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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1928-06-01 · 2 (6.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
4 (1928)
Issue
2 (6.1928)
Date
1928-06-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2 lemeindeblatt der Jsrae litischen ReligionSge meinde Dresden Aus dem Wege zum Reichsverboyd der deutschen Juden Am 3. Juni begann in Köln eine Beratung der van d>!n Landes verbänden jüdischer l«emcinde„ in Deutschland cingeseuten Kom Mission zur Lchaffung einer Reichsorganisation. ES gi I. die ans der Nürnberger Tagung begonnene Arbeit zu Ende >u führen. Die für denselben Tag einbcrufene provisorische Arb, itSgeineinschaft. die im wesentlichen über Irrigen der LehrerauSb ldung »nd die Lchächtfragc beraten sollte, kam infolge der bis in die Nacht hinein dauernden Beratungen nicht mehr z«»m Arbeiten. Die Kommission selbst war genötigt, einen Teil der Tagung a if Montag zu verlegen. Zurück blieben, die Beschlußfassung über ten Namen der ReichSorgauisation, die Möglichkeit von Verfassungs, ndcrungen und die Bestiminungcn über die finanzielle Umlage. Zu Beginn der ersten Sitzung am Sonntag betonten die Vertreter der Jüdischen Bolkspartei noch einmal, daß die Vo kspartei i» Uebereinjtimmung mit weiten Kreisen (auch der Liberc len) die in Nürnberg gefaßten Beschlüsse über die Form des Reick «Verbandes nicht billigen könne. Tie fordere einen von Anfang an! emokratisch organisierten Reichsverband, der nicht aus den einzeln m Landesverbänden. sondern unmittelbar aus den Gemeinden «ervorgeh.n und dessen Lrgane nach einem demokratischen Wahlrc ht gewählt werden solle». Demgegenüber erklärte LberlandesgeriS «tsrat Ne»- mcyer-München im Namen der süddeutschen Verbände, daß diese den Beschluß gefaßt hätten, dem Rcichsverbande nur! an» beizutrcten, wenn die Form des Dachverbandes beibehalten würde. Es wurde beschlossen, die prinzipiellen Auseinandersetzungen dadurch zu unterbinden, daß nur die Fortsetzung der in R irnberg begonnenen Beratung über die einzelnen Beitimmunge i des Entwurfes Neumeyer, der bereits die Billigung der süddel tschen Verbände gefunden hat, zugelassen lverde. Im Gegensal' zu einem Nürnberger Beschluß wurde gemäß dem Nürnber >cr Antrag Dr. Klee hier beschlossen, daß jeder Landesverband iniiDeftenS eine Tlimine im Rate der Reichsorganisation haben solle. Demnach tverden im Rate der einzelnen Länder folgende Anzah von Ttimmen haben: Bayern -5, Tachsen 3, Württemberg 2. Baden 3. .Mamburg 2, Thüringen 1, Hessen 2, Mecklenburg l, L Idenburg I. Braunschwcig 1. Anhalt I. Lübeck I. Breme» l, Lippe 1; außerdem der Deutsch-Israelitische Gemcindcbund 2. die ZentralwohlfahrtSstelle l. die Rabbiner-, Kantoren- und Lehrerverbände 5 Vertreter. Die nichtpreußischen Verbände entsenden somit 25. Preußen (gemäß dem Nürnberger Beschluß, daß es nicht mehr als im Verhältnis 50 Prozent minus 1 vertreten sein dürfe) 24 Vertreter. Deip Rat der Reichsorganisation wird von den Ratsgrcmicn der Landesverbände gewählt werden. Entgegen einem früheren Bi schluß. demzufolge die Rabbiner- und Lchrervcrtreter den beide r religiösen Hauptrichtungen angehörcn müßte», wurde auf Antrag Dr. Kollenscher beschlossen, daß diese Bestimmung in Zukuuft'fort« allen müsse. Es ergäbe sich z. B. die Notwendigkeit, gegebenenfalls auch einen Vertreter der Mittelpartei zuzulasse». Von grundlegender Wichtigkeit war die Beschlußfass» ng über die Zusammensetzung der Reichstagung. Beantragt wuröe, daß die Mitglieder der Tagung überall dort, wo aus llrwaklcn hcrvorgegangcne Landesversammlungen existieren, von dies, n nach den Grundsätzen des Proportionalwahlrechts gewählt werde i; wo solche demokratische Wahlen nicht stattfinden, seien Urwal ten auSzuschreiben. Die Vertreter «achsenS und Hessens erklär en, daß sie, falls ein solcher Beschluß gefaßt würde, dem ReichSv rband nicht beitreten würden. Eine solche Ausschreibung von Ilrwihlcn würde in Sachsen Rückwirkung haben auf die Wahlen zu den (Gemeinden, die getrennt nach Inländer- und Ausländcrkuricn, wcbei die Jnländerkurie trotz geringerer Anzahl der Mitglieder mehr Mandate zu besehen hat. stattfinden. Gegen diese Auffassung pol, »lisierte der Volksparteiler Dr. Sandler, der jede Beschränkung der Ostjuden als in Widerspruch zu den Tendenzen, auf denen sich der Zusammenschluß aller Juden in Deutschland aufbauen müsie, erklärte. Schließlich wurde eine Uebergangsbestimniung angenommen, nach der die Abgeordneten der beiden genannten Verbände ür die erste Wahlperiode durch die Verwaltungsbehörden der bei >en Landesverbände zu ernenne» sind. Darüber hinaus wurde beschlossen/ daß der Rat zwölf Mitglieder der Tagung von sich aus berufen dürfe, die alt sogenannt? »Kulturträger" bezeichnet wurden. Es sollen dies Vertreter der theologischen Lchranstaltc». der Zentralwohlfahrtsstell:. der Kan- ■ Z leite 9 toren- und Lchijerverbände und andrer nichtpolitischer organisationen sc Täiutliche Bes Landesverband ei daß die Ttimmap, eines ganz kleine Beschlüssen wurd, Bayern gefaßt, teilungsblatt.) lieichslüssc wurden in einer Abstimmung, boi d> nc Stimme führte, gefaßt. Es ergab sich 'gäbe des Preußenverbandes durch die i Verbandes aufgehoben wurde. Eine Re vo» den kleinen Verbände» gegen Preuf '«Weitere Ausführungen hierüber sieh jeder häufig, tiuime he voa en und Mit- Sie imelmWge Mlime efieoernifiilnnat Tie gemeinnützige jüdische Ehevermittlungsstelle 5oll in erster Linie dczu berufen sein, der jüdisckgen Eberot der (Gegenwart zu steuern, die Ehelosigkeit zu bekämpft n, den Willen zur Eh ' zu stärken, dadurch die Zahl der ji dischen Eben zu vermehren und zugleich die der Mischehen >» vermindern. Es ist eine Tatsaclie, daß taufende jüdische jung« Männer und Mädcke», die durcksaus zur Ehe geeignet wären, unverheiratet beiden. Tie Ursack>en sind teils uinenr, teils äußerer Natur. Es tragen zur Abnahme der Ebeschlie jungen in erster Linie die wirtscl-astlichen Schwierigkeiten lei, vor allem die Verarmung des Mittelstandes, welckgs die. Gründüng eines eigenen Hausstandes erschweren oder unmöglich machen., Tazu kommt das außerordentlich zerstreute! Lahnen der deutschen Juden — (>00 000 Juden wohnen in n ehr als 15>00 Orten —, lvodurch die Anbahnung einer Ehe e'schwort wird. Auch di: zunehmende Landflucht ist von.erb, blichem Einfluß, derzwolge vor allem die jüdischen Männei in die Städte einwanlicrn, die jüdischen Mädchen aber viel ach zurückbleibcn. Für letztere ■ wird infolgedessen die? usivahl unter geeigneten Ehepartnern stark eingeengt, so das., wenn nicht die Heira sanzcige zu einer Eheschließung gefü irt haf, ihnen, wollen s«e nicht ehelos bleiben, als letzter Ausl >sg nur die -Verwandte«cheirat oder die Mischehe übrigbleib . Ten zahlreichen jüd schen Mädchen, die in den Städten ,«ls Angestellte tätig Und, steht niemand zur Seite, der ih len bei der Eheanbahnung unterstützend an die .Hand gebt. Vielen tüchtigen jüdischen Mädchen ist es unmöglich, z«ir Eheschließung zu f dangen, weil fit* vermögenslos sind. So ist cs heute mehr oder minder dem Zufall überlassen, ob die jüdischen jungen Leute zur Verehelichung, die sie e-sehnen, gelangen oder licht. Neben den äußeren sind es innere Gründe, wclche die Eheschließunger erschweren: Es sind dies die zu-hol en Ansprüche, die vii lfach sowohl von Männern wie von Frauen an den Stande rd der Lebenshaltung gestellt werden welche der zu schließe» den Ehe zugrunde gelegt werden soll. Temgegenü! >er hat die geplante gemeinnützige jüdische Ehevermittlunssstelle eine dreifache Aufgabe zu erfülen: 1. Soll sie eine sich über ganz Teutschland erstreckende Lrganisatio i der Eheanbahnung darstellen, um all die Hindernisse zu beseitigen, welche jetzt der Ebesckließung entgegenstehen. 2. Soll eine .('affe gegründet werden zur Ansstatti ng unbemittelter üdischer Mädchen, um diesen die Ebesckließung zu ermöglicken. Tic Kasse wärb aus den lleberscbü sen des laufenden Betriebes, Geschenken. Stiftungen i sw. zu speisen. * ' 3. Soll es ir ideeller Hinsicht Aufgabe der gemeinnützigen jü nschen Ehevermitllnngsstelle sein, gc sündere und vermin tige Anschauungen! über die Ehe unter «mseren Glaubensge rossen zu verbreiten. Es soll mit de n Vorurteil aufgeräumt werden, daß das Glück in der ( he nur durch den materiellen Bssitz bedingt ist: die vie fach in dieser Richtung sich bewegenden übertriebenen Anforderungen müssen herabgesetzt werden. Es soll citjic Um* Nlllir MAX XfilPS, INHABER DRESDEN»N., KONIGSBRÜ AI,DIN WAUEß Künstlerische Wohnun BESICHTIGUNG ERBETEN NIGSBßüCKEB ^seiniiditunß grösste; > STRASSE! 50 en in allen Preislagen HAUS AM PLATZE wmmMmwmmwmmmwrnmmmwmim 29

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