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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1928-04-30 · 12 (30.4.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
3 (1927-1928)
Issue
12 (30.4.1928)
Date
1928-04-30
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Leite 2 Gemeindeblatt.der Israelitischen Religio nSgemeinde Dresden Sephirah* Bo» Rakbiner L. Baneth, jtlötfif n Nr. 12 Nnn itirnm dich zur Lust, istcinc Leier» und lache! Umsonst! — Xit* Lachen A-Iingl dir schlecht! Ei freilich, wir haben ja jetzt Lepbira, Und dann — wie lackt denn ein Filde, spreckt! Morris A o s c n f e I d. Es isr eine Eigentümlichkeit unsrer synagogalen Munk, iKifi, iiHibrcnö die .Hauptgebete das gpnze Jahr über die nleicben bleiben, die Melodien zu diesxn seiden (Gebeten je »acb den festen sich ändern, wie ja auch der Mensch iin 2ommer und Winter und nach dem Charakter der Veranstaltung. zu der er sich begibt, sein Gewand lvechselt. Wesentlich tiir eine wnagogale Melodie ist also nicht immer der Jnbalt eines Gebetes, sondern die Gelegenstes, die Zeit, das Fest, zu dem es gebetet wird. Auch das aus dem 10. Jahrhundert srammende Lecbo dandi, das das beliebteste zur Einleitung des Labbatgottesdissnsies dienende Freitagabendgebet geivorden ist und eine freudige Aufforderung zur freier -des heiligen Tages darstcllt, tauscht sein so unbesorgt heiteres Mclodiengcivand mit einem ernsteren, tvenn Zeiten trauriger Erinnerung es fordern. Lolch schmerzliches Gedenken weckt die Lepbira. die Wochen zwischen dem Passah- und dem Lchabuotteste. Während die an den Monat Isar sich knüpsenden Beschränkungen von den meisten nicht mehr beachtet werden, lebt die an Mozart gemabnende, an und für sich nicht Iranrige. aber ernst und ivehmütig vorgetragene Sephiramelodie des Lccho dandi,, gern gehört und mitgesungen, als fast möchte ich sagen — sichtbarstes Zeichen der Lephira in unsren .Kerzen. " Lepbira. in unsrer Aussprache Septnro, genauer Lepbiras -boaumcr. bedeutet Zählung des Aumer und beruht aus dem Gebote der Bibel (3. B. M. 23, 15): „Ihr sollt zählen vom Tage nach dem Labbat «Festtage). nämlich von dem Tage, an dem ihr das Omer dargebracht; sieben volle Wochen sollen es fein. Bis juin Tage nach der siebenten Woche zählt ihr ijjinzig Tage, dann bringt ihr^Gott eine neue (»labe dar." lieber die Bereitung und Darbringung des Omer (vgl. 3. B. M. 23, 10» haben wir in der Misctma (Menachot cp. 10) eine ausführliche Schilderung. Bis, zum Passahseste' ist die Vegetation in Palästina schon ziemlich weit vorgeschritten und mancherlei Pflanzen und Früchte sind gereist, doch durste noch nichts von der neuen Ernte genossen iverden, bis von ihr ein Opfer dargebracht ivar. Dieses Opfer war das Omer, das man nicht wie die übrigen Speifeopfer aus dem edleren Weizenmehl, sondern ans Gerste, dem ersten Frühgetreide, bereitete. Schon vor dem Passahffste besichtigte man die Felder, zunächst die in der Nähe -von Jerusalem, um schnittfäbigc (-erste zu finden. Am Abend nach dem ersten Passahtage. ivenn wir in trautem Familienkreise den zweiten Sederabend feiern, der bekanntlich wie alle zweiten Feiertage nur außerhalb Palästinas begangen wird, gingen Abgesandte zu den vorher bestimmten Feldery. Eine große Menschenmenge ans den umliegenden Orten stellte iich zu diesem feierlichen Akt ein. War es dunkel geworden, so vergewisserte» sjch die drei Führer, ob der neue Tag.schon angebrochen ist, indem sie laut dreimal fragten, ob die Lonne untergegangen sei. Wurde dies dreimal bejaht, so schnitten sie drei Lea — 1 Epha , Hohlmaß von 30 Liter) Gerste und brachten es in ihren störben ins -Heiligtum. Dort wurden die Körner getrocknet, geröstet, gemahlen und dreizebnmal gesiebt, bis das Mehl »ein genug »iar. Hiervon, nahm der diensttuende Priester * Aus der Gemeindezeiiung für Änbalt. ein Omer — ein Zehntel Ept>a — 3,0 Liter, bereitete es mit Oel und linderen Zutaten zu und brachte eS am 2. Passah tage, dem 10. Nissan, als Opfer dar. Von diesem Omeropfer, das übrig ms im Gegensatz zu der herrschenden Ansicht die Saddu.zäei, dem Buchstaben der Bibel entsprechend, immer am Sonn ag> „dem Tage nach dem Sabbat" opsern wollten, sollte man sieben volle Wochen zählen und am fünfzigsten Tage „den Tag der Erstlinge", das Wochenfest feiern, und an ihm vcn dem.inzwischen reifgewordenen Weizen ein Opfer darbringe >. Ursprünglich ivar wohl das Gebot, sieben Wochen zu zähle», nur eine Zeitbestimmung; aber für den religiöse» Menschen, der in religiöser Hinsicht nie genug tun kann, ist keine Bestimmung seines Glaubens unwichtig. Wie man ctHKi in Envartung eines lieben Vertvandten oder eines wichtigen, entscheidenden Ereignisses die Tage, ja oft die Stunden zählt, so zählt der Jude mit freudigem Gefühl die Tage vom 10. Nissan bis zum 5. Silvan. Für ihn ist die Sephira Angelegenheit des Herzens, nicht des rechnenden Verstände?. Diese Tage des »en beginnenden Lebens in der Natur sind nichl nur bei uns Juden mit Blut geschrieben. Ter Frühling läßt im Kriege nach der Winterruhe die Kämpfe aufs heftigste von neuem aufleben. Wer erinnert sich nicht noch, wic in den Pessachtagen die aufreibenden Schlachten begannen.und die Kriegsberichte wie die Verlustlisten immer größer wurde»! Ter Witterungsumschläg im Frühling hat zudem viele Krankheiten und Seuchen im Gefolge. So sind uns, die wir ein feines Gedächtnis für die Begebenheiten unserer (beschichte haben, die schönen Tage der Sephira, „>vo die Sichal anhebt in der Saat", eine Zeit der Trauer geworden, :» der wir Hochzeiten wie andere Lustbarkeiten nicht ablsälten. iwch an ihnen teilnehmen. Eine Ausnahme bildet der 33. Lmertag, Lag beomer (18. Jjar). Tie Sephardim rechnen l ierbei von Pessach bis Lag beomer, während bei uns nur im Monat Jjar mit Ausnahme des 18. Freudenfeste nicht stattfind, n dürfen, wobei die Anzahl der Tage bei uns wie bei den Sephardim ungefähr die gleiche ist. In der Lmerzeit war es, vor etwa 1800 Jahren, als eine schwere Seuche die lösten Kräfte unserer Jugend, hervorragende Schüler Rabbi Akibas, dahinrasfte. Am Lag beomer ließ die Seuche »ach. Währen, > der Trauercharakter der Sephira vielfach vergessen wird, ist Lag beomer eins der schönsten kleinen Freudenfeste itroen sprich: Cltrone Das beste 6-RS-Auto mobil in eilen Ausführungen. Preis eb Werk Köln-Rhein von RM. i ■ I FfltZ Ichlee, Aktiengesellschaft Leubnltzer Str.1T Sidonienstr. 8 j DAS HAUS FÜR VORNEHME .DAMENBEKLEIDUNG-. D R E S D E N - A. PRAGER STRASSE 34, TELEPHON 21740 I

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