Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 9 (9.1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 9 -r- (8 emeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Seite 9 IVO Jahre <M rndelsfohnverein 1)129, des Am 10. September Moses Mendelssohns, des deutschen Judentums Dresdner Israelitischen eines Vereins zusammei der Aufklärung benannt heißt (sie ist an andch öffentlicher »Die von Bahn der verfolgend, sowie jede » tischen Ingen! Besinnungen verbreiten be, zur Feier des 100. Geburtstage i i Vorkämpfers für die Emanzipation schlossen sich würdige Männer de: Religionsgemeinde zur Gründung der nach dem großen Philosophen ist, wie es in der Stistnngsurkund! r Stelle dieser Festnummer ver dem Bc ri unsterblichen Mendelssohn begonnen breitung von Kultur und Humanitält andwerke, Künste und Wissenschaften übliche'-Tätigkeit bei der hiesigen israeli zu befördern und überhaupt verbessert: über Israeliten und Jsraclitenthum zu;( weckt." Vor hundert Jahrei „nützliche Tätigkeit" jui Juden, die bereit sind, s zuwenden. Im September 192! düng, suchen zahlreiche j sohnverein so zahlreich. also sucht der Mendclssohuvereii ger Jude» zu fördern, sucht jung, ch einer nützlichen Beschäftigung zu hundert Jahre nach seiner Grün »ge jüdische Menschen den Mendels daß er nicht mehr allen Wünschen allen Gesuchen gerecht Werden kann. Ein Jahrhundert M irdelSsohnvercin, ein Stück jüdische! Entwicklung, ans die wir stolz feit die Gesd lichte des Mendclssohnvcreins cir in der Epronik der Dresdner Jsraelitischei deren Schoß der Mendclssohnvereiii ii Kulturgeschichte, können, weil Ruhmesblatt Religionsgcmeindc ist erstanden ist. Erziehung der Vereinsgründung. Gant; dächtnis durch die Zieh sollte. Erziehung zu ni verbesserte Gesinnungen zn verbreiten. Beides Juden, das war der Sinn der im Sinne des Weisen, dessen Ge des Vereins hochgehalten "werden tzlicher Tätigkeit. Dann aber auch über Israeliten und Jsraelitentum tat der Mendelssohnverein gehalten Man kann von der Tätigkeit des Mciidclssohnvereins nicht sprechen, ohne eines Mannes zn gedenken, der zu seinen r durch sein Wirken den Geist dieser und repräsentierte: Bernhard aus den alten Akten und Berichten geistige Potenz im Kreise der ersten (Gründern gehörte und d Vereinigung verkörperte Beer, zweifellos — wi bervortritt — die stärkste Schirmherren des Vereins — es waren außer ihm noch Elias Philipp M e y c r, Jsaac i in o » * dafür, daß, wie es in den ersten irftigen Knaben die Mittel zur Er erbszweige, freier und technischer Künste, auch der Wissen chasten" beschafft wurden, er wachte darüber, daß die bis z un Jahre 1838 außerordentlich er schwerten Verhandliingeu mit christlichen Handwerkern, die jüdische Lehrlinge aufnenncn sollten, nicht ins Stocken ge E o l l i n . Löw Meyer s o » —, sorgte nicht mjr Statuten hieß, .chilfsbed lcrnung nützlicher Em rieten, er war auch ans die sittlich-religiöse Ausbildung der Knaben bedacht, für dere i bürgerliches Fortkommen der Ver Auf seine Anregung veranstaltete Februar 1833 die erste Kon- Lchie-Synagoge in der Webcrgasse den Religionsunterricht zur Vor- »ig. 1830 wurde» religiöse Vorträge ein zp sorgen bestrebt was. der Mendelssohnverein firmation in der Mende und machte von da an bedingung der Unterstütz für Lehrlinge eingeführt!. „Verbesserte Gesinnt» gen über Israeliten und Israeliten tluim zu verbreiten", auch für diese Aufgabe des Vereins bat Bernhard Beer sich mit fdiiter ganzen Persönlichkeit eingesetzt: 1833 erschien die von imn verfaßte vom Mendelssohnverein überreichte Eingabe „Vorstellung der israelitischen Gemeinde zu Dresden an die Erste Kammer der S t ä n d e v e r sa m m l u n g" mit einem Vorlvort des mit Beer befreundeten Leipziger Professor? Krug, des Vertreters der Universität in der Ersten Sächsischen Kammer, 1836 die gleichfalls von Beer verfaßte und vom Mendelssohnverein überreichte „V o r st e l l u n g a n die hohe Ständeversamm lü ng des Königreichs Sachsen, die baldige Vorlegung des Gesetzes zur Verbesserung der bürgerlichen Verhältnisse der Israeliten betreffend". Der Gemeindevorstand schloß sich 1837 mit einer Vorstellung Bon I)r. |*co Fiintl ( | "an, die Verwaltung des Mendelssohiivereius aber überreichte »och int selben Jahre eine wieder von Bernhard Beer verfaßte Denkschrift „Betrachtungen über den (Gesetzentwurf einige M o d i f i c a t i o n c n in bei, bürgerlichen V e r hä l t n i s s e u der Juden in Sachsen betreffend" der Zweiten Kammer. Es ist bekannt, daß der nachmalige König, damals Prinz Johann — dessen Standbild jetzt vor der Dresdner Staatsoper-errichtet ist —, bei der Beratung dieses Antrags i» der Kammer j die denkwürdigen Worte sprach, es tue ihm leid, daß in dem Lande, in dem er lebe. Einwohner »och um Gleichstellung bitten müßten. „Einwohner noch um Gleichstellung bitte» müßten." . . . Der junge - Bernhard Beer hatte es »och erlebt, daß die jüdischen Einwohner Dresdens sich mit einem Paß versehen mußten, so ofFsie die. Stadt, wtnn auch nur auf ganz kurze Zeit, verlassen,wollten. Daß cs Juden verboten war. gewisse - Plätze und Gebäude der Stadt, wie das königliche Palais, den Zwinger usiv., zu betreten.. Daß auf der Brühlsche» Terrasse eine .Tafel verkündete: „Juden, Bettlern »nd Hunden ist der Eintritt verboten." Erwägt man all das, so kann man das Verdienst Bernhard Bcers »nd des Mendelssohiivereius erst in seiner ganzen Größe würdigen. Man vergesse auch nicht, daß Beer und der Mendelssobnverein' es waren, denen es gelang, Gesetze anfzubcben, die den Juden das Wohnrecht in den Vorstädten Dresdens und in der Reustadt untersagte. Bis dahin bedurften die Juden-ärztlicher Zeugnisse und behördlicher Genehmigung, um dort nur im Soiymer veriveilcn zu können!' Und liest man davon in alte» Jahresberichten oder in dem reizvollen Kapitel ans Emil Lehmanns Gcsanimelten Schriften „E i n H a I b j a h r lj u » d e r t i » der israelitischen Religion s g e yi e i » d e i u DreSde n" und dann wieder,-daß die Mitglieder des sächsischen Königshauses in den Mendelsjobnverein eintreten oder" daß die Staatsministcr v. Lindenan, Dr. Müller, (heh.RatDr. Hänel^ Professor Tr. Krug «dessen Jiidenfrcundlichkcit ilmi den Lpottnamen „König der .Juden" cintrugl, Kammer Präsident v. Gersdorff. alle den Verein unterstützten, so ermißt man, was Beer und der Verein geleistet haben, um in des Wortes ivabrster Bedeutiuig „verbeiserteIilesiiinuugeu" über Juden und Judentuni zu verbreiten *. Aus der Liste der Ehrenmitglieder des'Vereins sei der französische .Politiker und Justizminister Adolphe Erömi^eur erwähnt, der 1808 ernannt Ivurde. > Seinen humanitären Bestrebuispen diente der Verein auch durch Veranstaltungen von öffentlichen wissenschaftlicheu Vor trägen. So sprach Dberrabbiuer Dr. Landau über Mendels- .sohn, Emil Lehmann über Lcssing. Alpbonje Levn über 'Rousseau. ' ' ' j Man m»ß bedauern, daß die ö f f e u t hi ch e » Lelir vorträgc des Vereins nicht mehr -stattfinden.. Zunächst um der Vorträge willen: denn wir haben in der Dresdner jüdischen Gemeinde heute so gut wie gar keine Möglichkeit der öffentlichen Belehrung, da alle Vorträge nur iuiicrhalb der zahlreichen Vereine und Parteien, also gewisierinaßeu nur . privat, gehalten werden und höchst selten aus neutraler Baus, für alle Geinetudemitglieder zugänglich. stattfinden. Dann aber auch, weil der Meiidelssohiivereiu im Gemeindelebeu;» sehr znrücktritt. Erst eines Juhiläuins bedarf es. um den Geincindemitgliedcrn und der breiten Lenentlichkeit feirtp Be dcntung ins Gedächtnis zuriickzunifcn. Es ist gewiß ein Per dienst, in der Stille zu Ivirkcu, otme von sich reden znmache», - i ' Als Kuriosum sei erwähnt. das; von jiidenseindlickier Seite die Arbeit des Vereins durch eine Petition an den Laiidtag im Fakire 1S34 zu stören versucht wurde. Es hieß darin: ..Ter Mendelssohn vercin hat mit zwei Schuhniachermeisterii Eontraeie ckb^cschlossen, um zwei israelitische Lehrlinge anf-udingen. Tie Tendenz des Mendelssohnvereins, hierdurch den Schuh» und Leder- Han d e j an sich zu ziehen, ist in einer Vorstellung, welche von Seiten der Schuhmacherinnnng bei E. E. Roth eingereicht ist, auseinandergesetzt." Auch sonst wurden christliche Meister, die jüdische Lehrlinge einstellten, von ihren Zunflgenossen angcseindet. Der Mendelssohnvcrein trug nach llträstcn zur Besserung dieser Zustände bei.