Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 11 (31.3.1928)
- Date
- 1928-03-31
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Gi emeindeblatt der Israelitische» Religion^gemeinde Dre-den Nr. 11 DAS HAUS FÜR VORN Eh DAMENBEKLEIDU IA1E \ V NGl X V DRESDEN-A. PRAGER STRASSE 34, TELEPHON -1746 Die Samaritaner und ihre Pefsachgebra'uche Vor einem Menichcnaltcr (1866) Von Tr. Cdfar Sinccrus, Eharlottenburg unternahm der bekannte französische Schriftsteller Pierre Loli eine Reise nach Palä skina. In seinem Bericht über diese be erwähnte der farbenprächtige Schildercr auch die Samaritaner ans Veranlassung eines Besuches in der Stadt Rablu >. Dieser Raine, in der bellenistijchen ^Jeit entstanden, besagt nichts andres, als Reapolis — Rensladt, woraus er verunstaltet wurde. Ursprünglich dich der Qrt Sichern, die alte Haupt tadt des Landes Israels, die den Rameitv S a m a r i a anna )»i, nachdem der König Salmanassar von Assyrien, der Bl Neger des israelitischen Königs Hosea aus verschiedenen Teilen seines ausgedehnten Reiches Kolonisten dorthin geführt und ansässig gemacht batte <2. Buch der Könige 17,24). ^Anfänglich Götzendiener, ivurden ne durch eine von Gott aber sie gesandte Plage, reißende soweit, dazu veranlaßt, M dem Judentum anzuschließen. Run bekamen ne den algebraischen Rainen G^re aräjoth, d. h. Löweuproiclyten: alcs man aber bei weiteren Rachsorschuugen entdeckte, daß sie aus dem heiligen Berge (4armm eine Taube verehrten, gaüen sie von nun an allgemein als G're scbeker gleich Lügenproielyten, wurden als Heiden betrachtet und von den Juden verabscheut. So entstand Feindschaft zivirchen unsren Porfahren Kuthäern (nach der Stadt Kutba, der zweiten bedeutenden Stqdt, aus der ein beträchtlicher Teil von ihnen ftpinnUe, bezeichnet). Von Serubabel ivurden sie vom Bau des zweiten Tempels ausgeschlossen. Dafür rächten sie sich durch Verleumdungen, die sie am persischcit Hose über die Juden ausstreuten, wodurch eine l.'siährrgc Unterbrechung des Tempelbaues entstand. Ramentlich der Samaritaner Samballat hat sich hierbei, leider auch unterstützt durch einige vornehme, aber mit der Führung von Esra .und Rchensia unzufriedene jüdische Familien, im Anzetteln von Ränken! hervorgetan. Das gleiche taten sie zwei Jahrbunderte später! zur Zeit Alexanders des (Großen, wo cs ihnen beinahe gesungen wäre,' das Eigentumsrecht auf dem Berge. Morijäh zu erlangen und den Tempel in ihren Besitz zu bringest, wenn dies nicht rechtzeitig durch den Qberpriester Simjn den (Gerechten vereitelt worden wäre. Zur Strafe dursten sie sogar nach einem Erlaß des Eroberers an Roßichiveifen van den Juden bis an den heiligen Berg geschleift werden. Dieser Tag wurde lange Jahre i» Palästina bis zum völligen Aufhören der Selbständigkeit als Freudentag gefeiert. Ter „Tag des Berges Gariiim", nach dem den Samaritanern, wie oben erwähnt,- heiligen Berg so genannt, fiel nach dem babylonischen Talmud mitten in das Ckfanukkahfest, nach einer!andern Quelle etwa vier Wochen früher. Jedenfalls näherten sich die Samaritaner von da an immer mehr dem unverfälschten Judentum, SEIDENHAUS >4C0ßy »vählten zwar einen isigenen Oberpriester — als erster fungierte Menascheh aus jüdischem Priestergeschlecht — erklärten aber den Pentateuch als verbindlich. Außerdem hatten sie ihre eigene Tradition. Rach diesen Vorfällen war die Geschichte der Samaritaner oder Kuthäer über zwei Jahrtausende in tiefes Dunkel gefüllt. Gleichwohl haben sie im heiligen Land ihr Volkstum bewahrt. Als Pierre Loti nach Nablus kam, war der ganze Ort wie ausgestorben. Wie er später vom Oberpriester Cohen Jacob den Ahron erfuhr, war es der Vorabend des Pessachseskes. Lie ivaren mit Kind und Kegel auf den heiligen Berg Garisiui gezogen, um dort Pessachlamm nach der biblischen Vorschrift zu opfern. Sie nennen ihr t$cft Pessach den Menascheh, »veil dieser ihren Kultus eingerichtet hatte. Während des festes bleiben sie auf dem Berge in Zelten und bringen ihre Pessachopfer dar. Ter vor V/t Jahren so jäh durch einen Unglücksfall ums Leben gekommene Berliner Rabbiner Tr. Bernhard Königsberger (früher ist Pieschen) ließ sich, angeregt durch Pierre Lotis Schilderung, mit dem Häuptling der Samaritaner über ihre religiösen Gebräuche, speziell am Pessach, in einen Briefwechsel ein. Dabei erfuhr er noch folgendes: die Samaritaner essen während der sieben Tage ungesäuertes Brot (Mazzoth), das sie alltäglich meu backen. Bei ihnen kommt kein Chomez zu Gesicht, und wenn sie in der Stadt blieben, könnten sie dieses göttliche Gebot nicht halten (5. Buch Moses 16,466 und 2. "Buch Moses 13.7) , denn „es soll nicht gesehen werden". Was diese Auslegung anlangt, so scheinen die Samaritaner, ebenso bezüglich der acht Tage dauernden Auswanderung (nach 2. Buch Moses 16.7) „erst am Morgen nach dem Feste darfst du wieder in deine Zelte zurückkehren", gleich den Karäern Buchstabengläubige und Wortklauber zu sein. Die Worte „du sollst kein Chomez sehen" beziehen sich, wie der folgende Zusatz beiveist, nur auf das dem Besitzer selbst zugehörige Chomez, nicht aus fremdes. Auch bei andern biblischen Geboten verhalten sie sich ähnlich. Entweder befolgen" sie sie aus irgend- ' einem Grunde gar nicht, wie die Leveratsehe (Chalizoh),' oder sehr streng, beispielsweise die Reinigung der Frauen > (Riddah). Letzteres ist bereits aus dem Talmud bekannt, j Immerhin wäre es von Interesse, auch ihre sonstigen Festgebräuche und Einrichtungen näher kennenzulernen. In jetziger Zeit, wo ja so viele intelligente jüdische Westeuropäer I in Palästina angesiedelt sind, »veil mehr als vor 32 Jahren,! bemüht man sich, zumal es sich um einen untergehenden von Jahr zu Jahr an Bevölkerungszahl abnehmenden Stamm handelt, diesen aufzuhelsen und ihn zu erhalten. 4<itht,us führend in Seide und Samt für SiroJbe und Qe/eHfchoft