Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 2 (2.1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Nr. 2 Leite 8 Genie indeblatt der Israelitischen Neligionsgeineinde Dresden Eduard Bernstein Steier jlbiitmitt uutrSe mit »iciiclniiitiuiig Ses Welt Berlaa-St •■»erlitt. Sem Sort eriditenen'en Buche: :UiiSoIf Stban, ...iiiSeti in 6er Setttfrtiett Politik". :ILi> Seiten, 1« ■JtilSmtelit, in i'lmuleincn 7 M.. entnommen. Ilittte tMtriiireliiiti-fliibe inr feine MitglieSer hat Ser »deine Bn-iS. ■J'erliit W 7.7. UcilIiiHitriiKe in II, tier«i11o«eetebelt.• eins elnl.tn Se-:- fnrtlidi aefcierteit stt. b'ednrtslaaes Berttneiits Siirften Siete $ii*fiibrnitaeit vettntSers intereitieren. Wr ,• oerweiien noch ant eilte Mitteilniia Ses »deine-BtinSes ,t t onSrer Stelle See Blattes. . " 3*. lileS. 'mi einet' füllen Tl raste im ..'^inu'iiidk’ii Viertel' Berli:'-: m beluiiilidi ’ fleiiu-r Wolmnng uuilmt der. nun fait achtzig läbrie.e uuiiiliin'dk' Tenker. dessen Namen strennd nt.dGegner mir mil a re st rer Bodiaditnilg nennen, ,strenndlid'. tair lier,’,Iirf’ Ikkiriint er den fremden Besucher, iästt sich gern von ili.n erzäblen und twzälüt ibnrbereitivillig von sich selbst, von 'einem reichen, aber oft iebr fdnveren ikeben. von seinen Begegnungen, st inen ,strennd'd'a'ten ^nnd and» von den jsteiiidschaiten. die ihm entgegengebracht worden sind, von seinen stdeen und. in ganz bestsieidenem Tone, von seinen Arbeiten, seinen rviftinuKii. 'einem Werk. Ter Mörver scheint die idiwere Tan der Satire zed'l demlidi zn verivüren der tsteifl aber ist 'risttr. sa>i Ingendlidi. ^wiid'eii boben Büdk'rtk'rgen sitzr er var einem begonnenen Mannsfrivt. Büdier füllen das Zimmer. bedecken die Wände und lassen fmim, Platz für •tnieie Bilder, für vbotogravbische Park rat-:- van Männern, die ilim im r'eben nabeslanden: tlst'arr. Engels. Bebel. Redits neben dem Arbeirsli'di bängt ein Bild, das den Besucher beionders intere'nert: ein Tavvelvorträt Bernsteins und Siantskns. das l'ier. in 'einem Arbeitszimmer. ansgenommen ist. Tieie beiden Männer, beute n ieder wie ebedem in brüderlicher l ',e nnnnng 'verbunden, baben üd' viele Satire bindnrd) heftig bekämv't ein'.Mamv'. der von Beinsteins Teite in jeder Pbaie nur mit 'ad'lidien'lstrüiideii. nur mit gvisfenschaftlichen Argnmenten mid stets mit veriölmlidk'r lsteile genibrt worden lvar. Tie'-e beiden Männer repräsentieren eine bedentia.ne Evod'e in der tste'dnelite der dentsdien Tozialdeniotraiie. die Evode der klnsel11ander' enn11ae,, über die 11mrrift:fdv Delire: >tanlsln. der Tiegelbewabrer des Marrismus, der lvis'en nPaitlidv Etvoneili der Parteitreue. die an der Toktrin des Meiiiers frteint u'itbit'Iti’ii; stand Bernstein in kämpferischer Alnvebriiellnng gegenüber. dem Revifionisten. der die Mari 'die Delire auf (strnnd seiner Erkenntnisse über den wirklidien Berlan' der lvirtstlxistlidien und volitistlsten Entwicklungen revidierte. ..Revi'ionismns'k" sttgt Bernstein „idi babe das" Wort nid't gevragt. Tdiönlank bat es I8llI zuerst ansge'vrod'en. std) babe 'midi allerdings and' nid't dagegen geivebrl. Und immer babe ick» midi als Martinen emvfn iden. wenn id' änch verlangte, das; der Tbeorie das .lied'k an' Wellerentwicklnng ztierkannt iverde." Tas lvar Eduard Bernsteins bisiaii'dv Nolle in der «ste stkückite der dent'den 'klrtreiterbeiveanng. das; er einem dogmaristchen Plienertnrn gegenüber. das den Blick narr mit eine vrovbe-zeite. in naber it erwartete Weltenivende geridilet batte, der Wirklickikeit wieder;nm Nedn verbolfen bat. Tast er die als 'alstli erkannten, dnrdi die Realität, dnrdi die Wirt'chaslsentwicklnng ividerleaien tkebriälze des n>ii.ü'mdwftlidien -Tozialismns einer Prüsnng unterzog und neue cbeore tüdle Td'lnstsolgernngeti zog. Ta konnte es natürlich nid't ansbleiben. dast er von den sirenttdlänbitien Marrislen der .Metzerei beidnildiat wurde, dast seinem tiefsten Leidlvese» andi mand'e veriönlid'e Bezieblinn dnrdi die sadüid'e (steaner >d>att litt, klber ivie iebr ibn dies immer schiner;en inodite — er liHir von der Bsabrbeit 'einer Erkenntnisse und von der '.ststnivendiakeii 'eines Weaes 'o nark überzeugt, dast ibn biettnntten des lstemüts nid't von ''einer >>iltnntt andrin.ie!l konilten. Und w wurde er der stübrer der dentsdien To;ialdemokratie in eine neue .seit, in die .seit vraktisdier Mir.vbeit am Ttaat. Eduard Bernslein in als siebentes »ind armer Eitern 'stin Bater war ikokomolivsübrer im Norden Berlins, in einer Ärbeikerivolmaeaend. neboren. „Wenn wir aber wäbrend meiner 'iinderjabre". io beriditete er. „aan; unter Niditjnden lebten, io wurde lnenien (stesdilvinern und mir die Tat sache, dast wir als Hilden einem nickit für voll geltenden Polksstainme anctebörten. dodi von unserer Umneblin^ osr aeniitt in »iiaiineuelniier Werse;um Bewnsttsein gebracht." Ter Ge^enlatz war allerdings dadnrcki gemildert, dast die ,Ta»iilie der sttesormgemeinde angebörte. die den Lonntag als Rnbetag 'eierte und keinerlei rituelle Bindungen gelten liest, „'dir Bernsteins seid gar keine riditigen Hilden" \ änsterten christ lidie Bekannte in woblwollendeni Linn. Ter lstottesdienst. die ganze kltmosvbäre der Reformgemeinde konnte keine Macht über das tstemüt des Mnaben gewinnen. „Tie iiiditjiii'i'dv U'dt erstknen mir als die normale, die jüdisdie al-o die nn normale Welt." To batte Bernstein keine grosten -vsem liliingen zu übenvinden, als er 1N77, unter dem Einfiust der .dirdzenanstrittsvrovaganda in der Lozialdeinpkratie, ans dem ^ndentnin anstrat. Er bat iidi jedoch stets ein starkes jüdisches blrtbeivnsttiein bewabrt: wälirend oi's Weltkriegs, kam 'r zur Uelierzengnng. dast de» ^nden, ans ibrer tstetchichte und ibrer besonderen Ltellnng innerbalb der Nationen, die kln'gäbe envadn'e. zivisdvn den Bölkern;n vermitteln^: wenn er and' den :sionisliins ablebnt. io bat er doch lebbastes. aktives 'Miterene am stüdisdien klinban Palästinas b'kündet, ist dem dentsdien Pi^o-Palästina->toinitee und dem s omitee jiir das arbeitende Palästina beigetreten und bat enge sviiblnng mit der zionististki-sozialiitisdien Partei Poale ,'-ion genommen. Aber er nebt dem :sivnismns nur woblivollend als fremder gegenüber. Teine Ltellnng bezeickmet er labin, ..dast idi zwar meiner klbsramiilniig von Hilden mir dewnstt bin und kein Bedürfnis in mir fühlt*, ne zu verdnlikeln. midi, wo Milden inii ibrer Äbslainmiing nüllen jiirückgeietzt lind, im kstegenteil iolidariidi mit ibnen fühle, das; idi midi aber nicht entsdlliesten kann, irgendeiner ivezisisdi jüdisdien Pervindn.ia beizntreten. sondern midi ioldien gegenüber, iveldvr klrt sie andi fein mögen . . . als einen fremden be.traditen würbe." „Es lebte nidits in mir. das mick> bätte veranlassen könne», bei der klus-ivabl meiner Hrennde einem Müden vor einem ihm sonn für midi gleidiivertigen Niditjnden den Borzug zu geben, iveil er 'Mlde fei." Und abistbliestend bekennt Bernstetn: „klls die Mndensrage beftigere formen annalnn. fab ick) in der iozialisliidien M»ternatjonale'die erlösende Madzt, die ne einist zur Rübe bringen iverde. An diesem tstedanken holte id) fest, er nebt mir über jeder Londerbeivegnng. oü>' >bit mit nn geteilter .Ztraff zu wirken ist mir nad) den Er'stilirnngen tiefes Weltkrieges erböbtes Bedürfnis." Mit Entsdnedenbeit ver nürft er aber and> die Assimilation, „ivenn ihr bloste Mied)' nnngstrtigerei zugrunde liegt". Ter junge Eduard Bernstein bat iidi, >vie die gesamte idealisri'd).' Mligend feiner :jeit, mit oener und «Tlantme dem deutschen Nalionalgedanken bingegebens Eine Erniiditernng trat ern ein. als im Mabre 187t der Tentsdimranzösiide »rieg nad) dem Tieg von Teda» und der Unterwerfung Navoleons i'od) iiidit beendet ivnrde. Als nun im 'Tktobrr dieses st ab res sübrende Tozialdemokrateii vor dem Brannsd)weiger .dnegs. gerid't lvegen ibrer. Tvpoülion gegen die Weiterfübrnng des strieges zu boben streilieitsistrasen verurteilt ivuideii, envadite in ihm die Tvmvatbie für diese Märt),rer. er befastte'nd) in der jzolgezeit mit den sozialislisdren stdeen, er befudne 1872 einen Bortrag Bebels, der gerade;iüai»meif mit Liebknecht lvegen angeblidier Porbereitnng des stsodwerrats zu zweijäbriger ,stestnngsbast vernrleilt„wordei, war. und trat im Anschlnst daran der Tozialdemokratie. der Bebel-Liebknecht fdien Riditnng. bei. :jnnäd)st lwriek der junge To'zialist in den Bann Engen Tübrings. denen „ttursus der Nationalökonomie zmd To.zialökonoinie" Ende l872 eridiieneii lvar. And) Tübrings Nanst'' Antneinitisinns konnte ibn nidit davor bewabren. Tie w.zialististbe Beivegnng. io meinte er. sei ninfassend genug, „einen 2>iarr und einen Tübring .zu gleidier jseit zu vertragen"- Bor allem sagte ihm die starke Betonung des liberalen Elements bei Tübring .zu. Erft als Tübring 1877' der Tozialdeniokratie den siamvf ansagte, ivnrde Bernstein stutzig, und als er idiliestlid) die Gegenschrift von Engels' gele'en batte, war-er znm überzeugten Marriften geworden. trStutrS Bernsteini ..Boi, den Autgal'ett der stitden tut We.'tlrieg", 101T. * st-riedricki Engels: „Tnhrtngs lliti>i'äl;itng der Wineliskiafl", 1878.