Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 3 (3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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T Nr. 8 Gemeindeblatt der Jsr celitiscken ReligionSgemeinde Dresden P urimfpieler Po» L. Perez Seite 7 Ich wohne in einem stillen -Hause, weit von deiil lärmenden Grzybow und von den brausenden Nalewki-. iiZcnn sich in den Hof nicht manchmal ein Trödler verirrte un! „Nichts zu verkaufen?" schrie, wenn nicht ab und zu die Sc ge eins» schreinerS kreischte oder der Hammer eines Schmie ds tönte oder ein zerzaustes Dienstmädkl-en einen Teppich oder ein Bett klopfte, so wäre es in meiner Wohnung so still wie auf dem Lande. Die Göttin der Poesie bliebe iminer bei mirj. und ich hätte die ganze Welt mit meinen (besängen erfüllt. sobald aber auf deni Hofe auch das geringste (hefäusch er tönt, verläßt mich die Muse. Tie Feder fällt mir aus der Hand,, und ich bii plötzlich leer, ohne Gedanken und ohne Gefühle, so leer, wie cf» Käfig, aus dem die Vögel herausgeflogen sind. In folckzen Fällen bleibt mir nichts andres übrig als den Kopf zum Fenster zu wenden und hinanszuschaüen. Mir gegenüber im zweiten Stock wohnt ein reiclzefi. junges Ehepaar. Was in ihrem Nest vorgeht, weiß ich nicht: an den Fenstern lningen doppelte seidene Portieren . . . l Abends kommt das Ehepaar heim, ißt zur Nacht und Izieht sich in das Schlafzimmer zurück ...! ' An der Wand hängt ein Misrach' mit schrecklichen Löwen. Rechts davon — ein Wandkalender. Auf dem großen ^tleider-!schrank liegen mehrere Bücher. Ein eigener Bücherschrank ist! nicht vorhanden. > Ich kenne die Bücher. Das mit dem Einband ans weißem Elfenbein ist ein (isebetbuch mit jüdiich-dentsctter Uedersetzung: sie hat es zu ihrer Hochzeit geschenkt bekommen. Ticker und größer ist das „Zeöno-Ureöno " mit den vom vielen Gebrauch abgewetzte» Ecken . . . Tanebcn liegen seine Bücher: ein dickleibiges „Ejrach-Ehajim", eine Hagodc, eine Megillc^ . . . In der Mitte zwischen feinen und ihren Büchern stehen, mit den reichvergoldeten Rücken nach vorn.die fünf Bücher der Bibel und zgtei Feiertagsgebetbüclzer . . . Außerdem liegen noch einige lose Hefte und Blätter herum wohl ihre Tchines". Tos ist alles! Tas ist die ganze Bibliothek eines einfachen Inden. An allen Wochentagen, außer Freitag, ist es hier still und stumni. Aber am Freitag freistcs um so lauter zu. Tas Klops- und Fischhacken macht mich nervös. Im ersten Stock gibt es dafür keine Gardinen, unjd ich sehe alles, was in der Wohnung vor'geht. Tie ganze Woche ist es dort still und leer. Sie steckt den ganzen Tag in ihrem Laden, und er geht irgendwo seinen (tzeschästen nach. Tie altmodischen Polstermöbel stecken in -weißen Ueberzügen. 1 Purimspicler ziehen am Purinr von Haus zu Hans gegen Entgelt primitive Theaterstücke, die die Geschichte uno Mardochai zum Gegenstand haben, auf. 5 Straßen in Warschau. i nd von führen Esther 2)as größte Schuh-Spezialhaus!! IDresdens mit der größten Auswahl und dem größten Umsatz n SCHUHE *' MiSrach — wörtlich Cjtcn. So heißt auch eine mehr oder minder künstlerisch auSgesührtc Tafel, die im Bethausc und auch im Privathausc die Lstwand tiezeichnet, nach der die Betenden ihr Gesicht zu wenden haben. * Zeöno-Ureöno — Paraphrasen zum Pentateuch in jüdischdeutscher Sprache, beliebtes Andqchtsbuch für Fraircn. » „Ejrach-Ehajini" — eine Sammlung von Porschrificn-über die Hcilighaltung des Sabbats. ^..Hagodc" — eine Erzählung vom Auszuge Israels aus Aeghpten, wird an den beiden ersten Pest'ach abeuven im Familienkreise vorgelesen. „Megille" — daS Buch Esther. » Tchines — jrrauengebete in jüdisch-deutscher Sprache. AKTIINOiSILLSCHAFT Das neue Kleid S. und alle», was wir brauchen. fXv um un» und unser Heim zu ii A schmlll-ep, näffi un» mit L 1 Jl>rrn Zelt, und grldfparenden V I Spezialapparaten j die flute „Singer". SINGER NÄHMASCHINEN AKTIINOiSIUSCHAFT V«rk«ufsstell*n irt Dresden! Prager Straße 18 >/ Ferdinandstraße 2 Hauptstraße 6/ KesselsdorferStraße15 i