Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 5 (5.1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 5 Gemeindeblatt der Israelitischeli Religion-gemein de Dresden Seite 0 Interesse zeigen, wenn ich von ihrer alten Heimat erzähle. Und ihre Kinder? Ja, tvo sind die.Kinder und die kindcskinder dieser so tüchtigen Geschäftsleute, die das Fundament dieses groben Staates gebaut haben? Ja, Kinder Ivaren wenige ans den späten El>en und viele haben überhaupt nicht geheiratet, denn das Leben war eine so ernste Geschästssache. Und diese Wenigen wuchsen aus in den kleinen Ortschaften ohne Umgang mit andern jüdischen Kindern. Ohne Religionsunterricht — ohne Religion jeder Art. Ohne Ahnung der Geschichte ihres Volkes ohne Traditio». Tiefe armseligen Menschen sind fast vollständig verlorengegangen in ihrer Umgebung. Sie haben sich selbst verloren, und wie traurig das ist, weiß nur der, der die Eltern gekannt hat uird die Heimat und das Volk ans dem sic kamen: und der nun die traurigen Menschlein sieht, die jetzt assimiliert sind und doch gar nichts sind und gar nichts sein können.' Ein grobes .Kulturwerk realer Art am Aufbau eines neuen Landes haben die jüdischen Einwanderer aus den kleinen, armen Lrtscl-aftcn TeutschlandS hier geleistet; aber sie selbst haben kaum den Wert ihrer Arbeit erkannt. Zeit sür ideales Geistesleben haben sie nicht gehabt und deshalb sind ihre Familien eingegangen. Nnr solche, die diese ltzcfahr rechtzeitig gesehen und die trotz groben Geldopfern ihre Geschäfte im Lande aufgegeben hatten, und die ihrer Kinder wegen nach Städten übersiedelten, wo jüdischer Umgang, jüdisches Religionsleben herrschte,' haben ihre Familien gerettet. Ein Kapitel aus der sangen Geschichte unseres Volkes, das ich nicht besser schlieben kann als mit dem Erlebnis, das ich heute hier in Portland, der -Hauptstadt des Staates 'Oregon, hatte. Ich war heute abend zu einer Sitzung im schönen Bne- Brith-Gebäude dieser Stadt. Tie erste Sitzung der Jeivish- Agency-Kommission, zusammengesetzt aus Zionisten und Nichtzionisten, zur Geldsammlung fiir Aufbauzwecke in Palästina. Der Leiter dieser Sitzung und dieser Gcldsaunnlung war der Ehrenbürger dieser Stadt. Ein Mann, der vor zlvei Jahren anläßlich seines 75». (Geburtstages von den Behörden des Staates Oregon zum Ehrenbürger dieses Staates und von allen Mitbürgern seiner Stadt zum Ehrenbürger seiner Stadt ernannt wurde. Er ist vielleicht die bekannteste und beliebteste Persönlichkeit an der -stillen-Ozean-Küste Amerikas. Ich nahm als Gast aus Dresden, aber auch als Vertreter des Jüdischen National Fonds Amerikas aktiv Anteil an dieser wundervollen Sitzung, in der zum erstenmal Vertreter aller Richtungen in friedlicher Zusainmenarheit das Aufbanwerk in Palästina besprachen lind Geld ziun Weiterbau zeichneten. Ich habe noch nie eine Sitzung so gut geleitet gesehen und; nie so schnelle Resultat» gesehen wie bei dieser Sitzung, dank der hervorragenden Persönlichkeit dieses Vorsitzenden. Nach der Sitzung begleitete mich dieser Mann in mein Hotel, und wir waren einige Zeit in lebhaftester Unterhaltung zusammen. Er war vor 77 Jahren in Amerika geboren, aber seine Eltern ivaren aus Deutschland hierher eingeivandert. Er warj niit seiner Frau einige Male in Deutschlaird gewesen und hatte vor zwanzig Jahren Palästina besucht. Er hatte trotz seinem, Hohen Alter das lebendigste Interesse an allen Berichten, die ich geben konnte. Als ich seine wundervolle Tätigkeit auf Albert Hetzenmacher Drestfen-A.1. Prager Straße 37 Telephon 16574 Staatlich Meißner Porzellan Orlglnalverkaufspraise allen Gebieten d<s öffentlichen Lebens lobte, sagte er: „Ich bin dieser Stadt Portland zu großem Dank verpflichtet, und alles, was ich für die j idische (Yemeindc dieser Stadt tue, ist viel zu wenig. Meine Eltern kamen hierher, als Portland ein unbekanntes Torf >var. Wir waren fast die einzige jüdische Familie in diese n ferngelegenen Städtchxn, ohne Eisenbahnverbindung mit der Außenwelt. Als ich als 17jährigcr Bursckie nach dem Tode meines Vaters dessen Wcfdjäft übernahm, hatte ich gar keine Ahnung von meiner Religion. Ich wußte wohl, daf wir Juden waren, aber von der Bedeutung dieser Tatsache imißte ich nichts. Nach einiger Zeit siedelten sich andere jüdische Familien hier .an und all nählich wurde ich in den Kreis des neuentstehcnden jüdiscken Lebens hineingezogen. Nur der Tatsache, daß Portland arsing schnell zu ivachsc», und daß sich hier bald eine jüdisck-c Gemeinde gründete (jetzt hat sic. wie Sie wissen. 10 ÜOO Köpfe), nerdauke ich es. daß ich eine Jüdin heiratete und daß ich meine Religion mein Volk — und dadurch ineinen Platz in der Welt fand. Tenn erst muß man sich selbst finden, bevor » an jemand sein kann. Wenn Portland ein kleines Torf ge »lieben iväre, oder ein kleines Städtchen, wie so viele, ohne jidisclics Leben, dann wäre ich ohne Sang und ohne Klang in meiner Umgebung versclvllcn. wie so viele unseres Volkes. Wenn ich mein ganzes Leben, mein ganzes Tun und Wollen, und alles was ich habe. meiner Gemeinde und meinem Büke widnte, so ist das alles nur eine kleine Teilzal)lung für das. was mir die jüdisckic Gemeinsctiaft gebracht hat. Ein Leben, nnr den materiellen Dingen des Lebens gwidmct ein Leben ohne Religion —. ein Leben ohne Zusammei»hang mit meinbr Vergangenheit oder mit der Zukunft des eigenen Volkes, des eigenen Jchs. ein Leben ohne ^deal, das ist kein Leben. Tas ist ein lebendiger Tod. Ich danke meinem Schöpfer und ich danke meiner jüdrsckien Gemeinschaft, daß ich wahres, ewiges Leben gefunden habe. 9 Vergessen Sie bitte nicht, bevor Sie ReHIameauftr&g« vergeben, sich von einer erfolgreichen Werbestelle Kostenlos und unver- * blndllch Offerte einzuholen. Verlangen Sie bitte Vertreter besuch. Mein Arbeitsgebiet. Verlag für Programme und Verelnsnachrichlen. Ausarbeitung von Ideen, Texten u. Zeichnungen für Inserate, Werbebriefe, Prospekte, Plakate, Werbepl&ne, Packungen, Schutzmarken, Qiebelreklame Alleinige Anzeigen- Annahmestelle für das Gemeindeblalt. Inseratenannahme für sämtliche Zeitungen. Verwaltung Von Reklameetats usw. JAC. STERNLICHT Dresden-A. Zeughausslr.3 Ruf 14031 «rüeksiehtigtunserelnserenten