Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 5 (9.1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 (Beineiiibeblott der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Seite 7 Wolke -ringt ein Bün-el schräger weißer Strahlen hervor. Und -er Fisch schwimmt über -ie Kämme der Wellen, und Satjes Boot eilt ihm nach . . . Plötzlich verschwindet der Fisch, und zwischen ihw un- Satjes Boot erhebt sich, vom Winde aufgeblasen ungetrieben, eine Welle . . . „Er will mich inS Verderben locken, es ist ein Blendwerk!" denkt sich Satje unwill -as Boot wieder wenden und zurückfahren. Im selben Augenblick legt sich die Welle, der Fisch kommt fast brs ans Schiff heran und blickt Satje mit große» Augen an, als ob er chn bäte: „Fange mich, fange mich . . . Verrichte -ein frommes Werk, gewähre mir die Gnade, deinem Werke zu dienen." Satje wendet das Boot wieder um — und der Fisch »st schon wieder verschwunden! Eine neue Welle hat sich zwischen ihm und dem Boot erhoben, und das Meer beginnt wieder zu wüten. Es ist kein lustiges Lied mehr, das das Meer singt. Es zürnt: „Diese Bermesseuheit, jetzt auf mir zu fahren und meine Wellen zu treten!". Und die Sonne versteckt sich ganz unter der Wolke,-als hätte sie sich vor dem Meere erschrocken. Ter Wind scheint nur darauf gewartet zu haben: nun ist er frei, er tobt in seinem 3orn und peitscht wie mit Ruten daS Meer und reizt es noch mehr auf.. Und das Meer -raust und dröhnt, wie wenn tausende Baßgeigen in seinem Schlunde und tausende Kesselpawkon in seinen Wogen tönten ... „Nach Hause, nach Hause!" klopft Sgtjes .Herz, und er zieht das Netz ein, ergreift -as Ruder und arbeitet mit aller Kraft: -ie Adern an seinen Armen schwellen an und wollen reißen. Wie eine hohle Nuß springt das Boot über die Wellen, schwarz ist der Himmel, braun und zornig das zerwühlte Meer. Und er arbeitet immer mit aller Kraft. Nach .Hause .. . Nach Hause .. . Plötzlich sieht er, wie etwas von der Seite zu ihm heranschwimmt — es ist ein menschlicher Körper, ein Ertrinkender — eine Frau — ihre Haare schwimmen vor ihr her. es sind schwarze Haare — sein Weib hat solche Haare . . . Unter den Haaren leuchten weiße Hände hervor — sein Weib hat solche Hände . . . Und eine Stimme ruft: „Rette mich!" — Es ist seines Weibes Stimme — die Stimme der Mutter seiner Kinder . . . Sie ist chm wohl mit einem andern Boot nachgefahren. Sie ertrinkt, sie ruft ihn um Hilfe an . . . Und er wendet das Boot nach rechts und will sich deisi Körper nähern — das Meer läßt ihn nicht! Die Wellen erheben sich zwischen ihm und der Ertrinkenden, der Sturm heult und tobt, aber auch durch den Sturm hindurch hört er ihm Stimme: „Hilf! Hilf! Satje. hilf!" ... Und er nimmt seine letzten Kräfte zusammen und rudert aus sie zu. Er ist nicht mehr weit von dem weißen Fleck. Er sieht ihre.Haare nicht mehr, er sieht nur noch das schwimmende, versinkende Kleid ... Es ist so nahe, daß er mit dein Ruder hinlangen kann ... Und wieder erhebt sich zwischen ilii» und seinem Weib eine Welle und wirst sie nach der einen und sein Boot nach der andern-Seite ... „Ein Blendwerk!" denkt er-sich und erinnert sich, daß er vorhin dasselbe mit dem goldenen Fisch erlebt hat. Unwillkürlich wirft er einen Blick nach dem Strande und sieht, daß in den Fenstern der Fischerhäuschen schon Licht brennt! „Jejm-Kippur!" erinnert er sich und läßt plötzlich das Ruder aus der Hand. „Tire mit mir, was dir willst!" schreit er zum Himmel hinauf. „Aber am Jejm-Kippur rudere ich nicht!" ... Und der Sturmwind tobt, die Wellen werfen das Boot wie mit einer Schlchrderpfanne' hin und her. Und Satje. der 1 Schleuderpfanne (1. Samuel, 25, 29J' — eine der höllischen Strafen. Die schmale Front—% unseres GeschBftsloKals hindert uns nicht, auf I breiter Basis zu arbeiten. Sieben Motoren unter- I stützen die Leistungen unserer Mitarbeiter. I ■ Brillen - Roettig Prager StraBa 23 ■■ E