Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 8 (12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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I - “T Sette 8 Semeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden_Sir. 8 Gleich nach dem Verlassen der Schule beginnt der Kampf uni die- Lehrstelle, um das Studium. Die Jugend möchte ihre Kräfte einstellen in den großen Zusammenhang; wie viele junge Menschen müssen draußen stehen! Und dann kommen die Verlockungen des modernen Großstadtlebens, denen gerade der heutige junge Mensch, zermürbt in seiner Kindheit, widerstandslos gegenübersteht. Wie selten geht heute das Leben seinen geregelten Gang, wie es früher die Norm war. Ter Kampf des Lebens ist' unerbittlicher geworden, das Familienleben, früher der Hort der Jugend, ist hinweggefegt. Schutzlos ist der junge Mensch dem Getriebe preisgegeben, das Parteigezänk, das Hauptmerkmal 'unsrer Zeit, übertönt die Stimmen reiner Menschlichkeit. All das empfindet-der jüdische junge Mensch, hineingestellt und innerlich verhaftet mit seiner Umwelt selbstverständlich genau ebenso, wie die übrige Jugend. Und noch vieles mehr. Antisemitrsmus, Rassenzauber, religiöse Not, Auslösung der Kleingemeinden, Lehrernot, Mischehe — das sind nur einige der Nöte, die den indischen Menschen noch drücken zu den all gemeinen Nöten. Hier gilt es für uns alle zu sorgen, uin unsertwillen, um unsrer, um unsres Judentums Zukunft willen. Hixr gilt es, Verständnis haben für unsre Jugend. Wir wollen offen und frei bekennen: Tie Sorge um unsre, die jiidlsckie schulentlassene Jugend ist uns noch ziemlich fremd. Wenn wir von lüdischen Geschäftsinhabern hören, die jüdische junge Leute nicht einstellen wollen, aus kleinlichen Bedenken, wenn wir von Gemeinden vernehmen, die nichts oder nur lächerlich wenig tun für die Belange ihrer Jugend, wenn jüdische Jugendorganisationen ihre segensreiche Tätigkeit nicht voll auswirken lassen können, weil auch in sonst gebefreudigen Kreisen das Verständnis für die Wichtigkeit dieser Arbeit fehlt, dann könnten wir fast verzweifeln an der Zukunft des Judentums. Unser religiöses Leben verkümmert, weil Schule und Haus nicht in der nötigen Weise einander ergänzen, weil man meint, die Sorge um die Schuljugend in religiöser Beziehung ganz dem Religionsunterricht aufbürden zu können. Es verkümmert, weil die schulentlassene Jugend nicht in genügender Weise vom jüdischen Leben erfaßt werdey kann, lveil * den jüdischen Jugendorganisationen — ich denke hier besonders an den Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, der in der Hauptsache schulentlassene Jugend zum Judentum heranzieht — nicht die Mittel gegeben werden, die ihnen kraft ihrer Bedeutung für die Zukunft des Judentums zukommt. Nur ganz wenige Gemeinden hat die Sorge um die schulentlassene Jugend zur Tat geführt, zur Schaffung von Heimen, von Jugendämtern. — An alle Verantwortungsbewußten im deutschen Judentum ergeht die Mahnung: Ver> geßt nicht die Sorge um unsre jchulentlassene Jugend, sie darf euch nicht ruhen lassen, wenn ihr nicht nur Menschen des Tages sein wollt! Jüdische Jugend und Sport Inj Vorsitzender Gern sprechen Uebelwollende von tüchtigkeit und dem sportlichen Versagen der Juden, einer Zeit wie der unsrigen, in der die Sportbewegung fast schon überbewertet wird, erscheint es lohnenswert, die Frage zu prüfen, in weichem Maße die Juden an sportlichen Leistungen beteiligt sind. - Beginnen wir mit dem wichtigsten Ereignis dieses Jahres auf sportlichem Gebiete, der Olympiade in Amsterdam. Da die Zeitungen über die Einzelleistungen erschöpfend-berichtet haben. dürfen wir uns darauf beschränken, die Namen einiger derer' aufzuzählen, die neben ihren Landesfarben auch der jüdischen Gemeinschaft durch ihre Erfolge Ehre bereiteten. Tie deutschen' Namen Helene Mayer, Flachs und Jacob, Fräulein R o s e n f e l d und Fräulein Lall aus Kanada, die bekannten Wiener Schwimmerinnen. Fritzi L ö w y und Hedy B i e n e n f e l d, Morrison. T e v i n e, Miller, K o j a c und Norman S. Cohen, aus Anirrika, Z i n n e r, Belgien,^ Ossiier, Dänemark. S i n d l e r, Tschechoslowakei. Stefanowic, Jugoslawien, und I s a a c s, Südafrika, zeigten hervorragende Leistungen. Es genügt wohl die Aufzählung dieser Namen, uni festzustellen, daß auch das Judentum dem Sport geeignete Persönlichkeiten stellt. Tie Herrschaften, die immer mit der Prozentrechnung bei der Hand sind, wenn es heißt, die Juden aus dem Staatsleben zu verdrängen und allenthalben den Xumerus elam-us anstreben, haben es diesmal wohlweislich unterlassen, die „zu hohe Beteiligung der Juden" an der Olympiade zu bemängeln. Vergessen wir auch nicht, daß sogar, das antisemitische Jugostawien einen Juden als Vertreter auf die Olympiade gesandt hatte und daß Ungarn seine Bootsmannschaft von dem Juden Ted Kid Lewis trainieren ließ. Kürzlich erschien ein Buch „Boren — der Weltsport"- von Kosmopolit. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich ein im Borschrifttum sehr bekannter nichtjüdischer Schriftsteller. Aus diesem Werke entnehmen wir>daß an der Förderung. ja an der Einführung des heute in höchster Blüte stehenden Boxsportes Juden hervorragenden Anteil habe». Namen wie Daniel M e n d o z a, Harry G r e b. Kid K a^> - l a n, Benny Leonard, Ted Kid Lew f§, Lew Tend - I e r, Rat Siege l, Joe Benjamin. Kid Wolfe, Tave Rosenberg, Eddie Kid Wag ne r, Jack Bernstein, Battling Levinsky, Abe G o l d st e i n, Jimmy T u f f y, Leach Groß, Abe Attell, Marie Rosenbloom, und die Deutschen Harry Stein, Felix Friedemann, Buch- Don Tr. W i e n s k o w i tz des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten. Ortsgruppe Dresden der körperlichen Unj b a u m und P r e i ß sprechen dafür. Ter Autor kommt, nachdem er das Problem auch einer antropologisch-biologischen Würdigung unterzogen hat, zu dem Schluß, daß unter d>.m Gesichtspunkte der Leibesübung der Boxsport einem jeden etwas zu bieten vermöge, daß aber nur der in ihm Besonderes leisten könne, der besondere Veranlagung dazu mitbringe. Er kommt dann auf Grund seiner Erfahrungen «u dem Schluß, daß gerade die Juden das Zeug zu großem boxerischen Können mitbrächten. „Sie gehen mit absolutem und unbeirrbarem Ernst und mit dem Bewußtsein der vollen Aufgabe, der sie sich unterziehen, sowie mit einer allgemeinen, die jüdische Rasse auszeichnenden unbeugsamen Zähigkeit an die Ausübung des Boxsportes und damit auch an das Training heran. Dieser Ernst, das Seriöse im Denken und Handeln von der ersten Minute des Trainings bis zum letzten Gongschlag des Kampfes, kann sich jeder andre zum Beispiel nehmen, es wird ihm zum Vorteil gereichen." Es würde zu weit führen, wollte man alle Sportarten aufführen, in denen Juden sich ausgezeichnet haben. Die angeführten Beispiele beweisen, daß sie hinter den Nichtjuden nicht zurückstehen. In diesem Zusammenhänge wollen wir ruhig zugcbcn, daß es unter den jüdischen Jugendlichen immer noch zu viele gibt, die körperlich schwach und daher auch sportlich minderwertig sind. Daran dürfte wohl das jahrhundertelange Gettoleben der früheren Generationen schuld sein, das die jüdischen Menschen zwang, in engen Gassen zusaunuengepfercht zu leben und jede körperliche Betätigung zu entbehren. Das wettzumachen, ist Aufgabe der jüdischen Sportbewegung. Und nur das kann ihre Aufgabe sein, da ja der Sport mit Religion oder Politik nichts zu tun hat. Oum Schute Fohtiatn/tti ViaÜatuendfadi von den Anten anerkanntet Sdmtt* und Destn» fektionsmittei für Mund u. Radien. C LAS Mir 50 ■’-AO.F