Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 3 (3.1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 3 Mitteilungsblatt deS Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes 112 042 Studierende immatrikuliert. Von diesen waren 4336 Juden, das und 3,8 Prozent. Tie jüdischen Studierenden verteilen sich aus die einzelnen Hochschulorte in folgender Leise. 3538 studierten an Universitäten, 566 an technischen Hochschulen, 17 an landwirtschaftlichen Hochschulen, 3 an tierärztlichen Hochschulen, 150 an Handelshochschulen und 8 an vädagogischen Akademien und Instituten. Von den 4336 iüdi'chen Studierenden waren cttva 1000 Ausländer. An Berliner Hochschulen studierten 1440 Juden, in Frankfurt a. M. 312., in Breslau 280, in Leipzig 183 usw. Ta nach der letzten Volkszählung in Tcutschland vom Jahre 1925 aus je 100 Einwohner 0,9 Juden entsielen, ergibt sich, daß det Anteil der Juden an der gesamten deutschen Universitätssrudenlenschaft über viermal so groß ist wie au der reichsdeutsäien Bevölkerung. II. Interkonfessionelle Einrichtungen für Studentenhilsc. 1. Tie Wirtschaftshilfe der Teutschen Studentenschaft, Sitz Dresden, Kaitzer Straße. 2. hat an 60 Hochschulen Einrichinngen. Tie Wirtschaftshilfe arbeitet neutral und völlig dezentralisiert an den einzelnen Hochschulorten. Sie gewährt vom 3. Semester an Stipendien an Reichsdeutsche als Tarlchen. gibt Beihilfen in Krankheitsfällen, vor allem bei Tuberkulose, vermittelt Arbeit, Mittagstische usw. In den Jahren 1927 28 hatte die Wirtschaftshilfe ein Budget von 2 153 106 M. Eine besondere Abteilung der Wirtschaftshilfe bildet die Studienstiftung des Teutschen Volkes, Sitz Tresden, >iaitzer Straße 2. Sie sieht ihre Aufgabe darin, eine kleine Anzahl wissenschaftlich und persönlich besonders qualifizierter Abiturienten« innen) aufzunehnien und fctzon vom 1. Semester .'n während des ganzen Studiums zu unterstützen. 2. Stipendienabteilung des Vereins für das Deutschtum im Ausland. Sitz 'Berlin, Martin-Luther-Straße 97. Tie Zenlralwohlfahrlsftelle der deutschen Juden ist hier duich Herrn Professor Schäfer vertreten und erhält pro Semester etwa 1600 bis 1700 M. zur Verteilung an acht bis neun jüdische auslandsdeutsche Studenten in Stipendien von IST bis 281 Bk. pro Semester. Als auslandsdeutsche Studenten gelten solche, deren Eltern oder weitere Vorfahren früher einmal Teutsllze gewesen und ins Ausland ausgewandert sind. Fernerhin auch diejenigen, die ^aus abgetretenen deutschen «Gebietsteilen stammen. Vor Inanspruchnahme der Stipendien müssen ne sich schriftlich verpflichten, nach Beendigung ihres Studiums in Tcutschland in ihre ausländische Heimat zurückzukebren. Ttipendienaiilräge von auslandsdeutsche» jüdischen Studenten und an die Zentralwohlfahrtsstelle zu richten. Einrichtungen für das ganze Reichsgebiet .< i Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Abteilung Jüdische Sludentenhilfe, Berlin-Eharlottenburg, Kantstr. 158. Erstrebt wird eine Zusammenfassung aller Studentenhilfsorganisationen in den einzelnen Gemeinden und Provinzen sowie aller Bestrebungen für jüdische Studentenhilsc iu Tcutschland. Ihre weiteren Aufgaben sieht ne in dem Ausbau und der Förderung örtlicher Studentenhilfswerke, in Erteilung von Auskunft und Beratung und schließlich in Schäftung eines Ausgleichsfonds für Stipendien in Einzelfällcn. Im Wintersemester 1928 29 standen 3000 M. im Ausgleichsfonds zur Verfügung. Tie Kommission besteht aus neun Mitgliedern, drei von der Zentralwohlfahrtsstelle, drei vom Wohlfahrtsausschuß des Preußischen Landesverbandes und drei aus Kreisen der Studentenschaft. >>) Großloge für Tcutschland, Berlin, Kleiststraße 10, gibt jährlich etwa 7000 M. für Studentenhilfe aus, und zwar für Stipendien, desgleichen größere Beihilfen an Organisationen. e) Verband jüdischer Studentenvereine in Tcutschland, Sitz Berlin, Artilleriestraße 6. unterstützt vorwiegend ostjüdische Studenten, und zwar seit einigen Jahren nur diejenigen, die in den letzten Semestern stehen und vor allem Eramengebühren benötigen. Im Wintersemester 1928 29 erhielten 95 Studenten Studien- und Eramengebühren, wofür 14 881 M. verausgabt wurden. Im Sommersemester 1929. wurden 74 Studenten mit einem Betrag von^505 M. unterstützt. Für das Wintersemester 1929 30 liegen etwa 65 Ge- - suche vor. Ter Verband unterhält in Berlin eine Studentcnspeisung, in der täglich 50 bis 60 Studenten speisen. (15 bis 20 erhalten Freitische.) Speiseeinrichtungen für Studenten bestehen an folgenden Orten: Berlin: Mensa academica judaica, Rosenthalerstr. 50, täglich etiva 220 Portionen & 75 bis 80 Pf., „Mensa" beim Verband jüdischer Studentenvereine, Artilleriestraße 6, etwa 60 Portionen täglich. In sämtlichen Küchen des Wohlfahrtsamts der Jüdischen Gemeinde Berlin, vgl. Führer durch die jüdische Wohlfahrtspflege, Seite 242. . Bonn a. Rh.: Mensa academica, Friedrichstraße 18, täglich 20 Portionen LL0 Pf., Ermäßigungen werden gewählt. Breslau: Jüdische Mittelstandsküchc, Freibeigtr , Straße 15, die auch Studenten dient. Erlangen: Mensa academica. I r a n k f u r t a. M.: Mensa academica, Kcttenhosweg 26. Friedberg i. H.: Mensa academica judaic-a^ Kaiierftraße 149, 16 Portionen täglich. Heidelberg: Mensa academica judaica, Bergheimer Straße 71, 30 Portionen täglich. Köln a. Rh.: Mensa der Jüdiselzen Studentenhilfe, >6 Portionen täglich ä 30 bis 85 Pf. Königsberg i. Pr.: Hachnossath Orchim (auch Stndentenspeisung), Klapperwiese 11, etwa 23 Studenten täglich. Preis 40 bzw. 60 Pf. Leipzig: Studentenhilfe und Mittelstandstisch vom Schlvestcrnbund der Leipzig-Loge, Nordstr. 15, 60 Portionen täglich. München: Rittersche Speiseanstalt, Klenzcstraßc 4, die auch Studenten dient. Frieda W. e i n r e i ch. Sächsische israelitische Lehrervereiaigung Am 23. März, vormittags 11 'Uhr, findet in der Leipziger Loge die Jahresversammlung statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Kassenbericht. 3. Wahl des Vertreters und Stellvertreters z»m Sächsischen israelitischen Gemcindeverband. 4. Referate: Ter hebräische Unterricht in der Religionsschule. Referent: Anschel, Tresden, Werczberger, Leipzig. 5. Sonstiges. Ter Vorsitzende. E m. H e i in a n n. Bevölkeruogspolitik M.ischchen in Tcutschland. Aus einer bevölkerungspolitischen Studie von M. Birnbaum (Orden Bne Britz vom Januar 1930) entnehmen wir folgende bemerkenswerten Feststellungen zur Frage der Mischehen: Tie Kurve der jüdischen Mischehen ist im Jahre 1927 wieder gestiegen. Tas ist jedoch, ebenso wie der Austritt aus der jüdischen Religionsgemeinschaft, kein jüdisches Spezifikum. Pro Tausend Berlin Preußen Deutschland der Bevölkerung äuden 1 Pro- |icfianten CsuSen Pro. kesiairterr jrcttotttt.i Mischehen 4.0 2,9 * 2,0 2,7 1,9 Austritte (nach Abzug der Uebertritte) .... 1,3 10.8 0.9 3.2 0,8 3ch Zusammen 5.3 13,9 3,8 5,2 3.5 5,4 Organisation Zwischen der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und der Hauptstelle für jüdische Wanderfürforge und Arbeitsnachweise ist durch Beschluß der Vorstände beider Organ, sationen vom 1. Januar 1930 an eine enge Arbeitsverbindung vereinbart worden. Tie Hauptstelle für jüdische Wan dcrfürsorge und Arbeitsnachweise hat ihre Geschäftsstelle eben falls nach Berlln-Charlottenburg 2, Kantstraße 158, verlegt. Aktion derdeutschen Juden für Erziehung und Arbeit. Tie Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, der Deutsch-Israelitische Gemeindebund und die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise haben sich zur Durchführung einer „Aktion der deutschen Juden für Erziehung und Arbeit" zusammengeschlossen.