Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- 7 (28.11.1927)
- Date
- 1927-11-28
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
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*' Seite 14 Gemeind eblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden dir. 7 Hauptversammlung der Liberalen Bereinigung Am 22. und 23. Oktober 192" hielt in Frankfurt a. M. die »Vereinigung für das liberale Juicntum" ihre Hauptversammlung ab. Teuerste Lag war Festgottes liensten in den Orgelsynagogen, einem Begrüßllngstee und einer für die Presse unzugänglichen- Ge- < sckuiflssitzung gewidmet, die den Gcsaiiitvorstaiid sehr erweiterte, aber R.-A. Heinrich Stern, Berlin wieder zum Vorsitzenden, R.-A. Tr. Geiger, Frankfurt a. M„ z, seinem -tellvxrtrcter wählte.! Der «onntag brachte dann den iöffentlichen Teil; am Vormittags vier Referate über das Gesamtlhuna »Individuum und Gemeinsckiaft", in die sich Rabbiner Tr Ticncmann, Offenbach a. M. ^»Gemeinschaft und Individuum in chren gegenseitigen Rechten und Pflichten"). Erich Bayer, Bre stau (»Ter Kultus, die Gemeinscbaft und der Einzelne"), Biai ca Hamburger, Berlin (»Tas jüdische Heim — unser zweites Gotteshaus") und Justizrat Tr. Blau, Frankfurt a. M. i.Ti: Gemeinde und der Einzelne") teilten. Ter Nachmittag war dinn der Tiskussion, der Abend einer öffentlichen Kundgebung gewidmet. Von. großem 'Interesse waren die Referate Tr. Tienemanns und Justizrat Blaus. Ticnema, n führte etwa aus: Tie Frage »Individuum und Gemeinschaft" ist niemals endgültig zu lösen, sondern stets neu zu durchdenket. Tie jeweilige Gegenwart ist wichtig für die jeweilige Haltung, deshalb ist ein Blick auf unsere (sicgerrwart wesentlicher als his arische Rückbeziehung.,. Unsere heutige Situation ist anders als die in der klassischen Zeit des Liberalismus; der Individualismus im Staat, in Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Religion, der! as 19. Jahrhundert zeichnete, ist in all diesen Bezirken der Neigun l zur gebundenen Lebensführung gewichen. (Völkerbund, Organisierung der nationalen Minoritäten.! Tie Tragik des Liberalismus in diesem ewigen Zwiespalt ist, daß er zwar die Forri al? kein göttliches Gebot an erkennen kann, also individualisti meinsame religiöse Formen brau Judentum gebunden ist, wo die sch ist, aber wie jede Religion gecht. Ties besonders, da er ans Gemeinschaft stets stärker betont war alsanderswo, wo das persinliche Seelenheil zugunsten der Erwählung des heiligen Volkes und der Erlösung nur der Gemein-, schüft. zurücktrat, wie denn auch dem Gemeindegebet möglich in persönliches Gebet hier nur nach Sind wir darüber hinaus? Tann sind wir vielleicht nicht mehr Judrn. — Deshalb sind Forderungen der Gemeinschaft an das Jndividt Vorne sichtlich ihrer Existenz (wir sind ins Judentum hineingeboren: Ahnen wirken fort) und hinsichtlich ihres Wertes, der nicht auf der Blutsverbundcnheit ruht — Blut kann ein Schicksal sein, doch ist es noch kein Wert —, sondern auf erworbenemsseclischen Gut, das der Gemeinschaft eigentümlich ist. Als »Jde«n-, Gedanken- und Wertungsgemeinschaft" bestimmt sich das Judentum durch die lleberzcugungen vom Dienste des gerechten Menschen gegenüber dem einzig einigen, rein geistigen Gotte, dessen Reich der Mensch zu verwirklichen hat, freien Willens zwar uni ohne Mittler, doch einem Gott gegenüber, der nicht nur schenkt, andern fordert und dem nur Erfüllung seiner Gebote Zrömmigken heißt. — Als nicht nur geistige Gemeinschaft darf das Judentu n jedoch auch Anerkennung seines Gesellschaftskörpcrs fordern des Trägers und Bewahrers seiner Gedanken, und Opfer für beide, bis zu dem des Lebens, doch nicht das des Intellekts. Sittlich legitimieren sich diese Opfer dadurch, daß sie keiner Macht — sondern einer Geistesgemeinschaft dargebracht werden. Das höchste Ziel ist, das Judentum als Geist mit dem Judentum .als Gesellschaftskörper, die stets aufeinander klaffen, zur Deckung zu bringen. Tie Grenze all dieses Tuns liegt^im Recht des Jndi -iduums auf eigenes Tente», auf Kritik, auf «elbständigkeit der Stellungnahme, die neue Formen und auch eine neue Gesamtrichtung der Gemeinschaft — z. B. im Sinne einer Abschwächung der nationalen Elemente — mit sich bringen mag. Teshal, verbietet sich jede Kodifikation, wenn auch „Richtlinien", die eine solche weder wolle» noch sind, von Zeit zu Zeit geboten erscheinen. All dies aber ist nicht lediglich oder auch nur vor allem intellektuell bestimmt, sondern von den irrationalen Kräften des Willens mit getrieben und geformt. Im Gegensatz zu Tienemanns Referat führte Justizrat Blaus Rede mitten in eine ^.Frage hinein, die für die inneren Auseinandersetzungen der Liberalen täglich mehr Gegenwart gewinnt: Großgemeinde oder liberale Austrittsgemeinde? Dr. Blau führte um anzucrkennen, und zwar hini «SCHOKOLADE PRALINEN KAKAO ob.ann.es Mabhesius hme Wohnungseinrldatungen Innenausbau Dresden, Grun&er S x&ße 33/33/37 i:xo Telephon 14377 BiolinenUntmicht erteilt ju mäßigem Hanoi at Herbert Rogge j clfttOtlttttp 4 Beleuchtungskörper, Tisch - und Standlampen, Elektr. Koch. und . Heizapparate, Apparate für ^etse und Körperpflege. Staubsauger Fritz Rausdienbach Nacbflg. Rlngstr. 4 t Ruf 17933 u. 3M71 Kraft-, Licht- Und Klmgetan agen Reklame- und* Lichtbuchs aben Motorenlager und Repare turen Streng Ja ungarische Mastgänse Hühner Jeden Mittwoch, frei Heus Vorherige Bestellung erbeten. AfbrechtstraAe Sf O MAN I Telepnc on 19150 4P aibin Schmidt Grcß'üfXten'Jianclßt Dresden-As PillniherStr 16 W/1255? 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