Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 8 (12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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'“HT Seite ßO MWIM -'■rn* **re>srr 's u i-t .ü'iwy »emeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 8 Hictraui sprach Regierungspräsident Tr. Haußmann das Schlußwort. Er dankte Sokolotv für den Vortrag: es habe tiefen Eindruck auf ihn gemacht, das; das jüdische Vdlk an jeinen Führern hänge. Tr. -Haußmann schilderte seine Eindrücke, von seiner zweiten Palästinareise und den gemachten Fortics ritten im Palästinauvrk. Was aber die Nich juden mit d<in Paläitincnverk verbindet, so daß ihm Staatsmänner und Pirticliafter ihre Unterstützung geivähren. dieie merlsvürdibe Erscheinung liege eirkmal darin, daß sie den ii enschlichen Wunsch haben, die Schaffung einer jüdischen Heimstätte zu unlerstützen. Wer da sagt, daß das Palästinawerk dazu dienen könne, ein Land zu schaffen, ivohin man die lcstigen ^uden abschieben könne, der versteht nicht, daß cs eine Unmöglichkeit ist. diese 14 Millionen in alle Welt verstreuten Hilden in diesem vcrbältnismäßig kleinen Ländchen unterzubrfngen. in de» bestenfalls zwei Millionen leben können. Tcr i^inn des Ausbamverkes, der das.Interesse der gesainten Wülter- N'eckt Hut. in den wenigsten bewußt. Es ist das starke ivesübl der Nicht juden. für die Sonderstellung. die die Inden sn der Geschichte der Menschheit einnehmen. Mit Tcmkesworten an die PMammlung schloß Tr. -Haußmann die Kundgebung. Naw der Versammlung fand im Hotel Europabos eine Zusannnenkunft der führenden christlichen und jüdisckieii Per- 'LnlichÜeiten des Komitees und der auswärtigen Gäste statt, bei deß man noch lange zlisammenblieb. Tie Veranstaltung erregte in der Tresdner Oeifentl chkeit großes! Aufsehen. Alle Zeitungen gaben ausführlich« Berichte non der Kundgebung. Man darf annehmen, da; mit der Veranstaltung zum Palästinawerk in Tresden ein endgültig, k Wandel eingetreten ist. Tr. I. L e y. c Di Der D: i Die Zionistische Ortsgruppe Dresden veranstaltet am 15. Dezember 1928 in sämtlichen neuvorgerichteteh Räumen des Zoos einen :hanukkah FESTBALI| Durch die Teilnahme hervorragender Künstler, insbesondere der Herreji Kammersänger Ludwig Ermold j (Staatsoper. Dresden) Kapellmeister Josef Goldstein (Staatsoper. Dresden) und die Mitwirkung der bekannten Kapelle Plietzsch^Marko verspricht diese Veranstaltung ein Höhepunkt der gesellschaftlichen Winter^Saison zu werden. Wir hoffen gern, Sie an diesem Abend begrüßen zu dürferj. 1 Zionistische Ortsgruppe Dresden Gesamtvorstand Die Festleitun^ .John Le vy Carl Feingoljd Ins, (rieten Eie im Gemeindeblatt! Die Ehanukkahlampe Von I. L. Perez Tti heute Ehannkkah ist. ivill ich euch erzählen, ivie einst ein Mann, der verarmt ivar. durch eine Ehanukkahlampe gerettet wurde... Und meint ihr vielleicht durch eine goldene':' Oder eine silbernes Rein, es n>ar just eine aus Messina, und eine zerbrochene dazu. Ein altes Erbstück aus nraltcir Zeiten. .strumm, verbogen, mit einem abgebrochenen Röhrchen ... Er war vorher ein kleiner Mann gewesen ... Plötzlich ivnrde er reich. Wieso? Tas gehört eigciitlich nicht zur Lache. Man sagt, ein Soldat hätte einmal eine Stange Eisen 311111 .Stauf angeboten. Er hätte die Stange unterm Wert gekauft. Und wie er sie nach -Hause brachte uitd anfeilte, stellte sich heraus, daß sie aus Wölb war! Ter Soldat hatte sie wohl aus einer Bank gestochen. Wenn ein Jude reich wird, so stellt er sein ganzes Haus auf den .stopf. Er zieht neue Uleider an: er selbst verwandelt sich in einen Teutschen': seine arau wird Französin und legt den Scheitel ab. Tie beiden Löhne, die er hatte, nahm er sofort aus dem Cheder und tat sie ins Gymnasium. Tie ganze Ausstattung wird verändert ... Ein Bücherschrank stand da: wer braucht noch die Bücher? Also stiftet er sie dem Bejß--Hamidrosch. Ten alten Schrank selbst läßt er zersägen und zu Spänen für die stüche kleinmachen ... An seine Ttelle kommt ein mächtiger Spiegel. Tie Iran hat sich selbst plötzlich liebgewonnen und will sich in ihrer ganzeii aigur sehen. Man läßt einen Trödler kommen, verkauft ihm halb umsonst die ganzen alten Möbel und kaust sich dafür Ludwig den Vierzehnten: kleine, aber gepolsterte Stücke, »nt krummen, aber vergoldetet Beinen. Ans Rädern stehen sie —, es ist ein wahres Vergnügen! Man hat aber Angst, sich daraus zu setzen. Sie hatten ein wenig altes Silber im Hause: Esregkörbchen. Gewürzbüchsen sie verkauften einen Teil zum Einschmelzen und gaben das übrige armen Verwandten als Hochzeitsgeschenke. Statt dessen schafften sie sich Isias und Strislall an ... Blumentöpfe. Vasen, lauter moderne Sacken. Toch das Glück wendete sich, das Brot sich eines Tages mit der Butterseite nach unten. Man konnte den Söhnen, die schon im Auslande studierten, nichts mehr schicken ... Mit Mühe und Rot prolongierte man die Wechsel ... Ein Gesälligkeitsdarlehcn konnte man von keinem Menschen mehr kriegen... Und von Tag zu Tag wird cs schlimmer. Sie suchen schon ivas sie noch versetzen könnten. Ludwig der Vierzehnte ist schon längst in die Brüche gegangen ... Glas und .sirislall sind zerschlagen ... Nur einige zusammengekitteto (»eschirrslücke^ sind ihnen geblieben ... Sie leben schon in recht kümmerlichen Verhält(iissen ... Und wenn man in' kümmerlichen Verhältnissen lebt, crinnert man sich wieder an die Iüdischkeit ... Tie arau borgt sich manchmal von einer Nachbarin ein „Zeeno-Ureeno"" und liest darin. Pan Salomon verwandelt sich wieder in Schlejme-Salmen und betet nianchmal in Tales und Tfillin. Und wie Ehannkkah komml. Huben sie plötzlich Lust. Lichte zu deutschen ... Lichte haben sie irgendwo aufgetrieben. Es fehlt noch ein Scheit Holz, um si^ darauf zu kleben. In der -stäche ist aber kein Span mehr zu finden. - Erinnert sich Schles/nc-Salmen, daß er einmal in den Tagen der Erneuerumj eine alte. Ehanukkahlampe aus den Tsen geworfen hatte/ „Schlejme-Salmen," bittet ihn die arau. „hol' sie ' herunter!" ..." Stellt man einen stuhl aus einen Tisch, rückt ihn zum Tfen: erbittert und wackelt. Ludwig der.Vierzehnte stöhnt. -Lchlejme-Salmen steigt mit Lebensgefahr hinaus und holt die Lampe herunter. Man wäscht den Staub und Schmutz mit Mühe ab und bentscht die Lichte ... Am ersten, am zweiten Abend und so bis zum achten * „Deutscher" heißi in Polen ein Jude, der europäische Kleider trägt. ** Beliebtes jüdisch-deutsches Andachtsbuch für Frauen.