Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 10 (29.2.1928)
- Date
- 1928-02-29
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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«r. H» Seite 9 _____ Gemeind^blatt der Israelitischen Religi onSgemeinde Dresden fnmtheit verpflichtet. Für „ns foniuxt nur eine Betätig»»« ouf der Basis der Temokratie . nicht in, parteipolitischen Sinne - in Betracht: Auslese der Tüchtigsten, woher sie koniincn. und Gerechtigkeit gegenüber allen." Redner schliej.t mit der Anfsvrdcrnng an die deutschen Inden. Bekennernint >n zeigen. Tr. Norbert R e g e n s b n r ge r. Bran»schweig: „Gegenüber der völkischen Anfsassnng, die nnr den Nassegenossen als gleichberechtigten Staatsbürger anerkennen will, leugnen wir nicht Verschiedenbeiten der Abstammungen/ bestreiten aber, das; sie Einfluß baden dürfen ans den Staatsgedanken als wichen. gegen dessen Mechanisierung wir uns wehren. Tie Verhetzung ist soweit gediehen, das; selbst für die Rechtspflege, diese Toinäne unbeirrbarer staatlicher Hoheitsänßcrnng, in Eiinclsällcn die völkische Welle durch von ibr ausgehende irrationale .strafte Gefahren zeitigt, ans die lnnznlveisen wir gerade ans dein Gefühl der Hochachtung heraus, das wir für die deutsche Justiz lind für ihre Träger cinpsinden, für unsre ernste staatsbürgerliche Pflicht halten." Tirektor des Ecntral-Vereins Tr. Ludwig H o l l ä n d e r iveist in eindrinalichen Worten ans de» zunchinendcn Boykott gegen die Anstellnng und Arbeit suchenden jüdischen Bewerber und Bewerberinnen hin. Von den .hierdurch hervorgernfenen Notlagen machen sich weite Schichten der Bevölkerung keinen Begriff. Wenn auch genaue zahlenmäßige llnterlagen fehlen, so craibt doch die genaue Beobachtung. hi-r wiedernm in den größeren nnd^ Oirofiftäbtoit, das; die Zahl der jüdischen Arbeitnehmer, die in kanfmännischen oder in indnstriellen Betrieben keine Ahstellnng finden,-'verhältnismäßig auffällig groß ist. Es g i b t e i n c n v e r s ch l e i c r - t e n und einen offenen Boykott gegen jüdische A n g e st e l l t c. Wir wissen, dqß sich namentlich in der Leitung großer Gesellschaften häufig Männer befinden, die gegen einen solchen Ausschluß die erheblichsten Bedenken tragen würden und die wünschen, daß in ihrem Betriebe Männer lind Frauen lediglich »ach den Gesichts p » n k t e i der Tüchtigkeit uni» A n st ä ndigkeii b c s ch ä s i g t w e r d e n sollen. Sic können es aber amb nicht immer verhindern, daß in den großen Massen der Fälle von jiibiicf>eix Bewerbungen von vornherein Abstand genommen vird. Es wurde vom Eentral-Berein schon häutig ans die Gefährlichkeit der sogenannten Fragebogxn hingewiesen, wfil sie in ihrer Rubrik, die die Angabe des religiösen Bekenntnisses verlangt, obwohl ein solches Bekenntnis zumeiil mit dem Betriebe nicht das geringste, zn Unn trat. Anlaß gibt, ' von vornherein jeden Inden - ansznschließen. Ter jüdische Bevölkernngsteil in Tentsch land müsse sich mit der Tatsache abfindem daß sein Nachwuchs und sogar noch die alte Generation mehr und mehr ans die Arbeit in der Form der Betätigung als Privatbecmte oder Angestellte angewiesen sei. Einer Romantik nach aicser Richtung hin-nachzngehen, ist'eine Schwär mcrei für Tänimerstnnden. Sie entspricht aber nicht mehr den Tätlichen des Lebens. Infolgedessen wird mit jedem Tage die Frage der Möglichkeit einer Anstellnng von jüdischen Elenrentcn wesentlicher. Eine Abhilfe könnte durch den Eentral-Verein erreicht werden. Man müsse sich zuerst einmal in jüdischen Kreisen über die Größe der Gefahr klar iverd«'». und man müsse den. Willen zur Herstellung besserer Verhältnisse zeigen. Bcmcikenswert ist ans der eindrucksvollen .Kundgebung, die noch mit einem Trio Mendelssohns anfwartete. das Auftreten der bekannte» Berliner Schauspielerin Lncie Mannkeim vom Stoatstheater. Mit tiefinnerem Emvfinden brachte sie einen Prolog von Fritz E n a e l;n Gehör. Als Iystizrat Brodnitz die große Kundgebung seblaß. setzten dif wuchtigen Akkorde der Eapitol-Trgel ein. »nd die Versamiillung sang stehend den dritten Vers des T e n t s ch l a n d l i e d c s. II OLufruf! Xm 27. und. 28. Mai 1920 (Pfingsten) findet in Dresden die Reichsdelegiertentagfing des Verbands der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt. 600 Jugendliche werden an der Tagung teilnehmen, so daß sie 4ich zu einer eindrucksvollen Kundgebung jüdischen Jugendwillens gestalten wird. Bewährte Führer des deutschen Judentums haben ihre Anwesenheit bei der Tagung zugesagt. Wir richten an alle Gemeindemitglieder die Bitte, dieser auch für Dresden bedeutsamen Tagung ihr Interesse zu widmen und eine würdige: Durchführung vorbereiten zu helfen! Der Ehrenausschuß: Rechtsanwalt Paul Salihger, , Vorsitzender des Sächsisdten israelitischen Gemeindeverbands, Vorsteher der israelitischen Religionsgcmeinde zu Dresden, Präsident der Fraternitasloge, Vorsitzender des Ehrenausschuss.es Rabbiner Professor Dr. Jakob Winter. Rabbiner Dr. Albert Wolf. Rudolf Apt, Vorsitzender des C.»V., Ortsgruppe D-esden. Egon Feuerstein. Oscar Lcsscr, Ehrenvorsitzender der Israelitischen Religionsgemeii ide zu Dresden. Siegmund Liffmann. Siegfried Pionkowski, Vorsteher der Israelitischen Religionsgemeinde zu Diese en, Vorsitzender der Zionistischen Ortsgruppe Dresden. Frau Sanitätsrat Gertrud Zimmermann. sämtlich in Dresden. Rabbiner Dr. Leo Bacdc, ürobpräsidcnl des U. O. B Rabbiner Dr. Hugo Fuchs, Ct emnilz. Josef Kahn, Vorsteher der Israelitischen Religiensgemcinde zu Chemnitz. Otto Schlesinger, Präsident der Saxonialoge zu Chemnitz, Wilischthal i. Sa. Rabbiner Dr. Felix Goldmann, Präsident det Frau Bettina Brenner, Vorsitzende des Jüdischen Frau: Rechtsanwalt Dr. J. Goldbcrg, Vorsteher der Israelitischer Simon Schocken, Zwickau Direktor M. Zucker B„ Deutscher Distrikt. Berlin. Leipzig-Loge, Leipzig, i :nbundes für Deutschland, Leipzig. Religionsgemeinde zu Plauen i. V. i. Sa. . r