Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 3 (3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 ^Geite 13 Gemeindeblatl der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Leider ist die Tuberkulose noch immer in erschreckendem Mähe verbreitet. In etwa 12 Fällen muhten wir im letzten Jahre Hilfe schaffen. Ta hier, um durchgreifend zu helfen, meist ein monatelanger Heilstättenaufenthalt in Betracht lommt, müssen für den einzelnen Fall ungeheure Mitlcl aufgewcndet werden. Doch auch hier konnte durch Beihilfen der Vereine — j» manchen Fällen gav auch die jüdische Tuberkulosefürsorge in Berlin eine» Zuschuh — Ersprichliches geleistet werden. Ganz besonderen Wert lege» wir darauf, dah Angehörige, insbesondere .Binder von Tuberkulosekranken, ärztlich untersucht und dauernd überwacht werden. 3um Schlüsse sei noch der Arbeit i» der Jugendfürsorge gedacht. Fürsorgearbeit ist Erziehungsarbeit, selbst bei den Erwachsenen, um so mehr noch bei de» Jugendlichen. Tic Hauptsache ist, der gefährdeten minder und Jugendlichen möglichst frühzeitig habhaft zu werden. Tics gelingt uns einerseits gelegentlich der Hausbesuche in den Familien, anderseits werden wir auch häufig durch die Itadtischen schnlpflegerinnen oder Lehrer auf gefährdete jüdische minder aufmerksam gemacht. In vielen Fällen genügte Ucberwachung der häuslichen Verhältnisse. Manchmal bestellten wir eine» freiwilligen schutzhelfer, der sich dann intensiver um. das eine ihm übergebene (lind kümmern kann. Leider machte es sich auch im letzten Jahre erforderlich, dah Miliber, um sic vor Verwahrlosung zu behüten, aus dem Elternhaus entfernt werden muhte». In 2 Fällen führten wir Anftaltsunterbringung nach § 20 des sächsischen WohlfahrtspflegegesetzeS «freiwillige Fürsorgeerziehung» durch, in 2 anderen Fällen wurde Fürsorgeerziehung durch (Berichts, beschluh verhängt. Tie Berufsberatung und LchrstcUenvermittlung ist zwar an dieser stelle zu nenne», da sie sich ja säst ausschliehlich mir Jugendlichen besaht; sie. ist aber insofern ein sondergebiet, als sie ja der gesaniten Jugend zunutze kommen soll, die niemals im üblichen sinne fürsorgebcdürftig war. die schmale Front unseres Ges<hSftslokal3 hindert uns nicht, auf breiter Basis zu arbeiten. Sieben Motoren unterstützen die Leistungen unserer Mitarbeiter. Brillen-Roettig Prager Strafte 23 Die Berufsberatung gehört in erster Linie zu den (gebieten, an denen die gesamte Wohlfahrt besonders interessiert sein sollte, als gerade sic in ihrer letzten Auswirkung zur Entlajiung der Fürsorge beiträgt. Tie Erfahrung hat bewiesen, dah ein groher Teil der ständig Bcfürsorglen solche Elemente darjtellt, die infolge fehlender oder mangelnder Berufsausbildung sich nicht selbständig durch das Leben bringen können. Aus dieser Erkenntnis heraus hat die Dresdner Wohlfahrtsstelle 1920 die Berufsberatungs- und Lehrfiellcnvcrmittlung ihrem Arbeitsgebiet angcglicderr. Wir arbeiten tnit dem öffentlichen Arbeitsamt eng zusammen. Wir übernehmen jedoch meistens die erste Beratung und vermitteln, nach voransfiegangcner pshchvtechnischcr Prüfung am städtischen Amte, die Lchrtellen. Auf Zuführung der Jugeiidlichen zum Handwerk legen wir m sinne einer BernfSumschichtnug gröhten Wert. Im Jahre 102^ s» rachen 52 Jugendliche in der BerufsbcratnngssteUe vor. Ta in »er- Zeit von November bis März die meisten stellen vermittelt verdcn und deshalb,znr Zeit noch die meisten Verhandlungen mit >en Lehrherren schweben, kann, über die Zahl der vermittelten stellen kein genaues Bild gegeben werden. Es sei darauf hingewiesen, dah wir in Dresden in den lebten Jahren eine Reihe nuferer Jugendlichen in jüdischen Firmen nnterlebracht haben, dah fich aber leider noch nicht genügend "jüdische Firmen, unserer LehrsteUenverinittlung bedienen. Wir sprechen aU tiefer Stelle nochmals die Bille an alle jüdischen Ehefs ans, doch «mch Möglichkeit jüdisches Periostal, insbcsoüdere jüdische Lehrlinge, 'inznstcllen. Wenn die vorailsgegangenen Ausführungen auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben können, so ist doch zu Kossen, das; tamit gezeigt wurde, welche Ansdehnnng unsere Wohlfahrtsstelle erfahren Kat, und dah sie am Werke ist, der Not nnler der jüdischen Vevölkerung im Rahmen der vorhandenen »räfle und Mittel auf den verschiedensten (gebieten zu begegnen. Es braucht aber kann« betont zu werden, dah noch viele Lücken vorhanden sind und dah die bcreitgesteUtcn Mitlcl bei weitem nicht ausreichen, alle Aufgaben erfüllen zu könne», dah die ttzebefreudigkeil bei denen, die es können, wieder in althergebrachter Weife einsetzen muh Ebenso dringend!aber wie der Ruf nach Barmittel» ist der Ruf der grohen Anzahl von Arbeitslosen nach Arbeit. . Nichts ist trostloser, als arbeits- «freudigen Menschen, die sich vor jeder Unterstützung scheuen, immer wieder sagen zu müssen: Arbeit gibt es nicht. ES gibt kein Unglück, das die Menschen widerstandsloser macht und mehr zermürbt als dieser entsetzliche ArbeitSmangcl. Darum ergeht nochmals an alle der Ruf: schafft A r b e i l s m ö g11ch k e i t e n! Zum 100jährigen Geburtslage des weiland Rechtsanwalts Emil Lehmann in Dresden Restbestände der Volksausgabe der gesammelten Schriften in,Prosa und Dichtung, 318 Seiten brosch. M 1.25. Verlag ‘Phile Berlin S W 68, Lindenstr.13 Albert Metzenmacher Dresden-A.1, Prager Straße 37 Telephon 16574 Staatlich MeiBner Porzellan Orlgiitahrerkaufsprelse FRITZ UER ARCHITEKT BAUMEISTER FACHMÄNNISCHE BERATUNG In allen Fragen der Konstruktion, des Ausbaues und der Architektur s Plllnitaeer Straße 20 entwurfo. Bauleitung von Um- und Neubauten DRESDEN-A GESCHMACKVOLLE UND PRAKTISCHE UMGESTALTUNG von Wohnungen und Geschäftsräumen a Fernruf 17459 u. 28331