Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 6 (6.1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 81% known words query
- IRI
…/4892693-5739394-5769865--1218-4893832- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Riga 1× ep/1000826
OCR text
Nr. 6 emei «deblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Das jüdische Flüchtlingsprvblem nach dem «Weltkriege 4i„» Witiicc 2 c n rt t ü r, ('(ciicialfcfrctrtv bc<? '.’tiueiuan ^oi»l iitiit'iiiiim oommitljre, 'i'orlin Po» Tr. W c r n Diese Arage ifi wichtig, da ein JeL Seite 7 für »IIS Hilden aiiszerordenlliai der ,v>üctllli»ge Hilden ans den östlichen Länder» ssnd, die staatsrechtlich in der Luft daher in Anhelractil der Genfer refjicren, ans der /veöer eines htingen. 6s diirftl Perhandliingei, int 2achkenners diese <y age erörtert z» l>eko»i»ie». T. 'Mct>. Okftattcn 2ic mir jinniditt tueiiien Tank und die Befriedigung dafür ansznsprcch ». daß es mir möglich ist. im Rahmen einer Organisation, I er ich im Beginn meiner Tätigkeit angehört l>ibc, und im Ui eiie so vieler Irennde, denen ich seit Jahren verbimden bin. und mit denen ich meine o>tjudische Arbeit begonnen habt, zu ivrectwn. Das mir gestellte Thema „Tas jüdifclie Iliichlingsproblem nach dem Weltkriege" ist zu umfangreich. , ls daß ich das ganze Problem heute erschöpfend beßandeln önnte. Es handelt sich ja nicht Lediglich um ein Flüchtlings.'roblem. sondern auch um das der Repatrianten, und der I mfang dieses Problems ist ein ungeheurer. Sie wissen alle von der großeif jüdischen Wandernng der achtziger Jahre nach Amerika, doch diese bat sich im Laufe eines Meirfctsciralt rs vollzogen. Tie Wanderung hingegen, die sich mit dem Wort „Hlüchtli»gswa»dernng" bezeichnen läßt, bat eine Millio i Menfclvn umfaßt, die im Laufe von nur sechs bis acht Jahre i gewandert find, und zwar teilweise hin und zurück. Tiejes Iliichtlingsproblem begann kurz nach Xriegsansbrnch mit der bekannten Massenevaknatio n in Westpole i durch die Armeen des Zaren, der die jüdifcticn Massen in!ihrer (ßefamlheit als verdächtig evakuieren und nach dem Iimicrn Rußlands bringen ließ, wo einzelne (tzonvernements nehmen, da ja offiziell der der P o g r o nt e. Ich möcht ment dieser Zeit ansmerksc 2chwarzbard->tomitees über Xvicrigkeiten machten, sie anfzn Ansiedlnngsrahon" noch' bestand. Tas war die erste große T itsact»e. die zu einer ^lüchtlingSwandernng als Maffenerfclre nnng führte. Als der Sirtefl mit Rnßlc nd beendet war. begann die Zeit Sie auf Vas erschütternde Tokn m mactx'». das der Bericht de-tdie »krainifclien Pogrome gibt. Sie waren ein weiterer OJrniiö für die Ilüchtlingswandernng. Mit der Stabilisierung iieV Sowjet- .s? errs ch a ft begann für die Inden eine neue Periode des Elends. Es fetzte eine Maffenflncht aus Sowjet-Rußland ein. das keine Erlstenzmöglichkeit mehr für große Teile der jiidifclwn Bevölkerung infolge ihrer öfonoiniid>cn Schichtung bieten konnte. Hinzu kamen die politische» Flüchtlinge, die in Scharen Rußland verließen. Und als viertes Moment müsse» wir die a l l g e m e i n e Wanderung ansehen. Bor dem Uriege find jährlich über 100 (XX) Inden ans dem (Kediete des ehemaligen Rußlands ansgewandert. Tiefe Wanderung hat infolge des .(trieges gestockt, und nach seiner Bk/ndigiing suchten diese Masse», deren Perwandte zum Teil! längst in Amerika weilten, de» Weg über den Ozean, ^di >darf nochmals die Momente der Wandernng zusammenfaffeim l. Evakiiatio» »»d Repatriation. 2. Pogrome. •). Flucht ans Sowjet-Rußland, l. die allgemeine Wandernng. Sie bilden das Zentrum, »iß das sich die Irage des jiidiictx'» IliidNIingspriiblems fonzentriert. Idi habe im Arbeitersürfiirge'anit in Tentschland begonnen, die'es Ilüchtlingsproblem zi» srndieren. Rieht »nr Flüchtlinge ans Rußland kamen mich Tenlichland. sondern ans alle» Länder», in denen eine neue Elendsperiode für die Inden anbrach. Speziell z. B. »ach dem Lemberger Pogrom tame» viele tausend Polen nach Tentschland. A»ch die Perfolgnngeii i» Ungar» habe» z» einer vermehrteil Answemdernng geführt. Später hibe ich dann in Polen (Gelegenheit gehabt, die jüdische» Wanderer;n fetlen, speziell die jüdischen Repa trianten. die in den Oiiarantäüelagern von der polnische» Regierung ansgenomme» werren. Auch in Südrnßland »»d in gonnantinopel batte ich Gelegenheit. die Menictzen und die Tatsachen näher z» betrachte». Bei andrer (Gelegenheit iah ich das Problem in de» Häfen Tanzig, Riga, wiedernin in >ro»ikanti»opel. Ties geschah in den Ichiren 1020 21 bis l!«L7>Ll>: die letzte» Rene dieser Ilüchtlingsmafsen finden wir beute noch in Benarabien isnd in einigen Hafenorte». Ich möchte Ihnen nnisnzehr ein paar Worte über die politisch e I r a g e dieser Wanderung sagen. Sie .zerfallt in zwei Teile: I. bandelte iss sich nm die Stellungnahme dör Regierungen der Länder, durch die die Itüchtlinge bindiirc^- gingen. und 2. um die Stellungnahme der eigeirtlichesi Immigrationsländer. Beiise politischen fragen hängen eng znsaisinien. In der ersre,, Zeit. als die Perbältnifse in Europa -noch ziemlich chaotisch waren, ixibe» die Regierungen der Länder, die später sehr scharfe Maßnahmengegen die DIE VORNEHME ZIGARETTE