Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 8 (31.12.1927)
- Date
- 1927-12-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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«vmtevlalt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden AmtUthe» Organ de» Semeindevorftande» Benmtwoetl. ©AriHleHano: ^finüi Haaplaaaabwrstrjle für 3nfi it itr rrktor L-Ploewacher. Drrstr» - Balag: Zkaetitikb« Retlgloasste«eta-e Drest-e» - Drack: Kobea L6oaw„ D«<tea»A. : 3«. Stemllcbt. Zeagbausfkahe 2.L Seiet boa 14061 Die 29 mm Noatxneillereile tostet 30 Pf. laufen- Rabatt 3. Jahrgang Vi?»3:c,b Dresden, öm 31. Dezember 1927 SKi Nummer 8 Raphael Aofftel« 8» feine« 70* «ehnrtStage am 28. Januar St ist kein Jubelgreis. Weniger denn je sind bei ihm sentimentale Betrach,ungen am Pia». In ungebrochener Kraft wirft er. nun schon im 3v. Jahr, ir unserer Gemeinde, von allen geschätzt, überall gern geieden. eir lebensfroher Mann, ein Lhasa«, wie wenige, der letzte Ritter vi elleicht einer;!ft»nst. die in West-Europa immer seltener wird. Raphael Hosstein ist in Künstler. Man kann sie heute an den Fingern abzählen. die wenigen Kantoren, die gesangliche» und musikalische» Könne,, mit jüdischem Wesen vereint besitzen. Aber noch erschreckend geringer ist die Zahl derer, die mehr sind al» bloßGesan, »-Beamte. Rur die allerwenigsten habe» da», wa» dem Kantor erst zum Ehman nacht: da» Verhältni» zum Ueberberufli den. zum Uebertechnischen. wa» kein Ser ünar. kein Konservatorium. kein noch sc berühmter Gesangslehrer geben kann, d r» innere Feuer, die Weihe. Und Raphae! Hofftein gehört zu diesen AuSerwävlten. Ein Meistersinger, n ie man sich ihn in der Literaturgeschichte denkt. Auch der Lhasa» mutz, wie die a >ten Bücher von den deutschen Meisterzinsten berichten. „sinken und sagen" tön» en. Die jüdische Ueberlieserung hat wie sl et» auch diesmal treu den deutschen Spra«,gebrauch früherer Jahrhunderte bewal tt. Singen ünd sagen, ja da» tann Hofft rin. Singen: der große Kaddisch an den hohen Festen, die Ovar » zu Mufsast an den Sühnetagen. Unsaueh tokef, ki ch’ichimcho am CersöhnungStag. — e» läßt sich nicht alle» aufzc hlen, aber wer Sinn Kr den jüdischen Gölte ttnenst hat. wer di! Gebete kennt, wer dem Ge,ange folgen kan it der weiß um Ho! stein» Können. Hier singt kein Opernsänger. k> in Oratorienbasfißt. ster fingt ein Lhasa«; aber einer,wie rr fein so l. em8edNiacli rld dur,einAbgeiank»er der Gemeinde. Stet» se ner Sendung bewu ft. immer makkij’r m’kauman. einer, der i oeiß, wo er steht, ga rz Ernst. Wü, de und Weihe. Und wer hier licht die singende 8 eele heraushört, die jüdische Seele, der ist zu bedauern Und Sagen? Wer , loch halbwegs diese» Kunstform de» Vorbeten» nahesteht, wird j ossiein bewundern. Freilich die Liturgie der liberalen Synagoge bat ibm für Improvisation und freies Rezitieren immer weniger Spielraum gelafien Aber wa» ihm geblieben ist, beherrscht er vollendet. Ihn an den Hoven Feiertagen oder an den Wallfahnsfesten die laute Wiederholung de» Achtzehngebrie» voniagen zu hören, ist stets eine Freude. Wie durchdacht ist. um nur ein Beispiel zu nennen. Hofftein» Rezitieren d»r Selichau» wie rührend die Einleitung de« Sündenbekenninifses; Ono towau l’fonecho t’filossenu. Ob 9. »b. ob ». Hoschano rabboh, ob Kol Ridre. ob SimchaS Tauroh — immer überrascht dieser nimmermüde, immer rege Musiker durch neue Einfälle. Wendungen, musikalische Anspielungen, immer wieder läßt er aufhorchen. entführt den Willigen auS der Sphäre des Alltags in ein Reich geheimer Sehnsucht. Die jüdische Seele, seit Jahrtausenden verschüttet, erwacht von Zeit zu Zeit. Und alter Tempelsang weckt sie; dann erinnert sie sich, an vergangenes. Verlorenes . ..' Und Holstein gehör« zu den wenigen, die die Erinneiung wachrufen können. Das danken wir ihn,, an allen Sabbaten utid Feiertagen, wann immer wir ihn hörm. ES braucht keiner besondern Anlässe; jeder Gottesdienst, in dem er vorbetet, ist Anlaß genug. Und siebzigster GeburtStag? Was besagt die Zahl der Jadre? Wer so klar und voibildlich sinngemäß aus der Thora liest, die Megillath Esther vorträgt, wer so im Besitz seiner Stimmkraft ist. wer wie Hofstein immer neue Gelänge niederschreibt, alte Weiien auf dem Papier festhält. die sonst unwiederbringlich verlorengingen, wer so fteudig und eifreuend sein Amt. seinen Beruf erfüllt, der ist ein Begnadeter, an dem sich da» Psalniwort von den Gerechten bewadrheitet: Huck j’nuwun b’sewo, d’schenim w’raananim jih’ju. „Noch im Silberhaar blühen sie und ergrünen voll Mark und Kraft." — Und so beglückwünschen wir ihn und freuen uns seiner, freuen uns mit ihm, mit dem Sänger und mit dem liebenswürdigen und gefälligen Menschen, mit unserm Hofstein. _ Dr. Leo Fantl ZXc •eburteiagaftitr find«! Sonntag, 22. Januar, tn dar Wohnung, Stephanien ftr. 1, statt. Automobil - Reparaturwerkstatt und -Vertrieb Dr. Hans Gerhardt Repar Autorisierte Dresden Wiener Platz 3 (gegenüber dem Hauptbahnhof) Fernruf: 17197 ituren an Wagen aUer Systeme BepoiatnnnerKstatt fttr Chevrolet» und Citroen*Automobile