Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 6 (6.1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/4892693-5739394-5769865--1216-4893830- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 6 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Otto Lilienthal und David Schwarz Zwei Pfadfinder der Luftfahrt Po» (Ztcorg W idalewitfch Seite 5 erlernen, mrd wir können iDr tragisch endenden Fl chon immer haben die Mer scl-en sich bemüht, das Fliegen die Berichte von mehr oder versuchen bis 'in die neueste zu e wcni Zeit hinein verfolgen. Toch blieben alle diese Versuche ohne Einslutz auf die Ent Wicklung der Flugtechnik, nnd es blieb dem jüdisclfe» Ingenieur und Flugfoncher Otto Li iienthäl Vorbehalten, das Fundament des motorlosen Fluges zu legen. Er war der erste, dem in den Jahren um 18!M) Gleitflüge von grötzcrcr Tauer und Länge gelangen. Lilienthal hatte Segelflugapparate konstruiert, mit denen er von erhöhten Punkten aus gegen den Wind schräg abwärts durch die Lust schwebte, bis er ohne Anprall den Boden wieder erreichte. Er hatte sehr viel solck^r Segels üge ausgeführt, anfangs mit kleineren Flügeln, von vierzehn Lnadratmetcr Fläche: später konstruierte er größere Trägst ictlen nnd Toppelslügel. Lilienthals Versuche tvaren für die damalige Zeit ein unerhörtes Wagnis. Der Apparat bestand aus länglichen gerundeten. flcdermansähnliclien Flügeln. Richt sitzend, sondern in einer Leffnung halb hängend, setzte Lilienthal mittels einer primitiven Steuerung seinen Apparat in Bewegung und. suchte sich den Luftströmungen anzupasscn. Von boben Hügeln oder von einem Traggestell, das in Steglitz bei Berlin errichtet war. lieft Lilienthal den Flugapparat losglciten und juchte, sobald er frei in der Luft schivebtc, Gleichgewicht zu erhalten. Einmal mitzlang ihm so ein Flugversuch. Statt langsam von einem Hügel hinabzugleiten, sauste er mit großer Oteschwindigkeit hinunter. Er ivnrde zum Oiliirf in einen kleinen Sumpf am Futzc des Hügels geschleudert, so datz er mit zivar erheblichen, doch nicht lcbensgcsährlicifen Verletzungen davonkam. Trotzdem gab er seine Versus nicht aus. Doch am 12. August 1896 gelang cs ihm wieder nicht, Gleichgewicht zu halten, er stürzte ab und fand den Tod. Lilienthal. geboren am 3. Mai 1818. befaßte sich schon mit dem Flugproblem, als er kaum die Schule verlassen hatte. Zusammen mit seinem Bruder ging er dem Problem zu Leibe und ließ sich trotz allen Fehlschlägen nicht entmutigen. Als er erkannte, daß er durch planloses Herumprobiercn nicht zum Ziele käme, begann er mit syftematisckzen Messungen und Aus zeichnungcn, ans Grund deren er erst im Satire 1869 wieder mit Flugversucthm anfing. Zunächst -errichtete er in seinem Garten auf einem Rasenplatz ein Sprungbrett von nur einem Meter Höhe, und nachdem er von hier aus den Absprung unermüdlich geübt hatte, erhöhte er das Sprungbrett nach und nach auf 2,5 Meter-, von wo aus er dann sclzon sicher und gefahrlos über den ganzen Rasenplatz scliwcbte. Erst dann wagte er sich an Abflüge aus größeren Höben. Schon über tausend Flüge hatte er ohne Unfall hinter sich. als er aus 15 Meter Höbe abstürzte und am andern Tag seinen schweren Verletzungen erlag. Roch wenige Woclfe» vorher hatte er in Berlin über seine Ersindnng,. seine Vcriuclfe und deren Resultate einen, zusammenfassendcu Bericht gegeben, und er sprach dabei die zuversichtliclfe Hossnuug aus. daß die von ihm gesclzasfenen Anfänge einer Fliegerknnst sich zu immer größerer Vollkommenheit ausbildcn ließen. Aebnlich bedeutsam, wie Lilienthal für die Entwicklung des motorlosen-Fluges, ist der Fude David Schwarz für die Entwicklung der Lustschisfahrt geworden. Er war der erste, der das neuentdeckte Lcichtmetall Aluminium als Baumaterial für Luftschiffe verwenden wollte, und er crpcrimeutierte so lange, bis er eine Legierung fand, die geeignet u>ar, einem Lustschiss als Hülle zu dienen. Das zweite fast noch wichtigere, nxir die stonstruttion des starren Systems, und diese Erfindung bedeutete den weseuilichsten Fortschritt vor Zeppelin, der noch immer mit derseidenen Ballonhülle erperimcntierte. Schnurz erhielt in Lesterreich ein Patent aus seine Erfindung, aber es war kein Geld zum Baue» da. . Run reifte er mit Erlaubnis der Rcgier»,ng nach Rußland, wo er zivei Fahre lebte, aber kurz, vor Vollendung des für die niifiirfv Regierung gebauten Lustschiffes mußte er flüchten, und io kam er nach Deutschland, ivo er bei der preußische» Luftschifferabteilung Beachtung und Unterstützung fand.' T€€KaKo\l€ Seil Jahrzehnten beliebt, in ganz Mittel-Europa getrunken Maßschneiderei fttr feine Herren* und Damenmoden Pelze aller Arten Abonnements zu günstigsten Bedingungen C OTTO WALTER Dresden*A., Seeslraße 3,1. Stocü / Fernsprecher 16736