Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 6 (10.1928)
- Date
- 1928-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/4892693-5739357-5769845--0958-4893580- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
seile 2 iemeindeblatt der Isru Religiöse Sitten und Bräuche '.iüi» W.ihbi ior Tr. B I. W^-r die seele einer kenn.mlernen n ill. nmr, nicht allein mir die Ideen nnd lehren derReligioik a>!rte», sondern auch mir die lebendige Ixömmigkeit ihrer Beke tncr. ans die sikken und Branche, in denen das reliaiöse ycb sichtbaren Ausdruck rindet. Cin den sitten nnd vrrenbart rieh die Seele der Religion: in ihnen norden die rner, mir n reinen Bräuchen Rssligron iin verborgenen wirkenden gräfte offenbar. die die ichnrrcn nnd >vacherhalle». oin '1 tlerheiliititeu des jernrälemifchen Tempels bbsand siel, eine Thorarolle. die ans Pergament geschrieben u^rr. jeirer :jeit iveder Bnchdrnckerknnsi noch Buchform waren. ''ii nnrereni Hanse haben ivir jetzt eine weil in bekannt gedruckte Bibel, aber im beiligen Schrein nur'eres Gotteslrc uses be- ' rindet rieh noch in der Gegenwart eine von einen Thoraichreiber geschriebene Thorarolle wie vor Jahrtausenden. Ans nnserein sabbattisch leuchten noch Hetzte zwei >ter>en, und iür die ewige Lampe. die vor der heiligen Lade unseres i'lotteshanses brennt, wird Tel verwendet wie in vercangenen Seiten. Ter schoiar. dessen Töne uns am Neujahr stag das Gottesgericht künden, in ein primitives, ans einem Widderborn bergeilelltes Instrument. Wir kennen nxrhrlic, feinere Musikinstrumente. deren Töne unser Herz nnd aiirznrütteln vermöchten, allein die Macht der Tradi ion halt »ns davon zurück, den Schoiar durch ein moderne Munk innrnnient zu erieven. Auf allen Lebensgebieten muß das teilte dem Besseren weichen: im religiösen rieben ab.'r bleibt das Alte iind Heilige bestehen: hier heiligt der Erholt die Iorm. nird die Iorm bleibt bestehen, auch wenn des Inhalt sich wandelt nnd verändert. Tie Macht der Tradition sehen wir überall in nnrerem religiösen Leben. Ter jüdische Bater iegiret noch in de - Gegenivait sein >rind durch .Handauslegen wie in alter Zeit und mir denselben Worten. die unser Erzvater Jakob einst, seine Enkel segnend, ans dem Sterbebette gesprochen ha : „Gott mache dich rvie Ephraim nnd Manasse." Tie Aboda am Bersöbnnngstag enthält eine Tarstellnng des hohenprie rerlichen Tiennes im jernsalemischen Tempel und bildet no h heute,! bald zweitausend Jahre nachder Zerstörung des Tempels, l eiiren wesentlichen Bestandteil des Mnssasgebetes cm Beksöbnnngstage. Tas liebet ..Ieknm Pnrkan'. in >em der segen sür die Erilarchen nird schulbänvter in Baiylonieir herabgerlebt wurde, wurde in Frankreich und in Tentschlanü noch in einer Zeit verrichtet, in der es keine Lehrhä >ser und auch keine Lehrer nnd Erilarchen in Babvlonien > whr gegeben bat. Es gibt sitten nnd (Gebete, die. ans einem bestimmten Anlaß eingerührt, später ausrechterhalten wurden, sübst als der Anlas; iortirel, dem ne ihre Einsührung verdank en. 'sir aller deit diente ein Wannt in der Synagoge als Herberge rür die durchreisenden Armen, die dort ihre Mahlze ten ein nahmen, lim dieser Armen willen wurde das >tidd ischgebet am Freitagabend, das an den Iamilientisch im Hause gehörte, in die Synagoge verlegt nnd blieb dort ein Teil des Gotteselitischen Religionsgemeinde Dresden Gewissen Nr. 6 e r g m a n ii: Berlin dienstes, selbst als die Synagoge nicht met r als Herberge iür die Armen verwendet wurde., Zur Zeit der sabbatianischen Bewegung ivurde in Amsterdam eingesühr , daß zu Ehren der Messiaszeit der Priestersegen an jedem S ibbat über die Gemeinde gesprochen werde. Tie sabbatianis he Bewegung ging vorüber, Sabbatai Zwi wurde als falscher Messias erkannt: die einmal eingesührte Sitte aber besteht dort in der portugiesischen Synagoge noch in der Gegenwart. v',t der-Natur wirken zwei Iträfte, BWerbung und An paisnng. so sind auch im religiösen Leihen Tradition und Entwickliing wirksam. Tie Tradition he iligt die von den Bätern vererbten sitten, das Leben daeegen fordert Entwicklung. Wandlung nnd Anpassung. Wie die Wörter einer lebenden Spracke. so sind auch die Litten und Bräuche in der Religion einer iortdaueruden Ent- Wicklung unterworsen. 'm Israel wurdm die Toten ursprünglich in ihren >tleidern beerdigt. Bold aber wurde aus übermäßiger Liebe zu den Toten ein solcker Lurus mit den Leichenkleidern getrieben, daß viele, die die großen Ausgaben nicht erschwingen konnten, ihre Toten im sticke ließen. R. Wmmilid verordnete daher, daß man ihn selbst in einsachen Linnenkleiderw bestatte, und die Berordnunq dieses Lehrers wird noch in der Gegennxrrt befolgt. Im alten Israel ivar der sarg unbekannt. Im talraudifchen Zeitalter dagegen wurden die Toten in Särgen be tattet: ohne sarg begraben Zu werden, galt damals als schimpflich. Im vierzehnten Jahrhundert nahmen die Juden in Spanien nach dem Zeugnisse des R. Rissim vom Gebrauche drr Särge Abstand, und in der (Gegenwart werden die Toten wieder in Särgen bestattet. Im Anfang las jeder zur Thora Gerufene selber einen Abschnitt aus der Thora vor. Als jed ich die Bibelkennt nis abgenommeir hatte, wurde ein Borlaser bestimmt, der allein aus der Thora vorlas, während der zur Thora Gerusene schweigend daneben-stand. In Jemen, wo die Bibelkenntnis verbreitet ist. liest noch in unseren Tage, jeder zur Thora Gerufene selber den Abschnitt vor. Wer nicht vorlesen kann, wird nicht zur Thora gerufen. In jeder lebenden Sprache gibt es Wöri er. die ihre äußere ‘ rtornt zivar bmxthreit, aber ihren Sinn uijd ihre Bedeutung verändern, so verändern religiöse Sitten zuweilen ihren Inhalt, wenn sie auch ihre s^orm beinah en. Tie Passahseier unserer Ahnen zur Zeit des Tempels ivar verschieden voii der Sederieier. die der jüdische Bater jetzt im Familienkreise abhält. Ter Hoschanatag, der siebeifte Tag des Laubhüttenfestes, war gleich den anderen Tagen! dieses JVeftes ein Ireudentag und wurde später dem Versöhn» ngstag gleichgestellt. Manche pflegten an diesem Tage sogar zu fasten. Tas .äaddisch. im Anfang ein Gebet, mit! dem der Gottesdienst oder die Thoravorlesnng abgeschlossen wurde, wurde später zu einem Trauergebet, das die .Eindir für das Seelenheil der Eltern verrichten. j Es gibt religiös? Sitten, die, gleich einzelnen Wörtern in' der Sprache, entstehen und nach einem kurzen Tasein wieder vergehen. Tie Juden in Spanien pslegteis aus den Tischen. -SPORTPLATZ. A N im oatra-Ge KOCHBA,. LAGE- SGE . Wir seben uns die Ehre, Sie uiid Ihre werten Angehörigen zu dem anläßlich der Eröffnung unserer Sportplatzanlage fonnabend den 13.0ktoj>er1928, abends 8 Uhr in sämtlichen Räumen des Parkjhotels Weißer Hirsdr, Eingang großer Festsaal, jstattfindenden REPRÄSENTATION-iFESTBALL l ergebenst einzuladen. j DRESDNER SPORTVEREIN BAR KOCHBA, E.V. Der OttMMtvorstaad-1 '