Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 9 (31.1.1928)
- Date
- 1928-01-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Gemein der MraetlttfiHen Religionsgemeinbe Dresden * Amtliche- Organ de» ©je «i Benmtwortl. Gcbriftieftana: SMtoMttttot LDlormacher. DrrZöra - Brria«: Israeli Havptaanabwrstelle für Inserate: Zar. Steralicht. Zenabaosstrahe 2.1. Telepho, »sch« Religioasaemrtnde Drrste» - Druck: Kabea LOomp., DreSben-A^ l 14051 SM« 29 mm Roadareillrreile tostet 30 Pf., (aafcnö Rabatt 13. Jahrgang || Dresden, dm 31.^ Januar 1928 HM! ÜÜ1 Nummer 9 bvblatt I Der ewige Fried«' Wir können die Idee der (beschichte nicht denken, ohne zugleich die Frage nach der Ausgabe und dem Ziel aller Geschicke, die Frage nach dem geschichtlichen Jdeql zu stellen. Wenn die eigentlichsten Gesetze der Geschichte die Gebote sind, die in ihr verwirklicht werden sollen, so muh vor dem Blick, vor der Hoffnung und der Erwartung eine Wirklichkeit stehen, der all« -Zeiten zu streben,-in der diese Gebote ihre Erfüllung finden sollen. Wenn Gott den Menschen einen Weg gehen heiht, so fordert dieser Weg sein Ziel; wenn das Wort Gottes zum Menschen spricht, so verlangt es seinen Tag, der ihm bestimmt ist. Alles Gottesgebot hat seine Verheißung, seine Bürgschaft. Man kann von dem Guten nicht wissen, ohne die Gewißheit zu hegen, daß ihm die Zukunft gehört. In der großen Zukunstshoffnung eines Menschen spricht sich das aus, was ihm der Sinn der Geschichte ist. Die Propheten haben das sittliche Problem der Weltgeschichte erfaßt. Der Gedanke des Bleibenden, dessen, was allein bestehen kann, hatte sich ihnen erschlossen. Sie sahen ein Vergängliches und ein Dauerndes im Lehen der Völker. Vergänglich ist alles, was der bloßen Macht dient; alle Gewalt ist dazu da. um früher oder später zusammenzubrechen. Mag sie immer wieder errichtet werden, sie stürzt doch immer wieder zu Boden. Ihr stetes Ergebnis rst, daß sie sich selbst vernichtet. Der Glaube an sie -ist der Glaube an das Nichtige und ist so Götzendienst. Bleibend ist allein, was von Gott Zeugnis ablegt, das Gute also, das, was dem Rechte dient, daS, was das Gebot Gottes verwirklicht. Die Gerechtigkeit ist die Gerechtigkeit für immer; sie kann unterdrückt, aber nie besiegt und nie vernichtet werden. Sie allein besteht von Geschlecht zu Geschlecht, sie allein gibt die Dauer, die Existenz für die Zeiten. Nur das, worin sie lebt, ist wahrhaft Geschichte. Es gibt nur eine Zukunft, die des Guten, die der Gerechtigkeit. DaS Bleibende ist aber auch immer das Verbindende. Die Macht und ihre Gewalt trennen, sie bedeuten die Bedrückung, den Kampf und den Krieg. Ihre Moral ist die doppelte Moral, diese Abgötterei, die das beanspruchende Urteil nur dem Sieger und die leistende Pflicht inrr dem Besiegten, die Forderung nur dem Starken und den Dienst nur dem Schwachen zuschreibt. DaS Gottesgebot und die Gerechtigkeit dagegen verbinden und einen; sie führen die Menschen und die Völker zusammen in dem einen Gebot, in dem einen Guten, dem einen Recht, dieser Anerkennung des einen Got ces. ist Lu» „Lehren de» Judentum»", UI. Teil. Sie schaffen die eine Menschheit. Das Trennende as Vergängliche und Vergebliche, düs Einigende ist das Bleibende und Wahrhaftige. So kann die Zukunft nur die sein, in der es eine in Gottes Gebot geeinte Menschheik gibt, oder; wie das Gleichnis des Propheten Zephania es sagt, „de: Ewige den Völkern eine lautere Sprache schafft, daß sie alle den Namen des Ewigen anrnfen, ihm Schulter an Schalter zu dienen" (3, i>). Tie Zukunft ist die Zeit der Versöhnung. Richt nur in dem Sinn ist sie es, daß die Völker sich finden . <Ae ist es auch in einem weiteren Sinne. Jedes Volk kan r sich dem Wege der Zukunft zuwenden. Die Wahl ist ihni gegeben und ihm aufgelegt, es kann und es soll sich in ihr entschließen; keinem ist sie erlassen und keinem wird sie abg mommen. Wenn ein Volk sich für das Vergängliche entsche det, so geht es abwärts, dem Niedergange entgegen. Aber jedis Volk kann, wenn es auch in die Irre gegangen, doch wie »er umkehren, es hat eine lange Zeit vor dem Ende, es kan i die Versöhnung finden und damit sich wiederfinden und wie »ergeboren.werden. Diese Versöhnung mit Gott führt zün Leben, zur Dauer hin; erst durch sie gewinnt'ein Volk walrhaft seine Geschichte und seine Zukunft, und auch in dies;m Sinn ist darum die Zukunft der Menschheit die Zeit der Versöhnung. Zur diese Versöhnung, für diese Bedeutung und Zukunft der Geschichte hat die Bibel das Wort Frieden geschaffen. Sie mei it mit ihm nichts Sentimentales, nichts, ivas sich in der blos en Schwärmerei entlädt. Der Friede, von dem die Prophe en sprechen, schließt eine sittliche Aufgabe, ein Gebot i» sich, er bezeichnet einen Weg, den die Menschen gehen, den sic bah ren sollen. Der Mensch, der von Gott weiß und sein Gebot erfüllt, hat den Frieden. Alles Streben nach Macht läßt ruh;los und unstet werden, im Dienst der Gerechtigkeit findet der Mensch seine Sicherheit und seine Ruhe. Wo der Frieden ist, »ort ist das Reich Gottes, er ist die Welt, in der das Gute sein; Erfüllung hat, in der der Mensch seine Einheit mit Gott besitzt. ' lvas gibt das Bild der kommenden Zeit. Sie ist die Zeit, in l er alle Gewalt und aller Frevel, alles Rohe und Wrlde, alle Zwietracht und aller Krieg geschwunden sein werden, in der alles Werkzeug ein Werkzeug des Guten, alles Streben imd Trachten ein Streben nach dem Rechten sein wird, in der alle menschliche Gemeinschaft sich auf Wahrheit und Gerechtigk;it, auf Frieden und Freiheit gründen wird. So hat der Psa mist es geschildert: „Liebe und Wahrheit begegnen sich. 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