Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 1 (1.1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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Mitteilungsblatt des Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes Januar 1929 Die jüdische Presse Von Justizrc t Tr. B o d e n h c i in e!, ftöln Die Borgeschichte fi.-r jüdische» Presse de vegte sich iik der Zeit der nationalen Selbständigkeit des jütischen Polkas in deirselben Linien, wie toi den andeni alten Völkern. Bekännt inachniigcii enolgtcn durch Boten, durch Feu!rzciche>^ auf den Bergen und dnrch Ti oinpetensignalc. Bor letzteren in in der Bibel »nd im Talinrid vielfach die Rede. Das Instrument jiKir das Widdcrhckrn, das Dckzosar. Es wi d noch! beutle in sakraler Weitz! am Ne ijahrstagc vernviidet. Die hrspriing liche Bedeutung der D gnalzeichen ist aber w>hl im Lause der Zeit vcrlorengegangen Eine besondere Bed eutung erlangten die Maggidim, die al> (Geschichtenerzähler von Orj zu! Ort zogen und bei dieser Eclegenkicit interessante Nachrichten!ver breiteten. Der Magg d eristiert noch beute im enropäimn'n Osten als eine typische Figur der jüdisclien.Kleinstadt. Dazu kam der Brief als Kundgebung für die (Gemeinden der Diaspora. Was nun die jüdificlx' Presse beute ist. bedarf einer bc sonderen Erläuterung.! da ihr Bild in der lllgemeiien Bor stellung wie in einem Berierspiegel verzerrt ist. Äm besten verfahren Nur nach de n Elrundsatz der indi ctien Pl>ilosopbie und sagen zunächst, wis sie nicht ist. um ihr Wesen zmver stehen. Sie ist keine Ivcgs das, was man die Ji denpresse nennt. Die hat auch nichts mit den große« internationalen Nachrichtenagenturen >vie Wolfss und Reuters Bureau zu wie eine geblatt". und!von Wiener tun, die von Juden btgründet sind. Es klitzgt säst Ironie, wenn man Zetungen wie das „Ber iner Tg die „Vostische Zeitungs. die „Frankfurter Zeitung ausländischen Zeitungen die „Times", ,F garo Freie Presse", „Pestet Lloyd" als Indem «resse bezeichnet. Ihre Gründer und Li iter stehen dem Jude itnm sowohl! als t>keligions. wie als Volksgemeinschaft zun leist wüteniern. Man bezeichnet gern die linksgerichtete Piefse al? Inden, vresse. vergißt aber ganz, daß auch die streng konservative streu.z.zeitung die (Gründung des getauften Judeii Dt-ibl' ist. Es zeigt sich eben in dieser Erscheinung nichts aiidreS als die besondere Gabe der Inden für Jonrnalistik. Tiefe Presse dient »»oder politisch noch sozial oder eligiös jüdisthen Interessen. Man kann höchstens sagen, daß sie in vorderster Linie ini stampf für Bürger, nnd Mensckxu« -echte d -r Juden steht, soweit dies ihrer allgemeine» politischen lRicblung entspricht. Währe ird also die jüdisäie Jonrnalistik inkde'r allgemeinen Tagespreise ihre höchsten Triumphe feierte, tvar die eigent liche jüdische Presse winzig klein »nd eins! «ßlos. Diele in zalilreichen Ländern zersplitterte, den Jntere sen der jüdikclten Religion und des jüdischen Volkstums dien »de Piest'e wird in der jüdischen Donderschan gezeigt. Es wird fiel hier ergeben, daß auch sie trotz mannigfactvn Mc ngeln und trotz ihrer großen Dchwäche eine bedeutende Ei twicklnng dnrchgemacht Kat und daß sic schließlich aus winzigen Anfängen zu einer maßgebenden Bedeutung für die Juten aller Länder geworden ist. Die begann in der Mitte des : 7. Jahrhunderts mit einigen in unregelmäßiger Folge er cheinciwen Zeitschriften, die Nachrichten in jüdisch-deutsch» r Mundart!znnächst in Holland und Deutschland verbreiteten und einen vorwiegend religiösen Charakter zeigten. Mi dem Auftreten Moses Mendelsohns in Berlin nnd der sich dwan anschließen den Anfklärtlngsperiodc beginnt das Bestr?ben -bt| Mitteleuropas, sich auch von den Fessel « des (Gettos zu befreien. Der Weg zu den profanen schäften sollte eröffnet lverden. Als sprachliches Mittel hier für wurde das Judendeutsch verwarfen. Mgn betrgchtete cs * Rach einer Notiz der streuzzetung ist der Begründer der Konservativen Partei, Stahl, an der lsegründmig der Krsuzzeihing nicht beteiligt. 7! r Juden geistigen Willenals ein Erzeugnis dies (Gettos. Do kam es. daß diese Zeit schristenliteratnr in hebräisäier Sprache erschien. Dies brachte cs mit sich, daß sie! ans den engsten streis der (Glaubensgenossenschaft und ajuch hier ynr ans ihren gebildeten Teil beschränkt war. Eilten große««! Ansscivvnng nahm die Presse mit der national-jüdssclte» Idee, die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts entstand. Der! begeisterte Dchtvung eines Perez Dmolensky, das joUrnilistische lvenie von Nahnm Dkokolow batictite ihr neues Leben ein. „Hamagid" und „Hazesira", die letztere als T ageszeitung, waren von bedentendeni Einfluß jaus die Jidenbeit des Ostens. ' (Gleichzeitig erschienen dort Nachricstenblättek in der jüdischen Bolksspraclte, die bäld Einga ig bei den Massen fanden. Auch in den andern^Ländern uahin das. Judentum in Verbindung mit der Presse einen ungeahnten Aufschwung. Es schien ans einem stchrhnndertelangen Schlummer zu erwachen. Der Wettstreit zwisctx n den verschiedene» religiösen Richtungen der Ortyodorie, d,r konservativemnnd liberalen Partei, der mächtig ausstrebi »de nationale* Gedanke, der Zionismus machten! die jüdißlx' Presse zur Tribüne ihrer überzeugten Führer« Die Zeitschriften begannen »upmelnin den Sprachen dev verschiedet«» Länder zu erscheinen. In Deutschland wurden!maßgeben>>, der „Israelit" von Lehman» in Mainz als orlhotwres Organ, die konservative „Jüdiickie Presse" von Hirsch-Hildesbeim'.vf öii* sich den stampf gegen den Antisemitismus! nnd di» Verteidigung der jüdischen Rechte zur besonderen Ansga >e machte, die liberale „All gemeine Zeitung dcö Judentums" tun« Pbilippson, die von Tb. Herz! begründete „Welt" nnd ihre Nachfolgerin, die „Jüdisclic Rundschaii". in Frchrkreich „L'llnivers Jsraelitc". in England „Tbe Jewish Chrouicle" und.„The Jewish World" il»d in Amerika „Tbe American Hebreiv", Nenyork. „The American Jsraelite"j in Cinci« nati. ferner zahlreiclle wissenschastliclie Blätter in verschieden m Länder», die großen Tageszeitungen „Ter Voxwärts". „Ter Tog",-„Jewish Morning Journal", „Jeiv. Tcüly tstews" ui»d andere. Hierzu kommen der „Moment", dei „.^>aynt" in Wjirßtxni und hunderte andrer Blätter in her - ganze« Welt. So bietet heute die jüdisclx' Presse das ilierkivürdij ste Bild, das man sich denken kann. Ans der einen Deute in den' Zentralpunkten desjüdischen Lebens mtb jüdischer Massen Zeitungen, die ,«anz den Charakter der üprigen Ta» espressc batuu« und anderseits Viele hunderte kleiner Gemeindeblätter nnd einzelne Orgtme. die nur dazu bestin mt und. »inen oft winzigen Leserkreis mit den sie interessierende» reli ziös-politisclien und allgemein sozialen oder jüdischvissenscbas lieben Nachrichten zu versehe». Außer in de» ((lroßs!ädten des Ostens und Amerikas hat die jüdische Presse nur in Palästi 1a eine normale Entwicklnng nach Art der europäische» Pnsse genommen. Die dortigen Tageszeitungen, sämtlich in lebräisclvr Dpraäx.'. enthalte» sowohl Politik. Fe lilletou. einen .Htwdelsteil und Lokal berichte. Außerdem, erslivinou Fachzeitschriften jeder Art. die dem wirtschaftlichen und lolitisclxm Anfban des Landes zn einer nationalen Heiinstätt, des jüdischen Volkes dienen sollen. Neben der Press, in jiddistx'r Dpractx' besteht aber seit Jahrzehnten Mich in den Ländern jüdischer Massen eine beachtlicl-e Presse in de - Landessprache. Do gibt eS beute schon eine Anzahl jüdisäxr Zeitung:n in polnischer Dprache in Polen »nd in englisci^r Sprach! in Amerika. Bei dieser Ent Wicklung ist es begreiflich, das beute die jüdische Presse in 18 Ländern und in >‘ 7> vcrschioicnen Sprachen erscheint. Die dient der religiösen Erbauunz und Aufklärung nnd dein stampf um die von vielen Seiten bedrohten bürgerlichen Rechte der Juden, (cs ist ein ragifches Mißgeschick für diese zum Teil vorzüglich zeleitete Presse, nicht über den streis der jüdischen Bevölkerunz hinansz wringe», so daß die Umwelt kaum estvas von den Dörgen nid Idealen der Jndenbeit au?