Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 8 (8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 81% known words query
- IRI
…/4892693-5739404-5769965--1577-4894177- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Gemeinöehlatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden «,limmiiiM'iii»i»ii!i»»ilii»»-W»»iiiii»«> Amtliches Organ des Gemeindevorstandes <s>«niiiiuimiiiiiimmmmiiiiiiiiuHiimuiuiMiiiiiiiKs> des Süchsfichen israelischen Semem-everbanbes Verantwort!. Gchriftleitung: Bllrodircktor L Ploemacher, Dresden-Verlag: Israelitische Rcligionsgemcinde Dresden-Druck: KadenLEoinp., Dresden-A. Alleinige Annahmestelle für Inserate: Iae. Sternlicht, Zeughausstratze 3,1. Televbon 14051 - Die 29-mm-Ronpareillejeile kostet 30 Ps.. laufend Rabatt Vl.Iahrgang Dresden, August 1930 Nummer 8 Inhaltsverzeichnis: Ja», i». Sw. Der Brand de» Tempels ' Dr. M. Seetigsohn: Indische Augenärzte / Zivei Legenden./ Bruno Monde: Lebenslauf der Religion Amtliche Besanntinachungen / Personalien / PeieinSnachrichle» Kalendariuni ' Literarische Umschau ■' Theater Znm 9. Um der Stand -es Tempels X!a»fli’ »och würden sich die, ftoiiMiofteil Verteidiger Jerusalems gewehrt haben, tveim ihren! Feinde» nicht eine t^rohniacht von elementarer (^eivalt zu Hilfe geeilt wäre: der -Hunger. In der von Menschen überfüllten und vö» allen ^»sichren abgeschnitteiie» Hanptstgdt machte sich ein gios'.er Mangel an Lebensmitteln bemerkbar, Roch tonnte man die die Mauern verteidigende» dtrieger mit Nahrungsmitt.'l» versehen, noch konnten die Reickienjsiir schweres (^eld W«'izeu erstehen — doch die Mehrzahl her Bevölkerung war bei» Hunger preisgegeben. Die durch d^u Hunger Erschöpften begannen insgetreii» die 2tadt zn 'verlassen, um sich in der Umgebniig Nahrung zn versckxisien, Viele von ihnen gerieten so in die .Hände der Römer »nd muhten grausame Mart tu und Todesstrafe erleiden. Titus befahl, laiche Flüchtlinge an die der 2tobtmaner gegenüber errichtete dtrenze zn schlagen, »in so den Belagerten 2ck,recke» ejnzujagen. „Tie Zahl der (Gekreuzigten war so groß, das; es Leinen Platz mehr gab für die vielen .Urenze und keine .Urenie mehr für die Men'chenleiber." Vielen Flüchtlingen wurden auf (öeheih des Titus die .Hände abgeschlagen, worauf mtrn sie in die 2tadt zurücktrieb, damit sie durch ihren Anblick schrecken unter der Einwohnerscliaft verbreitete».! Tie (^raniamkeiten der Röine!' verfehlten ihren Zweck. 2ie steigerten den .Uriegseifer derl jüdifetsen Mrieqer ins Unermeßliche. Als die rihniiehen Leäionen nach grotzen Mülun mit der Errichtung der 2t»r»»vcklle fertig ivaren und ihre Maschinen zur Ansstellnng gebraelst hätten, brach der e egenangriss der Jude» von nenei» lös. Iochana» von lviskala lieh einen »iiterirdischen (hang von der Burg bis zn den rämiHben Belageriingswerken g reiben. lieh diese i» Brand stecken, so dah alles unter furchklmrem (hetöse znsammenstiirzte. Zn gleickzer Zeit »ntcrüahm eine (Hrnppe unter Führung des 2imo» bar (Hiora c^iueir verzweifelten Ausfall und legte die Wnrfmaschinen u^rd Mauerbreclier, die der Oberstadt gegenüber ausgestellt waren, i» Asche- Ter tollkühne Angriff der Inden brachte die Römer zur Verzweiflung, sie beschlossen daher, die 2tadt durch völlige Aushungerung niederznriugeu.! - Tie Blockade verfehlte ihre Wirkung nicht. Tie Hungersnot wütete mit fnrchtbareh: (Gewalt in der »mzingelten 2tadt. Nn» versckioute sie auch die Paläste der Neichen nicht mehr. In de» 2trahen irrtefii vom Hunger dem Wäbnsii»,' nahegebrachte Mensckxm uifiher. Tem Tod schaut«'» alle »nvenvandt ins Auge man,hatte sich an ihn gewöhnt. Eine unheimliche Friedhofsstille herrschte in der 2tadt. Tie rauheu »rieger staudeu auf der Mauer voll Trauer, bereit zu sterben, nicht aber sich zu ergeben. Von den Römern wurden sie mit Hohn geneckt. Tiefe zeigten ihnen ans der ,>erne die reichen, nn Lager anrde vorrate. Es kam unter de» Huu Austritten. Tie chis zur Raserei Menscheu rissen sich gegenseitig de verzehrte» Abfälle, kante» nn He» zählt, das; die vornehme Martha, dije Ioina he» (vamala, die einstmals deckten Ttrahen zum Tenrvel ging, nach Abfällen stöberte. Als Titns nun die verheerende die Belagerteii gewahr wurde, e> e.nem 2t»r»ia»grisi ans die Bnr speicherten Lebensmitt.>lgernde»;» vergveiielte» getriebenen verzwelf.'lten Bissen ans dem'Munde, und Leder. Es wird er* Witwe des Hoheprieilers iir auf mit Teppichen besetzt i» den »ehrickithäiiien Wirkung des Hnngers ans ticlilos; er sich endlicki z» Antonia. Widders zermürbt, stürzte Tnrch die wnckitigen 2tös;e des die Mauer ein. doch dahinter erheb sich vor den staunenden Blicke» der Römer eine neue Mauer, die von Iochanan in aller Eile errichtet worden war. Rach hartnäckigem >ia.npse gelang es de» Römern, in die Buig einzudringen, die Wache niederziimachen und sich der Besesl zn bemächtigen. Tie Zeloten jedoch zogen'sich in den Vorhos des Tempels zurück, verschanzte» sch dort, schlugen die nachfolgende» Römer zurück »nd verursachten ihnen viele Verluste. Titus muhte sich vorerst mit der Erol>erung der Burg begnüge». - .. Ter Feind stand nun vor dem leiligstep Besitz des Volke-?, vor dem Tempel. Von dicken Muier» umgeben, stellte der Tempelvortios eine mächtige Festung dar. Längs der Mäip-'ru ine Inner» des Hofes, zogen sich Täulengänge' hin. Hier waren jetzt die tapfersten 2tr.'itkräsle unter Iochana» von (tziskala vereinigt. Ter Tempel wurde ein .Uriegslager. Wegen Mangels a» Opfertieren wurde» die alltäglichen Opierdarbietnngen eingestellt f 17 Thamuz). Veriuckre der Friedenspartei, die Zeloten z» bewegen, den Tempel zu schonen und mit den Römern Frieden zu jchljehe», schlugen fehl. Tie Zeloten beschlossen, mit Ä usbieten letzter diräfte. ihre Ziisliichtsstätte zu verteidigen. Vo i de» Täckrern der TempelsäiilenhaUen herab beivarfen sie die sie umringenden Römer mit Pfeilen, - 2tei»en und Feueroränden. Tie Römer entschlossen sich nun zur Brcmdstistui g. Aus (HeheiH desTit»? zündeten die Soldaten das mit Silber beschlagene hölzerne Tor in der Te»ipeli»nsriednng a» Tas Metall schmolz, das Holz begann zn brennen, »nd rasch griff das Feuer aiKh auf die benachbarte» -Hallen und die aübern Bauten über. Nunmehr war der Zugang zum änh -reu Teuipelhof frei. Tie Juden wurden in de» inneren Teuipelhof zurückgediangt. Tas war am N. Aw. Am nächsten Tage berief Titus einen »riegsrat. Es sollte die Frage entschieden werden, was! mit dem Tempel geicheh.m solle. Tie einen waren für Zerstörung, die ander» wiederum 44837795