Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 1 (1.1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 1 Seite 9 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Greif nöd& der Welt, Habima Von Martin U n I> c i o» der Freude. Jhib es.VKiluitia »tln, das; es das 1h-Imin rin’ Theater gibt, mischt sich immer wieder der Scltmerz, das; es das hebräische Trama nicht gibt. Tabei begehen wir leicht den Irrtum, ,;» meine», das; es eigentlich doch zuerst ein Trama geben iniis;te, das anfgesiihrt werden will, und dann erst ein Theater, das es antsiilnt. . Tie Entlvicklnng des Trayiac, spricht dagegen. Nirgends in den großen Kulturen hat es mit dem Schreiben von Stücken angesangen. -jnerst gibt es das Theater,-nämlich die heilige Pantomime der Mysterien. Taneben. nnabliäugig davon, erwacht der improvisierte Tialon. etwa in der Totcnklage. die ursprünglich, ein (.Gespräch-des Lobredners mit einem wehrnscnden Chor ist. Beide verschmelzen miteinander: zunächst trägt man nur traditionell feststehende Wortfolgen, also erstarrte Improvisationen vor. aber diese ballen der litere.riiri'.eti Tisserenziernng bt*r Stoffe nicht stand: allmählich 'werden Sprecbtfrte in Auftrag gegeben, die „Schauspieler" lassen sich vom „Tichter" vorsagen, was ne ipreriien solle». Toch immer norit ist die Erijtenz des Tramas mit der einmaligen Anssiihrnng identisch!: deren Wiederholiliig bedeutet die entscheidende Revolution, damit erst beginnt sich das „dauernde" Trama gegen das „vergängliche" Theater ahznhcben, tunt erst gibt es eine > „dramatische Literatur". Tas Tbeater ruft das Trama hervor. Taß wir Inden eine ursprüngliche Begabung' rinn Theater also zur unmittelbaren leibliriten Tarstellnvg eines Borgestellten ‘ haben, ist unverkennbar, obgleich ivir ans der biblischen Aiktike nur vom improvisierten Tialog. »tritt von der Pantomime wissen (das hängt offenbar mit dem gainps der biblisäten Religion gegen den pantomimi'riten Baaisdienit znsammcn). Toß wir keine nrsprüngliclte Begabung;nm Trama haben, ist tvohl ebenso sicher. Man bat dies ans nnier mangelhaftes Objektivicrnngsvermögen znrückgesültrt. Es empsieblt sich, das weniger allgemein zu fassen. Wir besitzen vor allem nicht den großen Blick für das objektive (Gegeneinander der Kräfte und Arten in der Welt: für »ns »ins; immer einer Recht und ein andrer Unrecht haben. Iw Trama aber dort das Rechthaben ans: der ist io geartet und jener bat eine» entgegengesetzten Willen, der vertritt ein Wesensgesetz und jener vertritt ein diesem feindlicltes Wesensgesetz: man bringe sie in eine gemeinsame Situation und daS Trama in fertig. Weder hat Prometheus recht gegen ,'fens, noch aber. :jeus gegen Prometheus: Antigone hat nicht »»recht gegen Kreon, noch aber Kreon gegen Antigone: recht und unrecht hat Agi.memnon, hat Klytämnestra. bat Orestes. Und wenn wir Shakespeares Trauten nicht von einer Theorie ans. sondern änf ihre Wirklichkeit hin betrachten, merken wir. daß nicht einmal Macbeth und die Lady, nicht einmal Hamlets Mutter und Stiefvater, nicht einmal Lears Töchter „unrecht" haben. Sie alle sind zu sehr da, um unrecht zu haben. (Tiefer Sachverhalt ist zuerst durch die l.Lchnlötlteorie" verdunkelt n-orden, welche sich der rednerische Mensch, der mit den Ting.ui fertig wird, gegen den tragischen ausdachte, der erfährt, daß inan mit ihnen nicht fertig n-erden kann: auch Aeichylos kennt die Schuld, aber sie ist ihm Wesen nnd Schicksal, die Ptrion selber ist die Schuld:) Run steht cs aber nicht so, .daß wir uns alto einfach „ändern" müßten, um ein Trama zu bekommen: solch eine Aenderung iväre unmöglich aber sie lväre auch verkehrt. Tenn der Mangel, von dem ich sprach, hängt ja mit dem (Größten zusammen, was wir I«dcn besitzen: mit unserem Wilsen, daß das Gegeneinander der Kräfte.und Arten nicht bis ins Letzte reichen kann, daß es ein Rechthaben, ein Rechthabendes, einen Rechthabciiden gibt, daß Gott Recht hat, nnd mit unsrer Lehre, daß dieser Gott sich uns offenbart hat nnd ofsenbatt. ja auch in eben dein Gegeneinander offenbart. Tarnin verfallen wir so leicht in den fatalen Irrtum, daß nun wir selber das Recht hätten. Aber das Recht „wohnt" nur unter »ns, „inmitten unsrer Makel" (Lcviticus 16. 16) wir haben cs nicht« Und wir sind erst dann-»nahrhaft wir selbst, Israel, wenn wir auch das wissen. Tann aber haben wir auch eine Möglichkeit, deir „großen Blick" zu gewinnen, und zwar ans die uns znstehende Weite nicht durch Aenderung, sondern durch Erfüllung unseres Wesens. Wenn wir wahrhaftig wir selbst sind, brauchen wir nur noch eins, freilich ettvas Ungeheures, um ein Trama bnd zwar ein echtes .Hebräerdrama. Israelsdrama erzeugen zn tönnen: >vir müssen von da ans. von unserem tvabren Selbst ans. die Welt erfahren.witz sie ist, in ihrenliefen substantiellen (tti'flctiiä&cit' und Widersprüchen, die nicht mit den .Kategorien des Rechthabens und. Unrechthabens .;» überwinden sind - in ihrer Tramatik. Sol als wir selbst, haben nur die Welt »och nicht erfahren. Wenn nur es tun und wenn es u»4gelingt. unsre Erfahrung im Werk zn gestalten, dann wird, io glaube ich. unter Trama eins» Anhauch von etivas empfangen, ivas dem der Griechen nnd dem der Christen fehlen mußte:, dem der Griechen. weil sie das. Wissen um den Gott des Reritts nnö H-itu’i Offenbarung »tritt hatten: dem der Christen, tveil für sie Osfenl'arnng »nd Erlösung zntainmensall.ui. die Erlösung geschehen äst nnd es alto;tvei Wetten gibt, die erlöste, in der kein (Gegensatz' und Widerspruch.' alto keine Tramatik mehr bestellt, und die »»erlöste: die hinter Gottes Riicken dio ans nicltts als Gegensatz nnd Widenpriirit besteht. Wenn wir einst ein eclttes Trama haben iverden. wird es jenes Bwrt von. dem t^ott, der .inmitten ihrer Makel wohnt", an der ganzen Wirklicktkeik des Lebens vergegenwärtigen. Tai um rate iclt -Habima. Zimmer entiritiedener ans dem Partiknlarismus ihres Stofikreites zu treten und nicht bloß meine Irennde Beer-ädosman» und .Heimann. sondern auch Aeirittzlos nnd Sophokles. Shakespeare und Calderon lnickä gerade die Bibelttofse). Scltiller »nd .Kleist zu spielen. Tenn es gilt, dem Inden feiner Spraclte. alio in seine Iorm ein geformt, das Trama der Weltliteratur und darin ansge sprachen die Tramatik der Wetteristenz zu zeigen, um ans ihm. dem Juden, heransznltolen. nxis er dazuzntun hat. die Berktindignng der Sriteritina. littd das Tbeater ruft das Trama hervor. . . u «oA , Sic Vcflt" s..t Vcr\-'"?c0.’V\ iW..- S*- />