Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 10 (10.1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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SentinttUatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden <Ui»»lii»i»i»i»rilii»i»»»ii»iii»»l»»l»«i»»»i^ Amtliches Organ des Gemeindevorstandes «ad Mitteilungsblatt des SälWAen ijraelttticken GemeindeverbanbeS Verantwort!. Schi Alleinige Annadli iftleitnug: Btlrodirektor L-Vloemachrr, Dresden-Verlag: Israelitische Rchgionsgemrinde Dresden-Druck: Kaden S Eomp., Drcsden-A. »estelle für Inserate: Zar. Sternlicht. Zeugbansstraße 3,1. Telebbon 14051 - Die 29-mm-Ronbareillereile tostet 30 Ps.. lonfend Rabatt 5. Jahrgang [UJ Dresden, Oktober 1929 NmynierlO Grutz der Feiertage Ein alter Lehrer sagt: „Wer den Legen spricht über einen vollen Becher, dem wird ein Erbe zuteil, ohne Aegypten." Lebensbejahung und Lebensfreude sind lies im Judentum verankert. Wie der Wille zum Loben und die Arbeit für das Leben im Sinne des Judentums eine religiöse und sittliche Pflicht bedeutet, so ist auch Freude ein Gebot des Judentums. „Ihr sollt euch freuen an euren Festen", lehn wir im Schriitworte der letzten Feiertage, die wir im Monat Tischri festlich begehen. Dieses Fest trägt geradezu den Namen „Zeit unsrer Freude". Am Ansgang des Jaum Hakipurim rust nach einem alten jüdischen Wort eine Himmelsstimme den geläuterten Menschen zu: „Geh, iß in Freuden dein Brot und trinke frohen Herzens deinen Wein." Schwere, kaum tragbare Not ist unser,» Geschlecht ausgebürdet. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend muß der Mensch angespannt tätig sein, um den Erfordernissen des Lebens gerecht zu werden. Arbeit wird fast zum einzigen Lebensinhalt der Menschen unsrer Tage. Ter Mensch wird zur Maschine, echtes Menschentum ist in Gefahr, zu schwinden. So sehr ist die Arbeit zum Selbstzweck geworden, daß Sabbat und Feiertage als lästige Pflicht erscheinen, als Störung der Arbeit. Und doch sollen sie Höhepunkte des Lebens sein, auf die man sich freut, die den Sinn der Arbeit ausmachcn, so wie der Wanderer dem Gipfel des Berges zustrebt, um dort zu rasten, Rückschau und Ausschau zu halten, froh ist des Zieles, das er erreicht hat. Das ist der Sinn jenes Wortes der Weisen, daß man den Segen sprechen soll über einen vollen Becher. Wir sollen einmal haltmachen in der Arbeit, uns freuen dessen, was wir erreicht haben, mit Tank hintreten vor den Schöpfer des Alls und nicht kargen bei Imjrer Festesfeier. 1 Rosch Haschonoh! Ein Jahr ist zu Ende, eine kurze Spanne Zeit, und doch voll Leid und Freude, voll Lust und voll Sorge, voll vergeblichen Mühens für den cjncn, von Erfolg gekrönt für den andern. Ein Ziel und Ruhepunkt ist das Fest, an dem wir zurückschauen auf das Vergangene, voll Hoffnung vorwärtsblicken in die Zukunft. Aller Erfolg des Lebens wird zum wahren Erfolg nur durch die Stimmung unsrer Seele. Wer da spricht: „Diel größer hätte mein Erfolg sein können", der spricht den Segen über einen ungefüllten Becher. Er bringt sich um die Freude an seiner Arbeit. Wer ' mit Zweifel und Mißtrauen an die Zukunft denkt, betrügt sich um seine Hoffnung und dayiit um den Erfolg des Lebens. Gewiß, Rosch Hdschonoh und Jaum Hakipurim sind reckst eigentlich Tage der Besinnung. Wir haben ein Recht, ja die Pflicht, au diesen sTagen nachzudenkcn über den Sinn des Lebens, über die Stellung, die wir im Leben und zum Leben gefunden l aben. Rosch Haschonoh und. Jaum Hakipurim mit ihrem Ernte und ihrer Mahnung zur Selbstbesinnung werden vielleicht tariim vpn den Menschen unsrer Tage als die höchste» F 'icrtage gewertet und begangen, weil sie der Problemhaftigleit des Lebens am nächsten kommen. Eine Fülle von Frage >. die unbeantwortet bleiben, stürmt auf den Menschen ün unsrer Zeit ein. Ter einzelne sucht oft vergeblich nach dem fechten Weg füsr sich und die Gesamtheit, in der der einzelne! verwurzelt ist- und in der er seine Ruhe und Sickserheit finden soll, fragt erst reckst nach ihrem Ziele und nach ihrem rechten Wegen Toch der tieistc Sinn auch dieser Tage ist nickst die Frage, nicht dass Suchen, sondern das Finden und die Antwort. Win sollen zü einem Ja dem Leben gegenüber kommeu. Wer im Gstteshauss:, in der Gemeinde sich eins fühlt mit der Gesamthei:, wer in seinem .Hause des Glückes der Familie sich freut, wer losgelöst von den Sorgen des Alltags Festtagsstimmung sin sich eiyzichen fühlt, der lernt die Problemhaftigfeit des Lebens üherwinden. ja der hat rechte Freude und rechtes Gluck gefunden.' Aber Ausdruck solcher lrohen und sicheren Sselenstimifiung ist weit mehr noch als diese ernsten Tage, die! doch immer Tage der Vorbereitung bleiben, das Sukkausfest, als dessen Vorboten die Engel am Ausgang des Jaum .Hastpurim lins jenen Spruch, der Weilen zuruien: „Geh. iß n Freuden dein Brot und trinke frohen Herzens deinen Wein." Es sst ein halbes, wenn >vir als Feste pur die Tage! feiern, die uns an den Ernst des Lebens gemahnen. Tann ist, Religion 1 in unserem .Herzen, die uns Erhebung und Beglückung gewährt, wenn wir nns aufschwingen tvnniin zu einem wahren Feiertag der Freude, wenn wir (staben der Natur itzs Gotteshaus bringen, vn ihrem Anblick uns erfreu:», wenn wir in der traulichen Hütte des göttlickien Schutzes und des göttlichen Segens froh werden. Z»r Umkehr, zur Besinnung mahnt uns der ernste Ruf der erhöbe um Tage, die da kommen. Doch auch den frohen Gruß der Feste wollen nur vernehmen und ihn erwidern in unserem Herzen. Tenn nur wer aus vollem Herzen und mit ganzer Ser le den Segen' spricht, nur der wird des Segens der Feiertage teilhastig, dem bringen sic Leben »nd^usricdenhcit, Bcglückunk und Frsude. . W- Automobil - Reparaturwerkstatt and -Vertrieb Dr. Hans Gerhardt Dresden «A^ Wiener Platz 5 (gegenüber dem H&uptbahnhof) Fernruf: 17197 Reparaturen an Wagen aller Systeme SpezIalneiKslatt fttr Chevrolet» und Citroen«Wagen Gebetzeiten für die Festtag^ siehe Seite 11