Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 7 (11.1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 7 Temeindeblatt der Israelitischen Religio'nSgemeinde Dresden Drei Legenden Seite 11 Onkelos 1. Onkelos, ein Heide, wollte znm Judentum übertreten, das er liebflclDoiuieii fwtte. Als das der Kaiser hörte, sandte er einige Männer zu ihm mit dem Befehle, den Onkelos vor ihn zn führen. Tiefer aber begann mit den Männern ein religiöses Gespräch, das damit endete, daß anch sie zum Judentum bekehrt wurden. i Da das der -Kaiser erfuhr, sandte er noch'inehr Männer nach Onkelos aus und verbot ihnen streng, ein religiöses (Gespräch mit ihm zu führen. Willig folgte ihnen Onkelos. Unterwegs kamen sie an einem jüdischen -Hause vorbei, an dessen Tür sich die Mesusa befand. Als Onkelos diese erblickte, lachte er laut ans. Nach dem Grunde dieses Lachens gefragt, erwiderte er: „Jeder Fürst und König sitzt auf seinem Throne im Gemach; die ihn behüten aber, die stehen draußen an der Tür. Umgekehrt der König aller Könige, der öeilige. des Name sei gelobt: er hält die Wache draußen an d:r Tür, damit die Juden drinnen wohlbehütet seien. Tes zum Zeichen seht ihr die Mesusa außen angebracht; und deshalb sag:«« wir: Gott behütet deinen Ausgang und deinen Eingang, vrn nun an'bis in Ewigkeit." Diese Worte machten auf die Männer solchen Eindruck, das; auch sie das Judentum annahmen. Als das der Kaiser hörte, sandte er keinen mein nach Onkelos, weil er fürchtete, sein ganzes Bolk >nöch:e zum Jndentume übertrete». 2. Onkelos war der. Schwestersohn des Kaisers -Hadrian. Eines Tages Hub er an und sprach: „Mein iverter Ohm. ich bin nun wie ein Kalb, das nur die Mutter kennt, di« es ernährt hat. und den Stall, der ihm ein Obdach gibt, sonst aber von der Welt nichts weis;. So möcht' ich denn hinaus, damit ich Menschen kennenlernc, ihr Tun und Treilen sehe und inir durch irgendeine -Hantierung meinen Lebensunterhalt erwerbe." Ta sprach der Kaiser: „Was will du unternehmen? Willst du ein Kaufmann werden, um dir im -Handel Güter zu erwerben? Ilm derentwillen brauchst du» nicht zu wandern: ich habe Reichtümer genug, davon darfst du dir neh nen, so viel du magst — und bleibe hier!" Doch Onkelos erwiderte: „Mein Vorsatz ist gefaßt und unabänderlich: ich will ein Kaufmann werden. Tazi erbitt' ich deinen Rat: sage mir nur, welche Waren ich am lügstcn kaufe, nm sie mit dem größten Nutzen zu verkaufen " -sprach der Kaiser: „To achte meinen Rat! Welche Ware d» von allen ungeachtet und verschmäht gewahrst, daß niemand sie mag kaufen, die kaufe du! Tenn es kommt die Zeit, wo sie im Preise steigt und reichlichen Gewinn dir brinst." Onkelos versprach, dem Rate zu folgen, nahm Urlaub und begab sich geradeswegs nach Palästina, ward Jude tiub vertiefte sich in das Gesetz, das schriftliche wie auch das mU ndliche. Er las daheim und lauschte gierig den Belehr»»; en der Weisen in dem Lehrhause. Und weil er gar so eifrig lernte, ward er blaß und schwächlich. Als er tnHKflemifl gelernt zu haben meinte, wa»dte er sich wieder heimwärts. Doch wie erschrak der Kaiser als er den Neffen bleich und abgemagert sah. „Beim Jupiter," so rief er aus, „entweder hast du bei dem -Handel viel rerlorcn oder jemand hat dir sonstwie übel mitgespielt." „Mein kaiserlicher Oheim." sprach da Onkelos, „>i»cr wollte mir etwas zuleide tun, so lange du am Leben bist! Mein bleiches Aussehen rührt daher, daß ich ein Jude Word und Tag und Nacht mich mühte, Gottes Lehre zu erkenne»." Ta erwiderte der Kaiser finster: „Wer hat dir das ge raten?" >,Tu selbst," gab Onkelos zur Antwort. „Ich selbst?" rief -Hadrian, „ich wüßte nicht, wann ich dir diesen Rat gegeben hätte." Arbeitsgemeinschaft zurB Oie amtliche Gewinnliste ist erschie „Tu hast es nur vergesse«»," versetzte Onkelos. „Erinnerst du dich noch, daß du inir, als ich auszog Waren eniznkaufcn, deir Rat erteiltest, die Ware einzukaufcn, die andere verschmähten, weil sie hinterherjim Preise steigen und inir Ge- «vinn eintragen «vürde? Nim zog ich in die Welt und fand, daß man kein Volk geringer achtet als die Juden. Und doch steht eine Zeit bevor, da sie 'gar hoch geachtet iverden sollen, »vie der Prophet Jesäja spricht: -Und Könige «verden deine Wärter sein, und ihre Gebieterinnen deine Ammen; init dem Angesichte lverfen sie sich zur Erde nieder vor dir und den Staub deiner Füße lecken siel lJes. 49, 23). Darum habe ich mir die Lehre Israels geka«ift — gehorfain deinem Rate." Ta sprach dcrZKaiser: „So >var es nicht geineint. Toch ivarum «vurdest du noch Jude?". Und Onkelos enviderte: „Weil ich die Lehre Israels, die Thora, mir ganz zn eigen >wachen wollte; und dazu muß man Jude fein. Tenn »vie inan niemandem ein Schiff vertraut. der nicht auf ihin gelevt und seine Einrichtungen kennt, um sie zu brauche«», wie Wind und Wellen es »»erlangen: so kann auch der die Thora picht erkennen i«j»d verstehen, der nicht ein Jude ist und in b«jr Tbora lebt. So beißt es auch in unserer heiligen Schrift tPs. 147. 19. 20): -Er tat Jakob , kund sein Wort, seine -Satzungen und Rechte Israel, so tat . er keinem andern Volke, und Rechte kennen sie nicht.'"! Ter Kaiser »vurde nachdenklich und sch»vieg. Tie Inden aber nennen! Onkelos mit Stolz den ihrige», und seine Bibelübersetzung neht noch heut in hoben Ehren.! * Tie Sabbatengel Wen» der Israelit am Freitag Abend das Gotteshaus verläßt, um sich in seine Wohnung zn begeben, begleiten ihn zwei Engel, ein guter nnd jetn böser. Finden sie sein Hans sabbatlich gerichtet, die Lichter bellen Schein verbreitend, den Tisch gedeckt, »vie sich's gehührt, dann ruft der gute Einvl ans: „Also sei es anch an« «sächsten Sabbat!" Und dazu niuß der böse Engel »vider femeiij Willen Amen sagen. Wenn jedoch das Hans nicht sabbatlich gerichtet ist, »venu die Lichter nicht brennen »lud kein Tisch festlich bereitet ist, dann rn»t der böse Engel aus: „Also sei es auch.an« nächsten Sabbat!" Und dazu »ins; der gute Engel »vider seinen Willen Amen, sagen. Tie Sabbatsprisc Einst fragte der römische Kaiser den R. Josna bei«; Ebananja. woher es komme, daß die Sabbatspeisen so kos« lich schmeckten, viel köstlicher als die Speisen an den andere» Tagen der Woche.! „O Kaiser." crwiderte dör Gelehrte, „das »vill ich dir »vobl - sagen. Wir haben eine köstliche Wurzel, die beißt Sabbat, von der tun »vir in die Speisen, «»i^ikivün bekommen sie de» köstliche«« (Geschmack." > „So gib inir anch von dieser Wurzel," sprach der Kaiser, „dainit ich inir ebenso »pohlschmeckende Speisen bereiten lasse!" i „O Kaiser," erwiderte bot R. Josna, „die Wurzel »vill ist» dir gern geben, doch »vird fac dir nicht nutzen. Tenn wisse, sic übt ihre Wunderkraft ntir bei dem, der anch den Sabbat ehrt und heilig hält." U»n die pü««ktliche Znstfllnng des Gemeindeblatts sicher zustellei«, bitte,« »vir alle »insere Geineindemitglieder^ jed' Wohnungsäirderung baldigst in unserem Bureau, Zeughausstraße 3. I., telephonisch obeir durch Postkarte zu melden. Tic Zustellung erfolgt von nun an dnrch Postversand. Rcklamationen »««egen nnpünktlicher Zustellung oder Ausbleiben sind beim Postbote» oder heim Postzeitnngsbestcllamt anzn bringen.! Dämpfung der Tuberkulose unter den Juden,e.B neu und liegt im Gemeindeamt zur Einsichtnahme aus