Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 9 (9.1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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der Israelitischen Relichonsgemeinde Dresden <A!»»»i»»»i»»»'»»»»»»»iiil»»»»»»»i»»»u>is> Amtliches Organ dc Vrrantwortl. Echriftlcitung: BÜrodircktor L- Plocmachrr, Dresden-Vrrlag Alleinige Annahmestelle für Inserate: Iac. Sternlicht. Zenghaosstrahc 3, 1 s Gemeindevorstandes : Israelitische Religionsgcmcinde Dresden -Druck: Kaden L6omp-, Dresden-A. - Telephon 14051 Die 29-mm-Ronparcillejcile tostet 30 Pf., lausend Rabatt 5. Jahrgang Dresden, September 1929 Nummer 9 Hermann Hettner über Moses Mendelssohn Ein Kapitel deutscher Kulturgeschichte Po» ('Wh. :'i'nt l)p\ I'C I i \ Bnnili Aus Anlas; der ^Mijölititliui Wiederkeli^. des ('iduutvtiiiv: Moses Mcndelssvlnis, zn dessen Erinnernng vor 100 fahren der Meiidelosolniverei» ins Trelde» gegründet wurde, ivird inanciier Leser dieser Ieslynrniner den Wunsch linde», Uder Moses Mendelssolm und sh ine Stellung innerdnld der dent scheu liseistcsledens des!>., Indrdnuderts sich eingeliender;u unterrichte». Allen, diesen, kn»» ich ans das ivärinste° einv sehlen, darüber in Heringjnn Hettners „(Geschichte der dent s ch ni Literatuk d e s 1 di. I a d r l> n n d c r t s nachzulesen. in der iiu zweite», „I ns Zeitalter Friedrichs des 0! r och e n" iiderschriedenen Buche ei» gros;es, inhaltsreiches »apjtet diese,» (tiegenstandc gewidmet . ist. Ich wenigslens greise, wenn ich über Irage» des geistigen Redens des IN. Jahrhunderts etwas nachschlagen will, in erster ^inie;,» dein, genannte», vor etwa 00 Iadren erschienenen Werke und ertzluke ein ersrenliches Zeichen sciner allgeineinen Wertschätzung in der Tatsache, das; dasselbe im Jahre I!»2<> im Verlage Iriedr. V ie w e g n. 2 o 1) n,'Jl.K't.. in Vraiinschweig ig 7. 'JlnfK dem vor wcnigen Wochen in Leipzig eine von dem di sitätsprosessor Tr. lsjeorg ge beraiisgegeben, und das; ans;er in dem Verlage von Paul L i sl rtigen Literatnrltistoriker Univei itkowski bearbeitete und mit wertvollen Anmerkungen vcsrsehene neue Ausgabe dieses Wer les erschienen ist. Hermann Hettner, der b als Miisenmsdirektor und geschichte an der Akademie Pollitechiiikiim in Tresdi als ausgezeichneter.Kenner insbesondere des 18. Iährl behandelt an der erwähnter Popnlarphilosophie. Tiefe und Mendelssohn um die im Anschlüsse au die Leibi die englischen Freidenker, in sranzösischen Ansklärnngsph Voltaires und der auch s zu seinem Tode im Jahre l»2 zugleich als Professor der Ziiinsl der bildenden Ztünste und am n wirkte und schon bei Lebzeiten )er Literatur- »nd Kunstgeschichte iindcrts, höchstes Ansehen genos;. stelle seines Buches die deutsche erblühte unter Lessing. Micolai;eit des 2iebenjähri;zen Krieges iz-Wolffsche Pbikvsoplne und an einem gewissen (Gegensätze zu der losoplne, die nntei' dem lginslnsse i nrch Friedrich den ('fragen ver mals noch vorberrschte. die für unser heutiges T tung verloren bat. war doch hervor — grundlegend für und war der Wegbahner Schillers. Von dem Manne, der ur ..Moses Mendelssohn ist * Ich zitiere nach der in Auflage vom Jahre 1872. tretenen religiösen Ireigeisl erei in der vornebinen Welt dadie deutsche Popularvhilosopbie. nken allerdings jegliche Beden i — und das bebt Hettner klär die deutsche Bildung jener Zeit für das Zeitalter (sloethes und s -hier interessiert, sagt Hcttner'; unter den deutschen Popularphilosophen unbedingt der bedeutendste. Tie (»eschichte der Philosophie, die sich meist auf die Aufgabe beschränkt, nur eine Schilderung der hervorragendsten philose»'hischen shsteme zu sein, mag ein ohn flüchtig vorüberzugeken; die (tulturgeschichte, die vornehm ich die :>iüctwirkung der Philosophie auf die sitte und. Tenkarl der allgemeinen Polksbildung beneinem Besitze befindlichen zweiten lrachiei, ehrt und seien in ihm einen der eiiislnhreichsie» Träger und Porkämpser der deiiischen Anfklärnngl gm schweren >ta,nps hnl sich.Mei>t->.!»-iolm seine geschichtliche Stellung erobern müssen;'seine Engend balle nicht bloi; an Ao> »nd Armut zn leiden, ngch verbängnie-voller laiieie auf ihr die staailiche -und iinliche Erniedrigung »nd Perkoninienheii,"linier der damals noch immer die . deutschen Inden schmachteten. Mendelssolm lies; sich durch dieses tragische ir>eichi>t nicht bongen; nur »ui so kräftiger erivachle in ihm das Perlangen, tätig mit znn'irken für die Befreiung der Menschbeil. Er war am ti. September >72» in Teiiau geboren; sein Paier war Schreiber der Tborarotlen und Lehrer an der jüdischen schule. Mit stannenerre,render Jrühreise'euiivpckelte sich oer be gable »nabe; und der Pater überheizte ibn dergeiiali, aas; ein siecher Zlörper und ein gelriinimtes .ilückgrai die nächsten iränrigen folgen waren. Mendelssobns erste Anregung zu' selbständigem Tente» ioar neben Bibel und Talmud die Mittelalter liche inlaubensphilosophie des spanische» Juden Maiinonidhs; ans ihr bat er wabrscheinlich die Forderung jener innere» Einbeil von vilauben und Wissen, Einpsinöen »nd Erkenne.» gezogen, die, wenn auch später unendlich verlieft, für imniei^die Eirund ricknnng seines Wesens geblieben ist. Im Jahre >7 bi führte seiii Wissenslrieb den vierzehnjährigen schivächlichen und verwachsenen Jndenknaben nach Berlin, wohin sein erster beis^reliebter Lehrer. :>!abbi Jränkel, wenige Monate zuvor als Lberrabbiner berufen iiuu. Ein spärlicher Lohn für das '.'»'schreiben eines hebräischen Talmildkommeniars, einige J-reiusche und eine kleine unentgeltliche Tachkammer waren viele Jahre hindurch seine einzigen Ilnterhaltsmittel; er selbst bat - vgl. Moses Mendelssohns gesam melle Schriften. >>>:!. Band I s. später den seinigeir er zählt, das; er oft ans seinem Brot den Teil mit strichen be zeichnete, den er an einem Tage enen durfte, um Seit andern Tag nicht hungern zu müssen. Aber emsig studierte er weiter; und bald durchbrach er. keck Sie schranke, mit der die Starrheit und Engherzigkeit jüdischer Aechrgläubigkeit die'Juden vor jeder Berührung mit christlicher Tenkweise und Bildung ängstlich ab schlos;'. Wir inünen die 'nrknndliche Tatsache t>eachten, das; noch im Jahre I7b> die jüdische täemeinde in Berlin einen armen Jndenknaben erlmrmungslos an» der sladl wies, blog iveil er in fremdem Auftrag ein deutsches Buch über die strage getragen Hane, um iil vollem Magedie ttzeistesfreiheit und Ebaraklerstärte zu würdigen, die dazu gehörte, dag Mendelssohn schon so inng, allen te>efahren trotzend, denlsche Bücher zu lesen und deutsch schreiben zn lernen ivagie. Aievlgi berichtet in den Anmerkungen z» Mendelssohns Briefwechsel mit Lesfing ,ebend. Band ä s. —'Hl., dag das erste philosophische deutsche Buch; das Mendelssohn las, Aeinbecks Betrachtungen über die Augsbnrgische »onsession waren; er hatte dies Buch zufällig tvi einem jüdischen Pfand Verleiher gefunden. Tie dort gegebenen Beweise für das Tasein Eiottes waren für ihn, Ser bisher noäi nie ein Wort'von chrisr licher Theologie und Philosophie gehört haue, eine völlig neue Welt, die ihn unwiderstehlich lockte, seine Aeignng zur Philo ' Wir haben ans Billigtcitsgründen Lettner wörtlich zitiert. Wenn er aber hier von- Starrheit und Engherzigkeit jüdischer : iechtglänbigkeit spricht, so migverslehl er offenbar jüpiscl;. Tradi^ lionstrene gründlich. Tie Juden wissen heute längst, dag bis zur;jeit der Emanzipation die Beschäftigung mit andern als religiösen sichrifteu dem froininen Inden verpönt war. Aichl aus Engherzig k:it, sondern aus J-urchk, die Oledanken der Lehre zu entziehen. Tie Redaktion.