Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1929-09-01 · 9 (9.1929) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
5 (1929)
Issue
9 (9.1929)
Date
1929-09-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/4892693-5739394-5769871--1305-4893916
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 9 iemeindeblatt der Israelitisch en Religionsgemeinde Dresden Seite 9 Jerusalem über religiöse Mockht ~ 'i'cm M i) s i! m M (> n d e — —Ich habe mir die Begriffe von Staat und Religion/ von ihren Grenzen und wechselweise»! Einfluß I aufeinander sowohl, als auf die Glückseligkeit des bürgerlichen Lebens durch folgende Betrachtungen deutlich zu machen ge jucht. Sobald der Mensch zur Erkenntnis kommt, daß er außerhalb der Gesellschaft so wenig die Pflichten gegen sich selbst und gegen den Urheber seines Daseins, als die Pflichten gegen seinen Nächsten erfüllen und also ohne Gefühl seines Elends nichts länger in seinem einsamen Zustande bleiben kann: so ist er verbunden, denselben zu verlassen, mit seinesgleichen in Gesellschaft zu treten, um dnrch gegenseitige Hilfe ihre Bedürfnisse zu befriedigen und durch gemeinsame Bor kehrungen ihr gemeinsames Beste zu befördern.. Ihr gemein sames Beste aber begreift das Gegenwärtige sowohl als das Zukünftige, das Geistige sowohl als das Irdische in sich. Eins ist von dem andern unzcrtrennlich. Ohne Erfüllung unsrer Obliegenheiten ist für uns iveder hier noch da, weder auf Erden noch im Himmel, ein Glück zu erwarten. Nun gehört zur währen Erfüllung unsrer Pflichten zweierlei: Handlung und G e s i n n u n g. Durch die Handlung geschieht das, waS die Pflicht erfordert und die Gesinnung macht, daß es aus der lvahren Ouelle koinrne, d. i. ans echten BewegnngSgründen geschehe. Also .Handlungen und Gesinnungen gehören zur Bollkommenheit des Menschen und die Gesellschaft hat soviel als möglich durch gemeinschaftliche Bemühungen für beides zu sorgen, d. i. die .Handlungen der Mitglieder zum gemeinschaftlichen Besten zu lenken und Gesinnungen zu veranlassen, die zu diesen Handlniigcn führen. Jenes ist die Negierung, dieses die Erziehung des geselligen Menschen. Zu beiden wird der Mensch durch G r ü n d o geleitet. Tie Gründe, die den Menschen zu vernünftigen .Handlungen und Gesinnungen leiten, beruhen teils ans Verhältnissen der Menschen zueinander, teils auf Verhältnissen der Menschen gegen ihren Urheber und Erhalter. Der Mensch kann ohne Wohltun nicht glücklich->jein, nicht ohne leidendes^ aber ebensowenig ohne t ä t i g e^S Wobltmi. Er kann nicht anders als durch gegenseitigen Beistand, durch Wechsel von Dienst und Gegendienst, diirch tätige und leidende Verbindung mit seinem Nebenmenschen vollkommen werden. Wenn also der Mensch Güter besitzt oder Mittel zur Glückseligkeit in scineni Vermögen hat. die er entbehren kann, d. i. die nicht notwendig zu seinem Dasein erforderlich sind und zu seinem Bessersein dienen, so ist er verpflichtet, solche zum Teil zum Besten seines Nebenmenschen, zum Wohlwollen anzuwenden; denn Bessersein ist von Wohlwollen unzertrennlich. -- Nach den Begriffen des wahren Judentums sind alle Bewohner, der Erde zur Glückseligkeit berufen und die Mittel derselben so ausgebreitet, als die Menschheit selbst, so inilde ansgespendet als die Mittel, sich deS Hungers und andrer * AuS Mösts Mendelssohns Schriften zur Philosophie, Slejihetik und Apologetik. Herausgegeben von/Lr. M. Brasch, Band 2 2.372. und 1 s s o li n Natur lassen, bedien: mang' dort dnrch nehm wandelt die Vl lassen sich se bet rachit' Wi i Judenpi niinftl gewiesP auSge seine Horchei er zur Zeugn feit der "isse i wahrhe denklick i'edürfniss': zu erwehren. Hier der rdhen Natur über die ihres.straft innerlich empfindet und sich derselben , ohne sich in Wort und Bortrag anders als chöchsl eslhaft und gleichsam stammelnd auslafjen zu können: durch Wissenschaft und Lunsl unterstützt, hellglänzend lporte, Bilder und Gleichnisse, durch welche die Wahr nngen des llui' Gesetze nicht nicht nimmt zeugun setzes geeichtest den G traue heiteil f e n n c tum keil Niemai Glaube Glan sie naä halten. Religioh sätzen e gibt, so aus we zufällig^, mils ei gute danken geschmi Judentum* Sinnes in deutliche Zeichenerkenntnis ver und ausgestellt werden. Sooft es nützlich war, hat rschnng unter jeder Nation weise Männer aufstehen und ihnen die Gabe verliehen, mit hellerm Angers» lsbft und im. sich her zu schauen, die Werke Gottes zu en und ihre Erkenntnisfis andrer mitfuteilen. — ider und außerordentliche Zeichen sind nach dem um keine Beweismittel für oder gegen e iv i g e Ber üahrheiteir. Daher find .wir jiv der Schrift selbst an 'i ii, wenn! ein Prophet Dinge lehrt oder anrät, die ihachten Wahrheiten zuwider sind, und wenn er auch rendung idnrch Wunder bekräftigt, ihm nicht zu ge : ja, den ^Wundertäter zum Tode zu vernrtcilen, wenn Abgötterch verleiten will. Denn Wunder können nur ijse bewahren. Aistoritäten nnterstütze». Glanbhaftig i Zengen sind lleberlieferer bekräftigen: aber alle Zengind Antoijitäten können keine ausgemachte Bernnnft :it nnistosten, keine zweifelhafte über Zweifel und Beifeit himpegsetzen. . .?r allen Forschriften und Berordnnngen des mosaischen lautet 'fein einziges: du soll st glauben oder glaub e ii, sondern alle heißen: du f o l l st t » n oder tun! Dem Glauben wird nicht befohlen: denn der keine andern Befehle an-.-als die den Weg der lieben 1 zu ihm! kommen. Alle Befehle des göttlichen WiL ssnd an den Willen, an He Tatkraft der Mensche» Ja, das Wort'in der Grundsprache, L>aS man durch a u b c ns zu übersetzen pflegt, heißt eigentlich B e r n, Zuversicht. Wo,von ewigen Bernnnftwahr die Rede ist. höißt es nicht glauben, sondern e r i s s e ns — Daher hat auch das. alte I n und w i Inden le siimbolifchen Bücher, keine (Glaube n s a r t i k e l. d durste isartikel :hmbbla i.i beschwören. niemand ward am sbeeidigk: ja wir haben von dem, waS man i e n s e i d e nensit, ggr feinen Begriff und müssen dem Geiste des echten Jndcntnms für nnstatthait M a i m!o n i d eis kam zuerst auf den (Gedanken, die seiner Väter auf eine gewisse Anzahl von Grund inzuschränken, daistst die Religion, wie er zu verstehen wie alle Wissenschaften, ihre Grundbegriffe haben, chen alleä übrige hergeleitet wird. Aus diesem bloß „in Gedanken find die 13 Artikel des jüdischen KatechiSilstanden, denen imr das Morgenlied Jstchal und einige hriften von Ehcjsdai, Alba und Abarbanel zu ver stiben. Zn Glanjbensfesie eitet worden.-1sfeiieln sind sie gottlob noch nickst fernsprecfrAnlanen jedes Systems Vollautomatische Anlagen, neihensi:haItungs-Anliigen Glühlampen-Zenfralen, Haustelephon-Anlagen ln höchster Vollendung In Kauf Dresdner Priva(-Te Fernspr.-Satnmel-Nr. 25631 Auskünfte und Ingenieurbesuche kosten und Mitte führen aus n-üeieill chaft I6D-A.1 Wilsdruffer Strafte 15 * I os und unverbindlich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.