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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1929-06-01 · 6 (6.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
5 (1929)
Issue
6 (6.1929)
Date
1929-06-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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I i Seite 14 Mitteilungsblatt des Sä tzsischen israelitischen Gemein de Verbandes Nr. 6 Prüfung) der Beaiuteiibefoldiiiigsordiiiliig entspricht. Tie Regelung darf vorbildlich geitaniit werden. Tie vornctime Art der Behandlung bcrübrtc scbr wohltuend. Mehrere Vertreter gaben der llebbrzengnng Aus)riick, daß mit dieser Tat der Gcmcindcverbänd erst ivahr last seine Existenzberechtigung bewiesen habt. Tie Töchsi che israelitische Lehrervcreiniguttg faßte folgenden Beschluß" ..Tie Sächsische > ir ac l j-t i sche Lehrervcre i n i g n n g bat mit b o b e r! B c f r i c d i g n 11 fl d a von Si e n n t n i v g c n o in in c n, d a ß d e r S c ch s i s ch e Fs r a e l i t i s cti e (*) e in c i n d e vsc r b a n d auf 'Vorschlag seiner P c n s i o n s k o in in i s f i c n für .yt c r r 11 Prediger Bel lack, Zittau, eine ebenso "befriedigende wie würdige Rcge 1 ung seiner P c n s i o n s v c r b ä l t n i s s e g e t r o f r e n hat. T i e Sächsische israelitische L e h r e r v c r einig u n g spricht dem Sächsischen ii aeliti - scheu G c in c.i n d e v e rb a n d und iusbe andere der P e n f i o n s k o in in i f s i o ii für diesen Beweis des P e r ft ä n d n i s f c s für die berechtigten A n i p r ü ch e unseres 2 tanöev h e r z - l i ch e n T a n k au s." Ter Vorsitzende regte an. daß die Sächsische 'raelit.ichc Lebrervereinigiiiig systematische Vorarbeiten liefer i solle für die Aufstellung eines Landcslehrplancs für den n aclitischen Religionsunterricht. Nachdem im Vorjahre Herr Tr. Hallemann, Leipzig, über „Tic.Stellung des Hebräisch m im Ne ligionsunterricht" gesprochen, empfehle er als nächstes Vor tragstbema „Ziel und Methode des hebräischen Unterrichts und als Neferenten die Herren Werczberger. Leipzig, und Anfchel, Tresden. Tie Versammliing stimmte,zi>. riet der Vorsitzende, die seitens der Rabbinerieiniii ferner are eingerichteten Ferienkurse zu besuchen. Tie Gcnieindtn würden gewiß die Teiliwbme subventionieren. Auch i nsererseits solle einem Mitglied eine Beihilfe gewährt wcrden. Er empfahl weiter, die in den öffentlichen lichen Bücher daraufhin zu prüfen^ ob kchulen sie aniisemitische gebräuch- Stücke enthalten, und bat die Kollegen, einer Anregung des Herrn Wormser, Plauen'. Holge gebend, den örtlichen Lehrervereinen» beizutreten. Auch lud der Vorsitzende zur Mitgliedschaft bei der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" ein. Am Schlüsse seines Berichts betonte er dir Notwendigkeit der a k a d e m i s ch e n Bildung des jüdischen Religionslehrcrs unter Berufung auf ein Wort Baecks: £ „Einen Menschen zu erziehen ist das Künstlerischste, was ein Mensch vollbringen kann, religiös bilden und gestalten ist das Höchste, ivas vom Erzieher verlangt wird. ... Religiosität ist die eine Vorbedingung für die Erziehung, wissenschaftlich fundierte .Kunst die andere. Nur wer über beide verfügt, kann ein wirklicher Erzieher sein." Nachfolgender Antrag des Borsitzenden fand einstimmige Annahme: . „In Anbetracht de s U in sta n d e s, daß der R c l i g i o n s u n t e r r i ch t die h ö ch st e n fachlichen und didaktischen Anforderungen st e l l t, das; die Aufgabe des jüdischen Religionslehrers von heute besonders schwierig i st, wendet die Sächsische israelitische L ehr erverein igung im wohlverstandenen Interesse des F n d e n t ii in s gegen B e st r e b u n g e n, die jüdische Relig'iönslehrerbildung herabz u d r ü ck e n." Auf Antrag des Herrn Anfchel, Tresden. findet künftig die Jahresversammlung in den Weihnachtsferien statt, erstmalig Weihnachten 1929. Ter Vorstand wurde, wiedergewählt. An Stelle des als Direktor der Israelitischen Waiscnanstalt nach Fürth berufenen Herrn Tr. Hallemann wurde Herr Fsaak, Dresden, zum 2. Schriftführer bestimmt. Zinn Vertreter im Ausschus; des Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes wurde Herr Hcimann, Plauen, zu dessen Stellvertreter Herr Jaffö. Leipzig, wiedergewählt. Gegen die Iudenhetze Ti,: Dortmunder Tagung des „Vereins wehr des Anlis cm itiämu^ erreichte ihren .\> imem Vortragsabend im Groszen -saalc des Gewerbe >c bis auf den letzten Platz gefüllt war. zur A b - ihepunkt in reins, der Pfarrer Tribukait. der Vorsitzende der Tortm-.. gruppe, gab in seiner Begrüßungsansprache der Hoffnui g daß zwischen ehrlich nach Wahrheit und Recht suchendes auch in der Fudcnfrage eine Brücke der V e r st ä zu finden sein ^müffe. Ter Antisemitismus kann unfern jüdischen Mitbürgern nicht mehr die bürgcrll berechtigung rauben, aber er ist ungerecht, unchristlich feindlich in der Aecktung, Verunglimpfung und Verle er die Fuden aussetzt. (Gefährlich und häßlich ist die einem Prügelknaben, wenn ein Volk mit oder ohne Unglück kam, und vielleicht begreiflich, aber doch falsci der Verbitterung über die Temütigung des Vaterland, c Feinde nun erst recht die eigene Ars zu übertreiben ii göltern. Ter öffentlichen Lügenagikation des An j. muß die öffentliche Aufklärung cntgcgengehaUc >tampf hat immer nur als Abwchrkampf eine sittliche 4 e Wir führen ihn nicht um unserer jüdischen Mitbüig sondern zur Veredelung unseres Volkes. Wahre H v i ir die b e ft e V a t e r l a n d s l i e b e. Tribukait schlp sophokles-Wort: „Nicht mitzuhasfen, mitzulieben bin Universilälsprofestor Geh. »onsistorialrat T. Tr. hi garten, Kiel, verwirft den im Antisemitismus zutn kommenden Chauvinismus. Chauvinismus ist und: haben nicht' einmal ein entsprechendes deutsches Wor Gesinnung. Vergöttcrüng der eigenen Art uizd Her der anderen Art sind deutschem Wesen frcntd. Mit aberglauben und dem Rassenterror muß aufgeräumt lüerhen wir am Judentum als fremd empfinden, ist eine ZU eigentümlichen Geschichte, der Fuden, ihre jahrhunder:e drückung, für die sie nicht verantwortlich sind. Manch, r hat wohl ideale Motive; aber es sind falsch veritanqe cjnder £ rts- Ausdruck. Menschen n d i g u n g seute' zwar >che Gleichand kulturcimdung, der suche nach schuld ins im cs, in durch die nd zu verz'emitismus n wcrden. rechtigung. ter willen, manität ,ß mit dem ch da." B a u m - Ausdruck utsch, wir für solche ^bwürdigung Rassen» Was irkung der lange Be- Äntisemit ne Ideale, c.! em es sind falsche Schlüsse einer irrsinnigen Verallgemeinerung, cs sind Frrtümcr, von denen sich das Volk eines Goethe und Schiller, eines Herder und Kant freihaltcn sollte. Es ist unverträglich mit dem reichen Erbteil der Deutschen an Geist und Gemüt, den jüdischen Mitbürger-lediglich als Exponenten seiner Leiblichkeit zu behandeln und sogar jüdische Kinder brutal von der Gemeinschaft der Deutschen auszuschließen. Wir empfinden es demgegenüber als heilige Pflicht, die Persönlichkeit jedes einzelnen für sich zu achten und vor ungerechter Verachtung zu schützen. Deutsch sein ist nicht eine suche der sogenannten Raste, überhaupt nicht die eines äußeren phnsischen Erbteils, sondern es ist Sache der Tcilhaftigkeit an der deutschen Geistesgcschichte, an deutschem Wesen. Das inhumane, ungerechte, sclbstüberhcbliche Wesen der Antisemiten ist Zeichen ärgster Unkultur, nicht deutschen Wesens. Hier hilft — bei allem Einfühlcn in antisemitische Denkart — nur hartes und strenges Ausscheiden dieses Fremdkörpers in unscrm Volk. — Auch als Chri fr c » können wir die Verachtung und Ver» jolgung der Fuden nicht mitmachen. Wohl empfinden wir das talmudifche, Judentum größtenteils -als etwas uns Wesensfremdes, da wir im Gegensatz zu der. überstarken Bewertung strengster Gesetzlichkeit alles Gewicht auf die Gnade legen. Aber wir wissen, daß der Gründer unserer Religion ein Jude war und auf dem alten Bund aufbautc. Ter große Apostel, der keine Liebe achtet als die, die mit der Wahrheit im Bunde ist, und keine Wahrheit, als die mit der Liebe verbundene, muß unser Vorbild sein. Wahre Herzenskultur fängt erst da an, wo man demütig und bescheiden von seiner eigenen Art denkt und ein fühlendes Verständnis hat für die-^Art des änderen. Wir wollen lieben und achten und'heben und Hegern die jüdische wie die deutsche wie die christliche Art. Rur so können wir die Ehre gewinnen, die auch dieser Krieg uns nicht genommen hat. (starker, anhaltender Beifall.) _ Pfarrer Tribukait. Dortmund, konnte die ohne jede Störung verlaufene eindrucksvolle Kundgebung schließen mit Worten herzlichen Dankes an die auswärtigen Redner, die vor der Bevölkerung Dortmunds das Programm und die Arbeitsmethode des Abwchrvereins dargelegt hatten. s

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