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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1929-06-01 · 6 (6.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
5 (1929)
Issue
6 (6.1929)
Date
1929-06-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 6 Seite!> Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Es flüchteten auch die Massen der Großbourgeoisie, zrnn Teil über Schweden »nd .itonstantinopcl. Sie finden beute diese Großbourgeoisie Rußlands znin kleinen Teil in Berlin, zuin andern in Paris. Heute, nachdem sich die Berhältnisse konsolidiert haben, fällt es schwer, sich vorzustellcn, unter ivelche» beiden u n d Schwierigkeiten sich Vliese Repatriierung wie auch die Emigration und die Flucht ans Rußland vollzogen hat. Es gab damals so gut wie keinen Eisenbahnverkehr in Rußland, und verhältnismäßig kleine Strecken mußten in Zährten von 1 bis (> Woche» bewältigt werde». Zudem fand die Flucht größtenteils im Winter während furchtbarer Stöltc und Epidemien statt. Die- Wohnungsverhältniise waren derartig, daß im Bergleich mit ihnen alles uns bekannte Wohnungsslend gar nicht genannt iverden kan». Ich traf beispielsweise in Barum auf dem Wege nach Oonstantinopel einen alüchtlingsstroi», der ans dem Weg über >ronstantinopcl einen Ausweg suchte. Es waren Inden ans Wriifiim und Bergjndcn darunter, "In der von Malaria durchseuchten Stadt gab cs nicht die geringste Unterkunft, und io lagen diese Menschen nicht einmal in gelten nnter freiem Himmel in tyieber und Hunger. Dieser Weg, der einen Teil nach Palästina und einen Teil nach Westeuropa geführt hat, ist besät mit Toten. Biele aber von denen, die dnrchkamcn. sind für ihr ganzes Leben körperlich und seelisch zerbrochen,. Es hat auch Zeiten gegeben, >vo solche Flüchtlinge wochenlang ans Schisse» gehalten werden inußtcn, iveil die türkische Re-! gicrung die Landung in ihren Häsen nicht erlaubte. Dieses Massenproblem löste sich dann ganz allmählich da-! durch, daß doch mehr als 800 000 Juden ihren Weg nach llebcrfee fanden, und daß ganz allmählich eine Einordnung der Repatrianten in die halbzerstörte» Gebiete Polens, Litauens »sw. erfolgte. Aber auch hente ist die Lösung des Problems noch nicht abgeschlossen. Im weiteren Sinne ivird dieses Probleni das Problem des jüdischen Wirtscliastsaufbaues für ein oder zivei Generationen darstellen. Aber auch heute noch gibt es einige hundert Emigranten, die seinerzeit durch die plötzliche Perkleinernng der Quoten für die Einwanderung nach Amerika gezivungcn ivarcn, in den Häsen zu warten, bis endlich an sie die Reihe kommen ivürde. Aus Oirimb des alten Bisu»^, das sic 1028 erhalten haben, ist tatsächlich in den Jahren 1020 bis 1028 von einigen Tausend der größte Teil »ach Amerika oder nach anderen Ländern ausgcwandert.. ^ür den Rest aber ist mit der Erleichterung der Einwanderung für Beruxindtc der in Amerika bereits Ansässigen das Schicksal eines Teiles dieser Leute wiederum völlig ungewiß geworden. Aus die kleine Quote iverdeji erst die Berwandtcn bevorzugt, so dgß die anderen. . die jahrelang gewartet habeiß wieder vor dem Richts stehen, so daß sic jetzt nach anderen Ländern geschasst iverden müssen. Auch jetzt noch gibt es in Ä! o n st a n t i n o v e l etwa 2500 „Russen", unter ihnen etwa 800 Inden, denen zur Wahl gestellt ivird: entweder türkische Staatsbürgerschaft oder Einsgratieln. Bei der Einreichtlng der Einbürgernngsanträgc wird bann aber durch Schikanen aller Art die Einbürgerung - unmöglich gemacht, die Bertrcibung der Emigranten angc drohte und es herrscht jetzt wieder, ein völlig ungewisser Znstchid. ‘ Dse Reste des alüchtlingsproblems und damit also auch heutechoch nicht völlig gelöst, in de» Häsen und in Rumänien, in .Oonstantinopcl gibt es näch Menschen, die vor der Möglichkeit stehen, vertriebe» zu werden, und vor der Rotwendigkejt, «sin Land, in dem sie 0 bis 10 Jab re gelebt haben, wieder zu verlassen und wieder vöit vorn anznsgngen. W. Camillo Enterlein Waisenhausstraße 23 I Das Fachgeschäft für | Koffer und feine Lederwaren Goldmanns gtoße* $unive*ßau{! t Das Ereignis, auf das |, Das Ereignis, auf das Sie schon lange gewartet haben, bietet Unerreichtes am Altmarkt

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