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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1930-04-01 · 4 (4.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
6 (1930)
Issue
4 (4.1930)
Date
1930-04-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Seite 3 Nr. 4 iemetnbeMatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden viel ist immerhin iicl)er: Tie Pierleoni waren es, weichen (Geistlichkeit »nd Polt Italiens die : Finanzierung iljrc-3 Stumpfes lim die Investitur der Bisckiöse >nnd Aebte gegen die deutschen Stönige und Staiser zu danken patten. Ueorigens wird es wohl auch die Erhebung eines Pierleoni aus den Stuhl Petri in der Person Anaklets >l. gewesen sein, welche zu der Fabel Anlaß gegeben bat, die inan in den Indengenieinden am Rhein von dem Sotne eines Siinün ans Mainz erzählte: Ohne Wissen der (Litern getanst. hätte er es in der Priesterlansbahn bis zum Papn< gebracht, wäre aber schließlich doch in Rom von seine», alten Vater wiedererkannt ivorden und hätte dann ans seine hohe Würde freiwillig verzichtet. > Als ein seltsames Zusammentreffen der Ereignisse verdient hc rvorgeboben zu werden, daß in der „(sasa dei Pierleoni", wie mmmetir das Marcellustheater bis zum Anssterben der Faniilie im 13. Jahrhundert genannt wntde, Papst llrban II., ein Franzose ans Chütillon bei Reims, seine lebte Znflnchtsitätte gegen zahlreiche Feinde innerhalbRoms gefunden bat und gestorben ist, nackideni er kurz vorder in seiner Heimat durch leine Predigten und die Siirchenveriammlnng von Elermont einen Strenzzug gegen die Mohammedaner zur Wiedercrobernng des Heiligen Landes zustande gebracht, weiter der erste von so vielen anderen werde» und, noch vor seinem Be-' ginn, in die ersten systematisch betriebenen Indenversolgnngen des Mittelalters ansarten sollte nichb der einzige Fall in der (Geschichte, wo Inden oder Indenfprößlinge sich derer au- »ahmen. von denen absichtlich oder unabsichtlich ontiiemitt’dü- Ansschreitnngen ansgegangen sind. ' Tsfenbtir in Auknüpsung an die Tatsache, daß der Monte Savelli. wie »ach seinen spätere» Besitzers! die einstige Wolm stätte der Pierleoni bezeichnet U'iirde, lange Feit im Besitze einer Familie jüdifte» Ursprungs gewesen, ist dann die Fabel gesponnen worden, die »och im 13. Jahrhundert von den Gettobewohnern ansländischein' (ziaubönsgenosseu erzählt wurde, in jenem Palast hätten die ersten jüdiiten (gesandten, die nach Rom gekommen, nämlich die der Makkabäer, gewohnt? /An die Stelle, wo einst das Stammhaus der Pierleoni gestanden, erinnert noch beute der Raine der Pia di Porta Leone bei der Stinte S. Riccol» in Earcere Tnlliano, welche im Mittelalter hin und wieder als die der Pierleoni bezeichnet! ivird, gewiß ein seltener Fall: ein katholisches (Gotteshaus nach einer Familie jüdischen Ursprungs benannt! Pon dem Tor^ ivelches der Familie und der Straße den Rainen gab, find noch heute an einigen Häusern derselben Spuren sichtbar. Tort bestand bis zur Gründung des (Gettos ein kleines jüdisches Pethans. Ter noch jetzt vorkomniende israelitische Familienname Portaleone ist von dieser lZtadtgegend herzuleiten, Zur Erinnerung an die einst so mächtige Familie bat man »enerdings den dort entlangsührenden Teil des modernen Uferkais Lnngo Teuere dei Pierlebni benannt. Uebrigens finden heutzutage wieder ebenso wie vor Bes gründnng des (Gettos, viele jüdische Gesciliäftslente ihr Fortkcuinien in diesem Stadtteil, weil nach alter (Gewohnheit ein Teil der Römer und Landleute hier seine.Einkäufe zu machen pflegt. Mittelpunkt für diesen Handel ist die stets stark beübte Piazza Montanara. An ihr stand das -Hans, worin zinrj ersten Male in Rom hebräische Bücher gedruckt ivorden sind. Man schrieb damals das Jahr 1518. Tie im Jahre 1556 auf Befehl Pauls l V. errichtete Gettos inaner ging von der Brücke Qnattro (5api jn schräger Richtung ans die Säulenhalle der Oktavia zti, ließ das Märcellnstheatei^ außerhalb, rechts zur Seite liegen, zog die Bia Pejcheria, die ungesähr der heutigen Pia Portico d'Lttavia entspricht, entlang, durckiquerte Piazza Giudia, d. b. die Lstseite der heutigen Bia bei Pianto, und erreichte den Tiber, indem sie, etiva iin Zuge der heutigen Via bei Progress», die Stinte 2. Toniniaso und Palazzo Cenci rechts von sich liegen ließ. Aus einem so eng begrenzten Rannie, wie es der soeben geschilderte ist, avar mehr als drei Jahrhunderte lnndurch e ne'Bevölkerung;usaininengeptercht, die io unglaublich y-d auch tliugen mag — am Anfang des 18. Jahrhunderts Unter der Regierung des Papstes Silemens XI. ein Marimnni von 15 006 Seelen, erreicht hat. während selbst heutzutage, bei dem fortwährenden Zuzug von Israeliten ans arideren Lcndesteilen nach der -Hauptstadt, und wo ihre Wohnungen über alle (liegenden verteilt sind, ihre Zahl taum 13 000 betragen-, dürfte, von denen übr-igeus nur ein ganz geringer Teil b:i der jüdiften (ik- »leinde eingetragen in, und ihr. Abgaben zahlt, die ganz freiwillig sind. i Im Iabre 1816, „ach Beseitigung de: französischen Herrfckiatt über Rom und »ach Wiederherstellung der päpstlichen Regierung betrug ihre Zahl 3050, im Jahre 1851, nach den revolutionären Beivegungen. 3010 und 1868, kurz vor dein endgültigen Aufbören der päpstlichen Herrschaft. 5000. Uebrigens muß für die altrömiite staiferzeit. i »d besonders für die Regicrung des Anguftus die jüdifche Be völkerung Roiiis auf eine viel höhere Zahl, ivobl mindestens 3(0>00 Seelen geschätzt iverden: manche meinen sogar ans 60 000 bis 80 000. Ter .Haupteingang yim (»Setto, das auch in offiziellen Ur tunde» nur allzu richtig als Serraglio des li Ebrei, als Iudenzwiuger bezeichnet ivurde. war von PiaPa Giudia. der heutigen Piazza bol Piauto. ans. Letzterer Ruine koinuu'von dem benachbarten nirchleiu Santa Maria bei Piauto. nach einer, übrigens unrichtigen Tentung, die Madofina, welche über die Verstocktheit der Inden klagt. Aüf der Piuzza Giudia tauschte die jüdische mit der christlichen Bevölkerung ihre Waren aus: hier ivar es aber auch,-ivo inan >»m der Mißachtung der unglücklichen Mitmenschen, ivelche mau hinter jenen düsteren Mauern schinachteu ließ, äußerlich Ausdruck zu verleihen, einen Galgen errichtet hatte. Tst geuum seit dem 16. Jahrhundert. sah inan „Verbrecher" demselben hängen. Aber nicht nur christliche: Mehr als bin Jude ist dort, inmitteu seiner Stainmesgenonen. den Märtyrertod gestorben, weil er den väterlichen Glauben nicht äbichivören wollte. So, am 13. März 1580, ein Sizilianer inamens Saloinon, und am 25. Juni 1600 ein gewisser Runzio. genannt Servadio. Roch anderer Stätten, au wel'teil nnglückliche Söbne Israels ans der Pyreyäischeu Halbinsel, oder laus anderen Ländern unter spanischer Herrsäiast. Üires väterlichen (Glaubens ivege» vertrieben, aber im geheimen ihm txen geblieben, für diese ihre Anhänglichkeit litten, und starben, werden, wir bei unserer weiteren Wanderung durch die Metropole > der katholischen Christenheit zu gedenken haben.!Man tut besser, diese Lpser ihrer lleberzeuguugstreue auch ferner, wie feit Jahrhunderten, mit dein' fpezifiste» Rai»^» Marranen «Saukerle, von einem Schimpfzu einem Ehrennamen geivorden, gerade wie der (Genien in den Riederlanden>>zn bezeichnen, und nicht, wie man ivobl versucht bat. mit dem von Scheinchristen. Tieser ist zu allgemei» gehalten, da' er auch gewisse, seit dem vorigen Jahrhundert immer zahlreicher werdende Elemente nördlich der Alpen nnisaßt. die da behaupten, ne hätten den christlichen Glauben aus iuuersler tteberzeugung aiigeuoinineu. während sie sich im Herzen von jeder Religion losgelöst haben. Wie viele .von diesen werden sich beglückwiinsche"' nicht vor Iahrhnnderte» zur Welt gekommen zir sein, sondern zu einer Zeit, da ihnen keine Inguisitiou mehr mit einer llntersuchung über ihr innerstes Fühlen und Tenken. droht, auch ihnen kein Holz mehr für Scheiterhaufen zusanimenträgt. stönnten doch solche, in unserer erfinderischen Zeit, zu elektrischen Verbrennungsösen für Massenbetrieb nnigestaltet werden! lieber öcm Ok’ttPtore Ivaren die Wappen des jeteiligen Papstes und Siardinalvikars angebracht. Letzterem Stirchenfürsren, welcher die Rechte des Papstes in seiner Eigenjteft als Bischof von Rom ausübt, stand nämlich die Gerichtsbarkeit und das Lberaufiichtsrecht über den JudeNzwinger zu. KTOliWERO^ Kakao Schokolade I Pralinen

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