Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 9 (31.1.1928)
- Date
- 1928-01-31
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde DreLdel Storch-Synagoge und Sklower Schul von, Kindheit an ^vertraut. Sein Vater, Isaak Cohn, ein Mann von ungewöhnlicher Intelligenz und Energie, der es aus kleinen Anfängen als „Oel-Cohn" zu einer in kaufmännischen Kreisen allgemein anerkannten Bedeutung und Wertschätzung brachte, besaß neben einem nie versiegenden Wohltätigkeitssinn auch großes Bildungsstreben. Beide zu betätigen, gehörte er den verschiedensten Vereinen als rühriges Mitglied an und führte seine Söhne Ferdinand, Julius, Hermann, später bedeutender Jurist, und Lskar, unter dem Namen Justinus beliebter Lustspieldichter, frühzeitig in dieselben ein. So hielt unser Ferdinand in der Gesellschaft für jüdisches Leben und Fortbildung schon als 17jähriger Jüngling ain dritten Weihnachtsfeiertag 1845 den ersten öffentlichen Dortrag über Schöpfungsmythen und Schöpfungsgeschichten. Als ordentlicher Universitätsprofessor, einer der ersten Jude», der es in Teutschland zu dieser Stellung brachte - allerdings kam er erst ziemlich spät (1875) dazu , rief er die ..Gesellschaft zur Erhaltung jüdischen Schrifttums und jlldischer Kunstdenkmäler" ins Leben. Seine edle Lebensgefährtin, auch eine Breslauerin. Pauline geb. Reichenbach, stand ihm in allen Lebensfragen als verständnisvolle Beraterin treu zur Seite. Sie hat ihm, zusammen mit Felix Rosen, seinem letzten Assistenten und Nachfolger auf dem akademischen Lehrstuhl (der vor mehr als einem Jahre in so rätselhafter Weise ermordet wurde), in den „Erinnerungsblätteru - ein würdevolles Denkmal gesetzt. Das ehrenvollste und schönste Denkmal aber hat er sich selbst errichtet durch seine bahnbrechenden wissenschaftlichen Forschungen, verbunden mit der Gründung eines pflanzenphysiologischen Instituts, der ersten derartigen Einrichtung in Deutschland, die aus weiter Ferne und sogar aus fremden Erdteilen wissensdurstige Jünger anlcxkte, durch die seltene Lehrgabe, die ihm eigen war, durch sein an volkstümlicher Darstellung einzig dastehendes Werk „Tie Pflanze" und namentlich durch sein stets gleiches, bescheidenes, liebenswürdiges und hilfreiches Wesen. Ein genialer Mensch und echter Jude! Dr. C. P. Jenkwitz. Nr. 9 «ratzt aas unfern Arabern leben“ Unser Kinderhort in der Rietschelstraße ist eine der wichtigsten, bedeutsamsten Einrichtungen der jüdischen Wohltätigkeit. I „, . Die Not unir das Elend unsrer atmen Glaubensgenossen sind oft sehr groß, und nicht allen ^nag bekannt sein, wie mühselig und hart sie oft um das tägliche Brot kämpfen. Wer die beklagenswerten "Verhältnisse kennt, wer auch im Bilde ist, wie viele, abgesehen von der pekuniären Lage, unter der Wohnungsnot zu leiden haben, w;r mitansieht, wie sie in geradezu armseligen, oft feuchten Ka nmern Hausen, wie die Kinder Tag und Nacht der ungesundesten Luft ausgesetzt sind, der weiß um die große Aufgabe, die der Kinderhort löst und immer besser zu lösen eifrig bemüht ist. Viele Eltern der Hortkinder nüssen außerhalb des Hauses ihrem Tagewerk nachgehen, imd diese Möglichkeit ist jüdischen warmherzigen Frauen zu danken, die vorschulpflichtigen und schulpflichtigen Kindein im Hort ein.Zuhause geschaffen haben. Ein Zuhause! Dies ist der höhere Sinn und Zweck des Kinderhortes. Ein Zuhause will eü den mutterlosen Kindern geben, ein Zuhause den Kii dern, deren Mütter gezwungen sind, am Erwerbsleben tei zunehmen, und, soweit es möglich, allen Kindern, denen < in trautes, behagliches Heim fehlt. Ter Hort will, wie sein Name sagt, Schutz sein. Er will die Kinder schützen vor den Gefahren der Straße, siebewahren vor bösen Einflüssen, nie sie besonders Kinder einer Großstadt ausgesetzt sind. Teij Kinderhort will das Elternhaus tagsüber ersetzen, will ErLehungs- und Bildüngsstätte sein, wich den Kindern das Le >en froh und heiter gestalten. „Kommt, laßt uns unfern lindern leben!" Diese Worte des Kinderfreundes ind Erziehers Friedrich Fröbel möge im weitesten und tiefs en Sinne jede jüdische Frau, jeder jüdische Mann erfasse i. Nicht allein Sorge und Sorgfalt für das eigene Kind genügen. Jedes Kind hat Anspruch auf Licht und Sonne, ms eine schöne Jugend. Emmy Jacob, Der imReka Hortleitern. Lesen Sie die Inserate in den Tage, jzeitungm! Resi-enz Kaufhaus 9. m. I. ft.