Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 6 (10.1928)
- Date
- 1928-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 6 «Semeiydeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Seite- 0 Man kann nicht innner Neues erzählen. Daß die Juden »ich auf dem Gebiete «körperlicher Ziraftleistungen ganz Anländiges zuwege gebracht haben, ist — zumindest ihnen — wohlbekannt. Nimrod, Esau, Sinison, David, Jonathan, das -,nd nur einige der biblischen Sportslcutc oder Athleten, und ihnen reihen sich in späterer Zeit nicht lvenige andere >,». Tie Sportfrage war im Judentum wiederholt auf dem r apet, und meistens war ein Teil des Nabbinats ebenso strenge argen den Sport, wie der andere — ich nenne nur Gama Iiel H. — dafür. Immerhin, die Juden des Altertums hatten häufig viel für die Leibesübungen übrig, und wenn auch Nesh Lakish' Leistungen auf diesem Gebiete sich nicht des ungeteilten Beifalls seiner Zeitgenossen zu erfreuen hatten, so zeigt doch gerade sein Beispiel, daß sich Energie und Fähigkeiten ganz gut transponieren lassen und das; jeder große Geist (einßhließlich seines Körpers) einigermaßesr„a»rounil" (allseitig) veranlagt zu sein pflegt, sowie das; Hampstraining auch für angestrengte geistige Arbeit gar keine so üble Vorbereitung ist. Bezeichnender mag noch die Anweisung der Tannaim sein, die es jedem Vater zur Pflicht machte,, seinem Sohn das Schwini nteit bcizubringen. Vielleicht kann man darin eine Ans« Wirkung des bekannten platonischen Satzes sehen, der den klassischen Analphabeten so formulierte: „Er kann weder lesen noch schwimmen", sicher aber ist das Schwimmen, einer der ivichtigsten und für die Gesundheit, Hygiene und harmonische ^orperausbildung wertvollsten «portzweige, offenbar in sei« ner vollen Bedeutung von unseren Vorfahren erfas;t worden, r ie Inden waren gute Schwimmer. Nun, von damals bis heute ist der Zcitweg ziemlich lang und dazwischen liegt das Mittelalter, in dem kein Menelaos oder Hcrodes uns Stadien baute. Das Getto und andere antisemetische Einrichtungen waren nicht dazu angetan, jüdischen Sportgeist zu Wecken. Es gab zwar immer-besonders harke Inden, aber die jahrhnndertlange Beschränkung ans begrenztes Gebiet, die systematische Ein- und Absperrung beioirkte doch allmählich,, das; diese Nasse etwas überfeinert wurde, und es hatte die weitere Folge, das; die Umwelt, die immer viel auf den äußeren Schein gab und gibt, de» Juden die Attribute der Schwächlichkeit und Feigheit tarfrei zulegte, las; das Judentum Geistesriesen hervorzubringen vermag, leugnet man nicht, aber selbst diese Tatsache konnte nichts daran ändern, das; ein gewisser verächtlicher Antisemitismus benehen blieb, der als besten Angriffspunkt den Habitus der Die Juden im Sport Von Tr. Willy Meist Juden envählte. Wie gegen den Vorwurf des Drückeberger tums im Kriege nur die Statistiken, die das Gegenteil erhärten, ein wenig helfen können, so kann auch da nur ein Nadikalmittel Abhilfe sckxifsc n. Der. junge Jude mus; stark und gesund sein, cr inus; seinen ManN nicht nur in Wissen schuft, .sinnst und Geschäft, sondern auch im körperlickien Wett kämpfe stehen, dann ist den Gegner eine seiner zwar nicht tödlichsten, aber unangenehmsten und schmerzhaftesten Waffen aus der Hand geschlagen. Vielleicht war es nicht zuletzt diese Einstellung, die du;» .führte, daß die Juden nacl jahrhundertelanger Panse zu erst wieder auf einem Sporsgebiete zu Nang und (Geltung kamen, das ihnen scheinbar nn fernsten hätte liegen müssen, nämlich dem des Faustkampfcs. Nun mag man über diesen Tportzweig verschiedener Meinung sein, darüber sollte qber wohl Einmütigkeit bestehen, daß das jVo;en, wie kaum eine andre Sportübung, einen tis ins letzte durchgearbeiseten, kerngesunden .Körper, gesund« Sinne und schnelle Auffassungsgabe. enorme Willenskraft. Zähigkeit und vor allem Mut. Mut und wieder Mut erfordert bzw.. entwickelt. Waren das die Eigenschaften, die man jeitials den Juden nachrühmte, war-das ihre besondere Begebung '< ES sah nicht danach ans. aber eS war so. 17M trat zum ersten Male Daniel Mendoza als Barer ans und wurde in wenigen Jahren eine Weltberühmtheit. Er war englischer und Weltmeister im Schwergewicht, der einzigeEliai» pion in dieser Kategorie, den die Juden hervorgebracht haben. Fast alle großen borhistorischen Werke! nennen „Daniel Men doza, one of the most elegan: and scieritific; boxers recordcd in the annals of pugilism". Er bewirkte chic neue Art des Borens. Zn jener Zeit wurde mit blv'.en Häuften gekämpft und cs gab keine vorgeschricbene Nundcndauer oder Pausen. War ei» Borer zu.Boden, galt die Nnndd als beendet und er mußte innerhalb von dl) Sekunder wieder gntreten, sonn haste er verloren. Mendoza erschien noch als 43jähriger im Ning und schlug in Nunden. in 5 ßtiertelslunden night, den jungen Ehampion Harry Lee. Ja, sogar mit 57 Jahren kämpfte er noch einmal, allerdings verlor er da. Hi Jahre später starb er, eine Witwe und ll Kinder hinterlassend, wie man sieht, eine Art Patriarch des Fausfkampfes, der doch nicht io fnrchl bar scklädlich sein kann, wen», sogar unter den damaligen denk bar brutalsten Bedingun;ten! seine Jünger stark und gesund. fast biblisches Alter erreichten. Nicht viel iveniger berühmt TABUISIERUNG >DES ABSATZES 7 Herr Verkaufsdirektor! Diese Broschüre behandelt in großen Zügen, das Geschäftsproblem unserer Tage und enthält für Sie wertvolle Anregungen. Sie steht auf Verlangen kostenlos zu Ihrer Verfügung. -Bitte teilen Sie uns Ihr« Wünsche mit. KAR b EX BERLIN-FRIEDENAU / BENNIGSENSTR 54