranbgnV ... Tenken wir doch daran, das; der Psalmift beim Preise Gottes und der Schilderung der Bollkonsmenbeit der sittlichen Weltordnung nicht zn erwähnen vergibt, das; „der Mensch anszieht an sein Werk und an seine Arbeit bis zin» Apend". Heute ist das vielfach anders geworden. Tausende und aber Tausende ziehen an jedem Morgen ans mit der HoffniiM, eine neue Beschäftigung zu erbalfen - und kehren heim in dem Bewns;tsei». statt geschaffen 'wieder auf Arbeitsgelegenheit gewartet zn haben. Ist es! verwunderlich, ivenn diese Menschen resigniere»':'...! lind znnr Schlnise. zn dem Iaz t yiuer Betrachtungen kommend: Was ivir fordern niü'fen. i>as ist Anflockernng. lieber windnng der Erstarrung. Wir miinen z» einem Instand znrückkeliren, wie er einst wenigstens in'der Tbeorie in Israel schon bestand. Ter («eist des Iobeljabres in in; wieder wach werde», -die Posaune »ins; ivieder ertönen, da mit neues Werden ermöglicht wird. Hoifnnng nnd Glaube geweckt werden. Wie einst in I rael nicht der Boden, sondern nnr sein Ertrag für eine Iaht von Iabre.ii verkauft werden konnte, so nins; auch in i nierer Jett ivieder die Er kenntnis Platz greifen,' das; d e Prodiiktionsinittel nicht . znm ewigen Eigentni» einer beg-enzte» Menichenichar werden dürfen. Rnr wenn so die Mlntt zwischen Leben und Religion über wunden werden wird, wird ihr Bestand gewährleistet sein. Schon gilt in weite» Mreifen de,r .Ztampirnf „Religion ist Tpinm für das Bolk". Tas ist tatsächlich oft nnr zn-ivabr gewesen. Jetzt aber hat die Religio» als 'Tpinni ihre Machst verloren. Soll R e l i g i o » auch in Inknnft noch Bedeutung habcm, so »ins; sie Arzenei des Lebens werden. Tas kann nicht dadurch geschehe»/das; sie den einzelnen dem Leben entrückt, ihn lebensfern. lebenssrenid macht, sondern vielmehr »nr dadurch, das; sie ihren Geist zur Grundlage des Genieinsciiastslebens macht. Auch dann wird noch ständig an dem Ban der Welt gewirkt werden müssen. Aber das ist unsere Ansgäbe: Zilarbeit zu schassen über die Fundamente, und ständig zn übenvacheir den Ban. i

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